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«Ich bin in dieser Hinsicht kein Heiliger»

FCB-Kämpfer Taulant Xhaka macht sich Gedanken über die Arbeit von Trainer Marcel Koller, die Formschwankungen und Undiszipliniertheiten.

«Nur wir können dafür sorgen, dass es wieder ruhig wird»: Taulant Xhaka (28). (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus)
«Nur wir können dafür sorgen, dass es wieder ruhig wird»: Taulant Xhaka (28). (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus)

Taulant Xhaka, wir bräuchten Ihre Hilfe. Können Sie uns den FCB des Jahres 2020 erklären?

Was wir in diesem Jahr gezeigt haben, war nicht FCB-like. Das genügt nicht den Ansprüchen, die wir an uns selber haben. Das ist meine Meinung, und ich kann mir nicht vorstellen, dass das ­jemand im Verein anders sieht.

Aber eine Erklärung für die Leistungsschwankungen in den ersten vier Spielen scheinen auch Sie nicht zu haben.

Es ist schwer zu erklären. Gegen den FC Zürich zeigten wir, dass wir es können, auch wenn selbst beim 4:0 nicht alles perfekt war. Aber die anderen Spiele – das war einfach zu wenig. Vor allem letzten Samstag. Nichts gegen Thun, bei allem Respekt. Aber gegen den Letzten der Tabelle musst du als FCB im eigenen Stadion drei Punkte holen. Fertig.

Warum hat der FCB die drei Punkte denn nicht geholt?

Sie haben es ja gesehen: Wir haben 24 Abschlüsse. Aber uns fehlen im Moment die Effizienz und das nötige Glück.

Ist es wirklich nur das fehlende Glück? Gegen YB und St. Gallen hat noch weitaus mehr gefehlt.

Sie dürfen nicht vergessen, dass wir gegen YB einige Gesperrte und Verletzte hatten. Das darf eigentlich keine Ausrede sein. Aber gewisse Spieler sind nicht eins zu eins zu ersetzen.

Und gegen St. Gallen?

Wenn es gut läuft, gehen wir mit einem 2:0 in die Halbzeit. Kurz vor der Pause bekommen wir das Gegentor, und dann glaubt St. Gallen mehr an den Sieg. Da waren elf hungrige Spieler auf dem Platz. St. Gallen war bereit und hat Emotionen gezeigt.

«Ich bin noch nie wegen einer Undiszipliniertheit vom Platz geflogen.»

Während der FCB zuletzt ja durch überflüssige Reaktionen aufgefallen ist. Haben Sie das Thema angesprochen?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich bei dem Thema ein bisschen zurückgehalten.

Wieso?

Ich bin in dieser Hinsicht kein Heiliger. Aber ich bin noch nie wegen einer Undiszipliniertheit vom Platz geflogen.

Achten Sie inzwischenbewusster darauf, wie Sie sich auf dem Rasen verhalten?

Ein bisschen. Aber ich kann es nicht komplett abstellen. Ich kann und will nicht ohne Emotionen spielen. Entweder hat man meine Spielweise gerne – oder eben nicht. Wichtig ist, dass wir in den richtigen Phasen ruhiger sind. Ein bisschen so wie früher.

Was meinen Sie damit?

Das hat den FC Basel doch immer ausgezeichnet. Dass er auch an einem schlechten Tag immer noch gewonnen oder zumindest einen Punkt mitgenommen hat.

Und diese Routine fehlt jetzt?

Der Verein verfolgt mittlerweile ein anderes Konzept. Wir haben viele junge Spieler. Früher hatten wir in der Breite viel mehr Erfahrung auf dem Platz. Das ist einfach eine Realität. In gewissen Situationen braucht es erfahrene Spieler wie Valentin Stocker, wie Fabian Frei oder wie mich, die vorangehen und den anderen zeigen, wie man mit dem Druck umgeht.

Inwiefern spüren Sie den Druck? In den letzten Wochen war es ja nie wirklich ruhig um den Verein.

Jedes Mal, wenn ich mein Handy in die Hand nehme, sehe ich wieder eine andere Schlagzeile. Der FC Basel dies, der Trainer das . . . Ich versuche, das alles so gut wie möglich auszublenden. Aber­ ­natürlich bekommt man es mit.

«Ich sage das nicht, weil ich mir Pluspunkte verdienen will.»

Belasten die Diskussionen um die ungewisse Zukunft von Marcel Koller das Team?

Ich sage das nicht, weil ich mir Pluspunkte verdienen will. Aber der Trainer kann nicht mehr machen, als uns gut auf die Spiele einzustellen und uns einen Plan mitzugeben – das tut er. Am Ende müssen wir es umsetzen. Wir sind die Einzigen, die dafür sorgen können, dass es wieder ruhig wird. Wenn wir verlieren, müssen wir uns nachher hinstellen und sagen, dass wir es nicht gut gemacht haben. Und nicht immer: der Trainer, der Trainer, der Trainer.

Spüren Sie denn eine gewisse Unsicherheit bei Marcel Koller?

Nein. Er wirkt so, wie Sie ihn von aussen sicher auch wahrnehmen: ruhig und professionell. Er gibt uns im Training oder in den Sitzungen nicht den Eindruck, dass er unter Druck ist oder krampfhaft etwas versuchen will. Er verfolgt seinen Plan, und das hat grossen Respekt verdient.

Wie lautet der Plan gegen Apoel Nikosia?

Wir wissen, dass wir Apoel nicht unterschätzen dürfen. Wir kennen die Stärken und die Schwächen unseres Gegners. Wir wissen, dass wir auf ­Zypern ein gutes Spiel zeigen und dann eine Serie starten können.

Macht es Mut, dass der FCB sich schon häufig in der Europa League Selbstvertrauen für die Liga hat holen können?

Natürlich, das hat jeder Spieler im Hinterkopf. Der Europacup ist ein anderer Wettbewerb als die Liga. Die Vorbereitung ist speziell, der Flug, das Abschlusstraining, die Hymne vor dem Anpfiff, die Atmosphäre im Stadion.

Und man hat eine grössere Bühne, um sich als Spieler zu präsentieren.

Es gibt vielleicht Spieler, die die Europa League als eine Chance begreifen, um sich zu zeigen. Bei mir ist das weniger der Fall. Ich versuche, immer mein Bestes zu geben, egal in welchem Spiel, egal in welchem Wettbewerb.

Sie müssen sich ja auch nicht mehr für einen neuen Verein empfehlen. Sie bleiben ja bis an Ihr Karriereende beim FCB.

Ja. Ich habe das schon oft gesagt: Ich bin Basler und kann mir nicht vorstellen, ein anderes Trikot überzustreifen.

Sie sind inzwischen einer der erfahrenen Spieler, die den jüngeren vor einem wichtigen Spiel im Europacup helfen.

Ich bestritt 2011 mein erstes Spiel in Europa gegen Manchester United. Ich war so nervös. Aber Spieler wie Alex Frei, Marco Streller und Beni Huggel haben mir gesagt, dass ich nicht nervös sein soll. Dass ich einfach so spielen soll wie im Training.

«Wir müssen jetzt mal zwei, drei Spiele gewinnen, damit wir wieder in Fahrt kommen.»

Gibt es beim FCB noch genug Spieler wie Sie, die über die alten Zeiten reden können?

Ich bin vielleicht der Einzige, der den Verein nie verlassen hat. Aber da sind Valentin und ­Fabian, Silvan Widmer ist ein erfahrener Spieler, Luca Zuffi, Jonas Omlin. Wir alle versuchen den Jungen in Gesprächen das Gefühl zu geben, dass sie hier nicht nur die Bälle tragen, sondern wichtig sind für den Club.

Mussten Sie in den letzten Wochen viel reden, nicht nur mit den Jungen? Ja. Ich habe probiert, viel zu kommunizieren. Wir müssen das nötige Glück wieder erzwingen. Wir müssen jetzt mal zwei, drei Spiele gewinnen, damit wir wieder in Fahrt kommen. Dann können wir diese Saison Grosses erreichen.

In der Europa League oder in der Meisterschaft?

In beiden Wettbewerben.

Sie glauben also nach wie vor daran, dass die Qualität reicht, um Meister zu werden?

Ja. Definitiv!

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