Jung, kampfstark, aber zu wenig effizient

YB ist in der Europa League ausgeschieden. Trotz einer kämpferisch starken Leistung verlieren die sehr jungen Young Boys beim nicht besonders überzeugenden Partizan Belgrad 1:2.

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Fabian Ruch

Auch die zweite Halbzeit beginnt für die Young Boys mit einer kalten Dusche. Partizan Belgrad kombiniert sich in der 53. Minute herrlich zum 2:1. Leandre Tawamba lanciert – aus allerdings abseitsverdächtiger Position – den rasanten Angriff, den schliesslich Sturmpartner Ognjen Ozegovic mit einem Kopfball vollendet. Es ist die mit weitem Abstand beste Kombination Partizans.

Danach verlegen sich die Belgrader wieder aufs Defensivspiel, wobei sie keineswegs einen unwiderstehlichen Eindruck hinterlassen. Partizan ist keine grosse Mannschaft, im Gegenteil, die Gastgeber geraten vor allem in der hektischen Schlussphase in erhebliche Schwierigkeiten. Im Abschluss allerdings sind die tapferen, kampfstarken Young Boys zu umständlich. Sie rennen erfolglos dem Rückstand hinterher.

Durch die 1:2-Niederlage sind sie bereits nach fünf Spieltagen und mit nur drei Unentschieden auf dem Konto aus der Europa League ausgeschieden. Im letzten Gruppenspiel am 7. Dezember zu Hause geht es für YB nur noch darum, den albanischen Vertreter Skenderbeu, der gestern Leader Dynamo Kiew überraschend 3:2 schlug, wieder auf den letzten Platz zu verweisen. Und um europäische Punkte für den Schweizer Klubfussball. Die leidenschaftlichen Supporter Partizan Belgrads dagegen feiern am späten Donnerstagabend frenetisch das erstmalige Überwintern im Europacup seit 13 Jahren.

Reaktion nach Rückstand

Der Abend in Belgrad begann bereits äusserst stimmungsvoll. Vor der Partie schmetterten die einheimischen Zuschauer mit Inbrunst die Partizan-Vereinslieder, die Stimmung war elektrisierend, wie erwartet laut und wild und euphorisch präsentierten sich die Fans des serbischen Traditionsklubs. Die Young Boys erwischten vor etwas mehr als 20 000 Zuschauern einen eher unruhigen Start, und wie im Hinspiel gerieten sie früh in Rückstand. Damals hatte Partizan beim 1:1-Unentschieden nach elf Minuten getroffen, gestern erzielte der kräftige Angreifer Tawamba nach einem Freistoss in der 12. Minute mit einem Kopfball das 1:0.

Wie beim Duell in Bern liessen sich die Young Boys durch das Gegentor jedoch nicht beeindrucken. Nach rund einer Viertelstunde Spielzeit fanden sie in die Begegnung, sie agierten passsicherer und abgeklärter als Partizan – und erzielten erneut bald den Ausgleich. Im Stade de Suisse hatte Christian Fassnacht nach 14 Minuten das 1:1 erzielt, gestern reüssierte Nicolas Ngamaleu in der 25. Minute nach einem Eckball Miralem Sulejmanis und ungenügender Abwehr Tawambas mit einem Flachschuss aus rund zehn Metern.

YB-Durchschnittsalter: 22,9!

Ngamaleu war für Christian Fassnacht in die gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Zürich am Sonntag auf vier Positionen veränderten YB-Mannschaft gerückt. Die Routiniers Steve von Bergen (Rückenbeschwerden) und kurzfristig auch Sékou Sanogo (Adduktorenschmerzen) fielen gestern aus, sie wurden durch Grégory Wüthrich und Michel Aebischer ersetzt. Und damit die sehr jungen Young Boys zumindest ein bisschen erfahrener waren, spielte hinten links Loris Benito für Jordan Lotomba. Benito war mit 25 Jahren der zweitälteste Akteur in der Berner Startformation, die ein für internationale Begegnungen rekordverdächtig tiefes Durchschnittsalter von 22,9 aufwies. Die Young Boys agierten ganz in weiss gewandet, unschuldig und rein irgendwie und ganz passend zum jugendlichen Gesicht.

Sulejmani als Captain

Mit Abstand ältester YB-Akteur war Miralem Sulejmani, der in seinem Heimstadion gegen seinen Juniorenklub vor vielen Freunden und Bekannten auf der Tribüne die Captainbinde trug. Sulejmani hatte seine Teamkollegen vor der faszinierenden Ambiance im baufälligen Partizan-Stadion gewarnt, dennoch überraschte es, wie kühl und souverän die Young Boys grösstenteils agierten. Sie liessen sich von den rustikalen Gastgebern selten aus der Ruhe bringen, kombinierten relativ flüssig und blieben über weite Strecken das bessere Team.

Im gegnerischen Strafraum aber agierte YB zu wenig entschlossen. Oder zu eigensinnig, als Roger Assalé den besser postierten Ngamaleu kurz vor Spiel-ende übersah. Und so verpassten die Young Boys gegen ein mediokres Partizan eine grosse Chance.

Berner Zeitung

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