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Das Insel-Wunder

Der Ministaat fährt an die EM in Frankreich. Was hinter dem Erfolg der Isländer steckt.

Technisch stark und mit «riesigem Herz»: Der Erfolg der Isländer kommt nicht von ungefähr.
Technisch stark und mit «riesigem Herz»: Der Erfolg der Isländer kommt nicht von ungefähr.
Keystone
In der Schweiz tätig: Birkir Bjarnason (vorne) vom FC Basel stand gegen Kasachstan in der Startaufstellung.
In der Schweiz tätig: Birkir Bjarnason (vorne) vom FC Basel stand gegen Kasachstan in der Startaufstellung.
Keystone
Der Erfolgreichste: Eidur Gudjohnsen hat seine goldenen Fussballjahre bereits hinter sich – unter anderem bei Chelsea. (6. April 2004)
Der Erfolgreichste: Eidur Gudjohnsen hat seine goldenen Fussballjahre bereits hinter sich – unter anderem bei Chelsea. (6. April 2004)
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Die Rückkehr hat sich für Eidur Gudjohnsen gelohnt: Island ist zum ersten Mal überhaupt an einer Endrunde eines grossen Turniers mit dabei. Zuvor hatte sich der erfolgreichste Fussballer der kleinen Atlantikinsel vorübergehend aus der Nationalmannschaft zurückgezogen. «Die Siege mit der Nationalmannschaft sind einfach süsser», sagte Gudjohnsen nach dem torlosen Unentschieden gegen Kasachstan, das gestern Abend die direkte Qualifikation für die EM in Frankreich besiegelte. «Dieses Ziel gemeinsam zu erreichen, gibt mir viel mehr als ein Titel auf Clubebene», so der 36-Jährige, der in seiner Karriere in Holland, Spanien und England Meister wurde und 2009 mit Barcelona die Champions League gewann.

Das 0:0 zu Hause gegen Kasachstan war keine Augenweide, doch es reichte den Isländern. «Das Spiel wird definitiv nicht in die Geschichte eingehen, unser Platz an den Europameisterschaften allerdings schon», ist sich Gudjohnsen bewusst. Auch für Nationaltrainer Lars Lagerbäck rückte das bescheidene Resultat in den Hintergrund: «Es ist immer schwer, auf dem Weg zu einem Ziel den letzten Schritt zu machen – vor allem, wenn es so hoch ist wie unseres. Dass wir das geschafft haben, ist einfach fantastisch.»

Der Fussball wird damit im Land, indem bisher die Handballer aufgrund ihrer internationalen Erfolge im Fokus standen, ins Zentrum des Interesses rücken. Die isländische Zeitung «Morgunbladid» feierte den Schweden Lagerbäck bereits als Nationalhelden Islands. Dieser will davon allerdings nichts wissen: «So weit würde ich nicht gehen, Helden sind für mich Leute wie Martin Luther King oder Nelson Mandela.» Und trotzdem fügte er an: «Wir haben uns aber schon bemerkenswert gut geschlagen.»

Technisches Geschick dank Fussballhallen

Auch wenn die Isländer die Überraschungsmannschaft der EM-Qualifikation sind, die Erfolge kommen nicht von ungefähr. In riesigen Indoor-Fussballanlagen dürfen Kinder den ganzen Winter über gratis kicken und werden damit an den Fussball gebunden. Früher sind viele Junge im Winter in die Hallen geflüchtet, um Handball oder Basketball zu spielen. Diese Verbesserung der Infrastruktur sei einer der Gründe, weshalb isländische Junioren technisch so stark sind, meinte der ehemalige isländische Stuttgart-Söldner Asgeir Sigurvinsson gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen».

Für Lagerbäck ist die geringe Zahl von 323'000 Einwohnern einer der Gründe für den Erfolg, auch wenn das paradox erscheinen mag. «Ich glaube, die Grösse der Bevölkerung ermöglicht uns eine leichtere Zusammenarbeit. Es ist viel einfacher, die Dinge hier zu kontrollieren und die Menschen dazu zu bringen, an einem Strick zu ziehen.» Eine etwas andere Begründung für den Erfolg Islands hat Gudjohnsen: «300'000 Leute sind an anderen Orten eine kleine Stadt. Aber wir haben hier in Island viele hervorragende Fussballer – Männer mit einer grossen Haltung und einem riesigen Herz.»

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