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Jetzt stehen die YB-Spieler in der Verantwortung

Zehn Spieltage vor Saisonende musste Martin Rueda bei YB gehen. Im Sport entscheiden manchmal Zentimeter und Zufälle, die Entlassung Ruedas aber ist logisch und nachvollziehbar.

Der Nächste, bitte! YB ist vieles: unruhig, ambitioniert, ungeduldig, erfolglos. Und YB verschleisst auf allen Ebenen Personal. Kontinuität und Kompetenz fehlen, die Freistellung Martin Ruedas ist die nächste unliebsame Konsequenz aus der gescheiterten Vorwärtsstrategie. Die «Phase 3» verschlang Millionen, deshalb suchte der Verein im letzten Sommer eine preiswerte Lösung als Nachfolger von Christian Gross – und fand sie mit Rueda. Der freundliche Trainer hatte einen schwierigen Stand, er war die Kompromisslösung und wurde nie bedingungslos unterstützt. Trotz grossartigen Vorstellungen in der Europa League war früh erkennbar, dass der Vertrag Ruedas kaum verlängert werden dürfte. Zu schwach agierte YB, zu wenig war eine Trainerhandschrift zu sehen.

Jetzt muss Rueda zehn Spieltage vor Saisonende gehen. Im Sport entscheiden manchmal Zentimeter und Zufälle, die Entlassung Ruedas aber ist logisch und nachvollziehbar. Dieses YB bereitet niemandem mehr Freude, die Zuschauer wenden sich zu Tausenden ab, den Spielern mangelt es an Entschlossenheit, Überzeugung und Selbstvertrauen. Natürlich hätten die Young Boys gestern gegen Servette und eine Woche zuvor in Lausanne nach ansprechender Startphase 2:0 führen können – aber sie taten es eben nicht und fielen auseinander. Die Mechanismen des Geschäftes sind ebenso brutal wie einleuchtend: Bleibt der Erfolg aus, wird der Trainer ausgewechselt – man kann ja schlecht das gesamte Team zum Teufel jagen.

Martin Rueda ist auch an den Sünden der Vergangenheit gescheitert. Dieses YB-Team ist völlig falsch zusammengestellt. Es fehlt beispielsweise an Führungsspielern und einer stabilen Achse, die teilweise talentierten Akteure harmonieren nicht. Das lässt sich kaum von heute auf morgen ändern. Sportchef Fredy Bickel ist der Hoffnungsträger im Betrieb, auf seinen Schultern lastet extrem viel Verantwortung. Er muss zahlreiche Baustellen bearbeiten, radikal ausmisten und sich von mehreren Spielern trennen. Allerdings ist Bickel als harmoniebedürftiger Manager bekannt, und so darf man gespannt sein, ob er beim Neuaufbau mit der nötigen Härte voranschreiten wird. Zudem stecken die Young Boys auch wirtschaftlich in schwierigen Zeiten, 2013 droht erneut ein heftiger Millionenverlust.

Gefordert sind jetzt aber in erster Linie die Fussballer. Sie sind teilweise hoch bezahlt, enttäuschten in den letzten Monaten aber mit zuweilen unerklärlich schwachen Vorstellungen. Ein anderer Trainer und neue Ideen können frischen Wind in die Equipe bringen. Allerdings ist es ein Armutszeugnis, müssen die Profis in solchen Krisensituationen speziell motiviert werden. Bernard Challandes könnte nun mit seiner impulsiven, leidenschaftlichen Art bis Saisonende eine passende Besetzung auf dem Trainerposten sein. Ob er indes langfristig der ideale YB-Coach wäre? Die Wirkung seiner Methoden verpuffte auf seinen letzten Stationen jeweils nach einer gewissen Zeit.

Und so suchen die Young Boys weiter den richtigen Coach. Gescheitert sind in den letzten Jahren viele Trainertypen: strenge und nette, prominente und billige, systematische und motivierende. Die Auswahl an Bewerbern aber ist immer noch riesig. Denn eines sind die Young Boys auf jeden Fall nach wie vor: eine reizvolle Adresse. Zumal der neue Trainer nach dem tiefen Fall in den letzten Jahren fast nur gewinnen kann.

Mail: fabian.ruch@bernerzeitung.ch

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