Jubel wie bei Tokio Hotel, Staunen wegen Rochat

Am Mittwoch haben die Young Boys das neue Trikot präsentiert. Der Schriftzug auf der Brust vermochte zu verblüffen – ebenso der sehr wahrscheinliche Transfer Alain Rochats.

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Der Lärmpegel erreicht seinen Höhepunkt um 16.15 Uhr. Der Anlass ist ungewohnt – im Neufeldstadion marschiert Yuya Kubo im neuen YB-Trikot ein. Kubo klatscht die sich ihm entgegenstreckenden Kinderhände mit der nötigen Coolness ab, der Zuzug aus Japan ruft auf den Rängen eine Geräuschkulisse hervor, die an die Auftritte von Tokio Hotel erinnert. Die Young Boys und ihr treuer Anhang feiern den Saisonstart schon vor der ersten Partie am Samstag. Die Leute kommen zahlreich, und Trainer Uli Forte wird von Jubel unterbrochen, als er via Mikrofon verspricht, beim Auftakt gegen Sion «Dampf zu machen».

Zwei Stunden früher, Medienraum, Stade de Suisse. Die YB-Verantwortlichen nehmen Stellung zur anstehenden Spielzeit, und es sind Zahlen, die von Arbeit zeugen, welche Sportchef Fredy Bickel und seine Mitarbeiter präsentieren können. 44 Spieler waren Anfang Januar, als Bickel sein Amt antrat, im YB-Kader, 24 sind es heute. Es gab 30 Mutationen, 18 Abgänge, 6 Zuzüge, 6 Spieler wurden ausgeliehen – die angestrebte Verschlankung in der schwer überschaubaren Personalsituation wurde rigoros umgesetzt. «Unser grösstes Ziel in den vergangenen Wochen war, die Kosten zu reduzieren», bestätigt Fredy Bickel. Einziger Wermutstropfen der Young Boys bleibt das Fernbleiben im europäischen Wettbewerb. Darauf angesprochen, ob das Entfallen der Dreifachbelastung mit Meisterschaft, Cup und Europacup vielleicht ein Vorteil für YB sein könne, entfährt Sportchef Bickel gar ein Kraftausdruck, gefolgt von der deutlichen Ansage: «Das darf es nicht noch einmal geben.»

Nachdem die neue Saison auch von offizieller Seite her aufgegleist ist, ist die eigentliche Katze bei YB aber noch lange nicht aus dem Sack. Seit geraumer Zeit versuchen die Young Boys, einen Trikotsponsor für die neue Saison zu finden. Mit der Enthüllung des neuen Dresses sorgt YB aber für ein Novum: Erstmals wird auf dem Leibchen eines Schweizer Clubs mit der Laureus-Stiftung ein Charity-Partner werben dürfen. In floskelreichen, langfädigen Ansprachen orientierten unter anderem YB-Verwaltungsrat Hansueli Rihs sowie Laureus-Stiftungsratspräsident Rolf Theiler über die vorab dreijährige Partnerschaft (siehe Text rechts).

Doch so richtig vermag am Medienmarathon vor allem Sportchef Fredy Bickel zu verblüffen, der die nächste Neuverpflichtung von YB gleich aus eigener Initiative an der Pressekonferenz ankündigt. «Alain Rochat weilt heute Nachmittag für Gespräche in Bern», verrät Bickel. Allein die Tatsache, dass ein Sportchef von sich aus auf laufende Verhandlungen hinweist, deutet doch schwer darauf hin, dass die Verpflichtung des 30-jährigen Verteidigers spruchreif ist. Rochat spielte bereits von 2000 bis 2005 für die Young Boys, als Fredy Bickel ebenfalls noch Sportchef in Bern war. Für YB absolvierte Rochat 152 Spiele und erzielte fünf Treffer, den letzten davon gegenden FCZ. Dorthin holte ihn Bickel später zurück, zuletzt spielte Rochat dann in der nordamerikanischen MLS für Vancouver und Washington.

Der Yverdonois könnte als Aussenverteidiger das Duo aus der Romandie um François Affolter und Steve von Bergen komplettieren. «Wir haben uns bewusst noch einmal defensiv verstärkt, auch weil wir von Yuya Kubo positiv überrascht sind», erklärt Bickel. «Ich denke, in der Offensive machen wir jetzt vorerst nichts mehr.»

Dass der japanische Offensivspieler Kubo die Berner Transferbemühungen um einen Mann fürs offensive Mittelfeld zum erlahmen gebracht hat, ist aber nicht als so sicher anzunehmen, wie es von offizieller Seite her klingt. Das internationale Transferfenster bleibt noch bis Ende August geöffnet – gut möglich, dass YB auch nach dem Saisonstart am Samstag noch Personal verpflichtet.

Im Anschluss an die Trikotpräsentation testete YB am Mittwoch noch gegen Winterthur. Beim 1:1 kam Kubo von Anfang an zum Einsatz, mit Marco Wölfli, Christoph Spycher, Moreno Costanzo und Raphaël Nuzzolo griffen aber etliche mutmassliche Stammspieler erst später ein – oder blieben auf der Tribüne.

Berner Zeitung

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