Revanche für die Cupniederlage?

Am Mittwoch treten die Young Boys in Luzern an, am Wochenende sind sie vielleicht bereits Meister. Bezüglich Transfers gibt es viele Gerüchte, aber keine Entscheidungen.

Es war kein YB-Tag beim letzten Gastspiel in Luzern. Djibril Sow strauchelt beim 0:4 im Cup-Viertelfinal.

Es war kein YB-Tag beim letzten Gastspiel in Luzern. Djibril Sow strauchelt beim 0:4 im Cup-Viertelfinal.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Es ist möglicherweise die Meisterwoche der Young Boys. Angefangen hat sie am Sonntag mit der Gala gegen Thun, als YB beim 5:1 vor der Pause die wohl beste Halbzeit der Saison gelang. So beurteilt das auch Captain Steve von Bergen: «Das war ein Signal, dass wir immer noch hungrig sind.» Am Mittwoch geht es für sein Team in Luzern weiter mit der am letzten Donnerstag verschobenen Begegnung.

In dieser traumhaften Saison haben die Young Boys bekanntlich nur zwei Pflichtspiele gegen Schweizer Teams verloren – beide gegen den FCL. In der Vorrunde 2:3 zu Hause, vor fünf Wochen gleich 0:4 im Cupviertelfinal in Luzern. YB-Trainer Gerardo Seoane erwartet erneut ein von viel Kampf geprägtes Spiel. «Aber man muss die Niederlagen einzeln betrachten. Im Heimspiel vergaben wir viele Chancen und kassierten in der Schlussphase noch zwei Tore. Im Cup war Luzern besser.»

Forte als YB-Meistermacher?

Den FC Luzern als YB-Angstgegner zu bezeichnen, wäre übertrieben. Im Herbst siegte der Leader in einer gleichfalls torreichen Begegnung in der Swisspor-Arena 3:2. Und sowieso: Mit dem FCL werden die Young Boys für immer jenen legendären 28. April 2018 verbinden, als sie in einer turbulenten Partie 2:1 siegten – und den ersten Meistertitel nach 32 Jahren Warten feierten.

Zeitzeugen wissen noch über viele Details des magischen Abends im Stade de Suisse mit Platzsturm der Anhänger Bescheid. Gerardo Seoane war damals als FCL-Trainer dabei. «Natürlich habe ich die sensationelle Stimmung mitbekommen», sagt er. «Aber wir waren nach dem späten Gegentor mit uns beschäftigt und gingen nach Spielschluss ­relativ zügig in die Kabine.»

Es gibt immer noch einige Rechnungen, wann und wie YB in den nächsten Tagen die Meisterschaft sicherstellt. Mit Siegen am Mittwoch in Luzern und am Sonntag beim FC Zürich zum Beispiel. Aber theoretisch können sich die Young Boys am Mittwoch sogar eine Niederlage leisten und am Sonntagabend feiern. Bei einem Sieg in Zürich, falls Basel am Samstag gegen GC nicht gewinnt. Unmöglich ist in dieser verrückten Super League wenig. Und es hätte Charme, würde der frühere YB-Trainer Uli Forte bei seinem Debüt mit dem schwer kriselnden Rekordmeister GC in drei Tagen in Basel die Young Boys sogar zum Champion krönen.

Zu viel rechnen mögen die Berner immer noch nicht. Seoane sagt: «Es gibt keinen Meisterplan. Zuerst kommt Luzern, dann schauen wir weiter.» Sportchef Christoph Spycher möchte auch erst mal die Begegnung am Mittwoch abwarten («das wird schwierig genug»). YB duelliert sich übrigens mit den kontinentalen Giganten Juventus und ­Paris bezüglich Zeitpunkt der Meisterfeier. Juventus könnte am Samstagnachmittag mit einem Sieg bei Spal Ferrara den Titel holen, Paris nach dem unfassbaren Fehlschuss von Eric Maxim Choupo-Moting am letzten Wochenende gegen Strassburg (2:2) am Sonntagabend mit einem ­Remis beim Zweiten Lille. Es geht in dieser Angelegenheit also um ein paar Stunden.

Umbruch gut fürs Team

Es würde nicht überraschen, käme es am Sonntagabend nach der Rückkehr der YB-Mannschaft aus Zürich zu einer Meisterparty im Stade de Suisse. Hinter den Kulissen werden derweil die ­Planungen für die Zukunft vorangetrieben, Gerüchte schwirren viele durch die wilde, weite Welt des Internets.

Fakt ist: Der überragende Rechtsverteidiger Kevin Mbabu wird von mehreren Vereinen beobachtet, Wolfsburg hat YB ein schon relativ interessantes Angebot vorgelegt. Eine Einigung wurde aber noch nicht ­erzielt. Wohl noch ein wenig länger wird es dauern, bis Djibril Sows nächster Arbeitgeber feststeht. Der Mittelfeldspieler darf ja aus einer Vielzahl reizvoller Offerten aus allen Topligen auswählen. Loris Benito wiederum hat ebenfalls überhaupt keine Eile, zumal der Vertrag des Defensivspielers Ende Saison ausläuft.

Bei anderen Abgangskandidaten wie Christian Fassnacht und vor allem Roger Assalé und Sandro Lauper ist ein Verbleib in Bern realistischer als ein Wechsel. «Es kann so viel passieren bis Ende August», sagt Spycher. «Klar ist, dass wir einen grösseren personellen Umbruch haben werden, was nach den sehr erfolgreichen Zeiten gar nicht schlecht ist. Neue Spieler werden uns guttun.»

Komplizierte Kaderplanung

Zum Beispiel der schnelle, torgefährliche, polyvalente Offensivspieler Marvin Spielmann. Er könnte als nächster Fussballer den kurzen Weg von Thun nach Bern gehen. Entschieden ist aber noch nichts. Auch der hochtalentierte Flügel Ruben Vargas ist weiter ein Thema bei YB, der ­Luzerner kann sich am Mittwoch mit einer starken Vorstellung gleich noch einmal bewerben.

Ungeklärt ist zudem immer noch die Zukunft von Steve von Bergen. Die Frage für den auch diese Saison überzeugenden Abwehrchef wird sein, ob er bereit ist, weniger Verantwortung zu übernehmen. Mit seinem Nachfolger Fabian Lustenberger, der von Berlin zu YB wechseln wird, ist er eng befreundet. Thorsten Schick schliesslich, der vielseitige, wertvolle Österreicher, hat sich auch dank vielen Assists in den Vordergrund gespielt. Sein Kontrakt läuft ebenfalls aus, er besitzt Angebote aus der Heimat, wo er einen Mehrjahresvertrag unterschreiben könnte. Die Young Boys würden Schick gerne behalten, weil er rechts offensiv und defensiv einsetzbar ist – und mit seiner Art auch neben dem Rasen eine wichtige Rolle einnimmt. Einen Stammplatz können sie dem 28-Jährigen jedoch nicht garantieren.

Das YB-Team wird nächste Saison so oder so ein anderes ­Gesicht haben. Vorerst befindet sich diese sehr erfolgreiche Mannschaft auf Abschiedstour. Und selbst zwei weitere Niederlagen gegen Luzern wären für die Young Boys verschmerzbar. Denn am 25. Mai werden sie den Meisterpokal im Stade de Suisse erhalten – nach dem letzten Spieltag gegen Luzern.

Berner Zeitung

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