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«Jammern bringt niemandem etwas»

Thun-Trainer Marc Schneider spricht vor dem Cupspiel gegen Stade Nyonnais über den schwierigen Saisonstart seiner Mannschaft, Verletzungspech, falsche Erwartungen und den Traum vom nächsten Cupfinal.

«Die Tabelle interessiert mich nicht»: Marc Schneider lässt sich nach dem harzigen Saisonauftakt nicht beunruhigen.
«Die Tabelle interessiert mich nicht»: Marc Schneider lässt sich nach dem harzigen Saisonauftakt nicht beunruhigen.
Keystone

Das letzte Meisterschaftsspiel ist erst knapp zwei Wochen her. Wie haben Sie die Nationalmannschaftspause genutzt? Hatten Sie auch Zeit abzuschalten? Am Wochenende hatten alle Spieler und Mitarbeiter frei. Diese Pause hat gutgetan, damit wir am Montag wieder mit vollem Elan ins Training einsteigen konnten.

Gab es auch eine Analyse der ersten neun Spiele der Saison? Natürlich haben wir analysiert. Und wir haben gesehen, dass wir phasenweise gut gespielt haben. Dass wir aber zu viele Gegentore erhalten und in der Vorwärtsbewegung noch zu wenig konsequent agieren. Das lässt sich aber nicht einfach trainieren, da der Druck eines Spiels in einem Training nicht simuliert werden kann. Daran arbeiten wir jeden Tag. Es gab auch in der letzten Saison Phasen, in denen wir nicht viele Tore schossen und zu viele erhielten. Und obwohl wir nicht viel umstellten, änderte das irgendwann.

Der FC Thun steht bei fünf Punkten aus sechs Spielen, hat die drittschwächste Offensive, in der Defensive immer wieder Probleme und auch im Tor gab es zuletzt einen Wechsel. Haben Sie vor der Saison erwartet, dass der Start so harzig verlaufen würde? Ja. Letztes Jahr zum selben Zeitpunkt hiess unser Offensivtrio Marvin Spielmann, Dejan Sorgic und Matteo Tosetti. Die sind entweder nicht mehr da oder verletzt. Jetzt sind es Nias Hefti aus der Challenge League, Simone Rapp, der seit er Thun verliess nie mehr regelmässig spielte und der 17-jährige Uros Vasic oder Dennis Salanovic. Man darf nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Die letztjährige Mannschaft war seit zwei Jahren zusammen, die jetzige muss erst zusammenwachsen. Das braucht Geduld. Diese Jungs haben Qualität, aber Marvin, Dejan und Matteo können nicht 1:1 ersetzt werden.

In den anderen Mannschaftsteilen gab es weniger Veränderungen und trotzdem funktioniert vieles noch nicht. Kann die Uneingespieltheit eines Teils Einfluss auf die gesamte Mannschaft haben? Natürlich. Wenn die Offensive zehn Tore mehr schiesst, fällt vieles leichter und wird ein Gegentor weniger entscheidend sein. Auch in der Aussenwahrnehmung. Wenn man Gegentore erhält aber trotzdem erfolgreich ist, werden einem defensive Mängel eher verziehen. Da es im Moment offensiv noch nicht so klappt, müssen wir in der Defensive extrem gut arbeiten, damit wir keine Tore bekommen. Das läuft noch nicht wie gewünscht.

Haben Sie die letzten Tage auch dazu genutzt, die Goaliesituation anzuschauen? Ja. Beide präsentieren sich gut, und es herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf. Es ist ein Thema, das uns in der nächsten Zeit begleiten wird. Wir schauen von Woche zu Woche.

Wir können nicht die Erwartung haben, eine fast komplett neue Mannschaft mit vielen Jungen aus der Challenge League zusammenzustellen und dann unter die ersten 3 zu kommen. Das wäre komisch.

Vor der Nationalmannschaftspause sagte Sportchef Andres Gerber, dass nach der Niederlage gegen Sion alle unter Druck seien, da Xamax nur einen Punkt dahinter liegt. Spüren Sie den Druck? Dieser Druck ist immer da, egal wie sich die Tabelle präsentiert. Wir haben nicht dieselben Möglichkeiten wie andere Mannschaften, deshalb geben wir anfangs Saison bewusst den Ligaerhalt als Ziel an. Wir können nicht die Erwartung haben, eine fast komplett neue Mannschaft mit vielen Jungen aus der Challenge League zusammenzustellen und dann unter die ersten 3 zu kommen. Das wäre komisch. Sonst würden alle anderen Teams ihren Job nicht richtig machen. Wir kennen unsere Möglichkeiten und wollen das Maximum herausholen. Die Tabelle interessiert mich nicht. Ich bin überzeugt, dass wir am Ende da stehen werden, wo wir hingehören. Der Ligaerhalt hat oberste Priorität.

Gerber sagte auch, dass es ein gutes Gefühl sei, zu wissen, dass mit den verletzten Matteo Tosetti und Dennis Hediger noch zwei Trümpfe in der Hinterhand wären. Hediger fällt noch länger aus, wie weit ist Tosetti? Er ist noch nicht ganz da, wo er sein sollte, aber es ist durchaus möglich, dass er bald zu einem Teileinsatz kommt. Uns fehlen mit Tosetti, Hediger und Grégory Karlen im Moment drei gestandene Spieler. Tosetti war in den letzten Jahren einer der besten Vorbereiter der Liga. Hedigers Qualitäten sind bekannt, und Karlen ist einer der besten offensiven Mittelfeldspieler der Liga, wenn er sein Potenzial auf den Platz bringt. Der FC Thun kann solche Ausfälle nicht einfach ersetzen. Wir brauchen sie und natürlich plange ich darauf, dass die Rückkehr möglichst bald sein wird. Andere Teams merken auch, wenn einer fehlt. Bei uns wirken sich solche Ausfälle aber wohl noch etwas mehr aus, weil bei uns dann ein 17-jähriger Junior nachrückt.

Worauf führen Sie die lange Verletztenliste schon zu Saisonbeginn zurück? Einfach Pech? Im Moment sind wir sicher nicht vom Glück verfolgt. Wir hatten schon vor zwei Jahren viele Verletzte, im letzten Jahr blieben wir verschont, jetzt fehlen wieder viele. Aber muskuläre Fälle sind nur zwei, Tosetti, und nun Munsy, der ein paar Wochen fehlen wird. Bei allen anderen sind es Gründe, die wir nicht mit Trainingssteuerung beeinflussen könnten. Es sind Dinge, die im Fussball passieren. Verletzungen lassen sich nicht immer erklären, aber sie gehören dazu.

Haben Sie in den letzten Wochen nie gehadert, als Sie gemerkt haben, dass noch nicht alles wie gewünscht funktioniert, die neuen Spieler Zeit brauchen und dann dieses Formen einer neuen Mannschaft ständig durch Verletzungen gestört wird? Nein. Hadern wäre nicht gut. Wir arbeiten mit dem, was wir haben und versuchen, das Optimum herauszuholen. Die Jungen entwickeln sich mit jedem Spiel weiter und die Arrivierten kommen irgendwann alle zurück. Jammern bringt niemandem etwas.

Wenn wir gewinnen, ist alles gut. Wenn wir verlieren, heisst es: «Jetzt verlieren sie sogar gegen die.» Wir können in den ersten Cuprunden nur verlieren.

Am Sonntag treffen Sie im Cup auf Stade Nyonnais. Kommt Ihnen dieses Duell mit einem Unterklassigen gelegen oder ist die Gefahr zu scheitern nun grösser, weil es momentan nicht so läuft? Es kann gefährlich sein. Wenn wir gewinnen, ist alles gut. Wenn wir verlieren, heisst es: «Jetzt verlieren sie sogar gegen die.» Wir können in den ersten Cuprunden nur verlieren. Aber ich bin überzeugt, dass wir uns durchsetzen werden.

Im letzten Jahr blieben Sie in der Rückrunde einmal zehn Spiele in Serie ohne Sieg. Im Cup aber schafften Sie es bis in den Final. Ist der Cup auch eine Möglichkeit, wieder in Schwung zu kommen? Absolut. Alle wissen, was im Mai war. Einen Cupfinal wollen alle unbedingt wieder erleben. Aber unser Cupfinal ist am Sonntag. Wenn wir Nyon nicht schlagen, brauchen wir über den anderen gar nicht erst zu reden.

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