In bester afrikanischer Gesellschaft

Kasim Nuhu hat am Donnerstag in Astana ein überzeugendes Debüt im YB-Dress absolviert. Der 21-jährige Innenverteidiger könnte die Reihe erfolgreicher Afrikaner bei den Young Boys fortsetzen.

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Er erledigt den kleinen persönlichen Interviewmarathon am späten Donnerstagabend kurz vor Mitternacht, als würde er seit Jahren in den Mixed Zonen dieser Fussballwelt, wo sich Spieler und Pressemenschen nach Spielen treffen, Rede und Antwort stehen.

Kasim Nuhu ist ein begehrter Mann in der Astana Arena nach dem 0:0 zwischen Astana und YB in der Europa League. Einerseits, weil der Ghanaer ausgezeichnet Englisch spricht und sich gerne mit den kasachischen Medienvertretern unterhält. Und andererseits, weil der mitgereiste Journalist aus Bern einiges wissen will über den Überraschungsgast in der Starformation der Young Boys.

Starker Zweikämpfer

Am Mittwoch hatte sich in Astana abgezeichnet, dass Nuhu und nicht Nicolas Bürgy an der Seite von Steve von Bergen das Berner Abwehrzentrum bilden würde. «Es war eine schwierige Entscheidung», sagt Trainer Adi Hütter, der Nuhu am Dienstag darauf aufmerksam gemacht hatte, dass sich dieser so auf die Partie in Astana vorbereiten solle, als ob er beginnen würde. «Für Nuhu sprach schliesslich, dass er ein wuchtiger, kräftiger, kopfballstarker Abwehrspieler ist. Er passte damit gut zu Astanas Stürmer Junior Kabananga. Zudem hinterliess er im Training einen guten Eindruck.»

Nuhu lieferte sich mit Kabananga viele Zweikämpfe, er gewann die meisten, manchmal kam er aber zu spät, deshalb wurde er bereits der Mitte der ersten Halbzeit verwarnt. «Das war ärgerlich», sagt Nuhu, der vor dem Spiel auf dem Rasen noch gebetet hatte, «und insgesamt bin ich zwar zufrieden, weil wir kein Gegentor erhalten haben. Aber ich kann besser spielen.» Er sei vor kurzem noch am Oberschenkel verletzt gewesen, erklärt Nuhu.

Sein Chef Hütter zeigt sich derweil sehr erfreut über die couragierte Vorstellung des hünenhaften Verteidigers. «Er hat gezeigt, dass er Potenzial besitzt. Wie er das in diesem nicht einfachen Spiel auf diesem nicht idealen Kunstrasen gelöst hat, war schon beeindruckend.» Einzig im Spielaufbau verriet der robuste Nuhu einige Defizite.

Mit 17 Jahren nach Spanien

Erst Ende August wechselte Nuhu vom neuen YB-Partnerklub Mallorca aus der zweiten spanischen Liga nach Bern. Mit 17 Jahren bereits war er aus Ghanas Hauptstadt Accra nach Spanien zu Leganes gezogen, er landete irgendwann beim Klub auf der Ferieninsel, wo er Stammspieler war. Adi Hütter und auch die weiteren Entscheidungsträger im sportlichen Bereich inklusive des damaligen Sportchefs Fredy Bickel zeigten sich im Sommer nach Probetrainings in Bern von den Qualitäten und Anlagen des Ghanaers überzeugt.

Nuhu war damals der sechste Innenverteidiger im Kader. Doch weil Milan Vilotic aussortiert wurde, Grégory Wüthrich noch monatelang verletzt ausfällt und Alain Rochat die Reise nach Astana aus Schonungsgründen nicht antrat, wurde Nuhu am Donnerstag früher als erwartet benötigt. «Ich hoffe, dass ich weitere Chancen erhalten werde», sagt Nuhu, dem es in Bern sehr gut gefällt. «Ich lebe zwar noch im Hotel und habe nicht viel von der Stadt gesehen. Doch es ist sauber, schön, ruhig, die Leute sind freundlich.»

Von Aduobe bis Zayatte

Man darf gespannt sein, ob sich der 190 Zentimeter grosse Zweikämpfer bei YB ebenfalls so nachhaltig durchsetzen wird wie vor einigen Jahren die ähnlich gebauten Innenverteidiger Kamil Zayatte und Steve Gohouri. Die Young Boys haben ja zuletzt ohnehin gute Erinnerungen mit afrikanischen Fussballern gemacht, erinnert sei etwa auch an Seydou Doumbia, Saif Ghezal, Kader Mangane, Emmanuel Mayuka oder Henri Bienvenu.

Noch früher firmierte mit Godfried Aduobe sogar ein Landsmann Nuhus als Publikumsliebling im damaligen Wankdorfstadion. «Für mich ist YB eine gute Adresse», sagt Nuhu, der vorerst bis 2018 ausgeliehen ist. «Wir spielen in der Europa League, das ist toll für mich.»

Name des Vaters auf dem Trikot

Der frühere Nachwuchsnationalspieler Ghanas nennt den Brasilianer Thiago Silva, für viele Experten der beste Innenverteidiger der Welt, von Paris Saint-Germain als grosses Vorbild. «Ich schaue fast jedes Spiel von ihm und versuche von ihm zu lernen.» Kasim Nuhu lacht viel, wenn er Auskunft gibt, er scheint diese erfrischende afrikanische Lebensfreude und Leichtigkeit mitzubringen.

Bleibt nur noch die Frage nach seinem Namen, denn auf dem Leibchen steht «Adams» geschrieben, offiziell heisst er «Adams Nuhu», vielerorts aber auch «Nuhu». Der 21-Jährige schmunzelt, dann erzählt er wortreich von seiner Familie, wobei Adams der Nachname des Vaters und Nuhu jener des Grossvaters sei. In Ghana sei das manchmal ein wenig kompliziert, meint er, und auf dem Shirt habe er unbedingt den Namen seines geliebten Papas tragen wollen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.09.2016, 12:26 Uhr

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