Hütter: «Vielleicht mache ich einen Salto»

Die Ausgangslage ist komfortabel: Es geht nicht um alles oder nichts. Aber YB kann und YB will mit einem Sieg gegen Luzern Meister werden.

«Sicher eine besondere Anspannung.» YB-Trainer Adi Hütter.

«Sicher eine besondere Anspannung.» YB-Trainer Adi Hütter.

(Bild: Nicole Philipp)

Die Frage musste kommen: Was macht Adi Hütter, wenn YB heute um 20.45 Uhr nach 32 Jahren wieder Meister ist? Der Österreicher blickt beim Medientermin in die Runde und sagt: «Was in diesem Moment passieren würde, ist offen.» Dann hält der YB-Trainer nochmals kurz inne und bricht sogleich lachend mit einem ­Geistesblitz aus: «Vielleicht mache ich einen Salto!»

Adi Hütter wirkt locker und entspannt. Der Eindruck täusche nicht, sagt er. «Am Tag vor dem Spiel bin ich immer ruhig und konzentriert.» Doch heute kurz vor dem Spiel, wenn es hinausgeht ins ausverkaufte Stadion, in diese spezielle Atmosphäre, in dieses Meer von YB-Fans mit ­riesigen Erwartungen, wird es auch beim 48-Jährigen kribbeln. «Ich werde diesmal sicher eine besondere Anspannung spüren», sagt Hütter und gewährt kurz Einblick in sein ­Innenleben.

Sow schon wieder fit?

Der Trainer muss gegen Luzern ohne den gesperrten Bertone auskommen, dafür hat Sow wieder mittrainieren können. Ob es ihm reicht oder ob Aebischer neben Sanogo spielen wird, ist die einzige offene Frage in der Formation.

Bedenken, dass seine Mannschaft den enormen Erwartungsdruck nicht meistern könnte, hat Hütter nicht. «Wir wissen, dass wir stark sind, dass wir ein Spiel auch drehen können, wenn es ­nötig ist, weil wir offensiv sehr viel Potenzial haben, das auf mehrere Spieler verteilt ist.»

Die Zuversicht hat aber auch damit zu tun, dass längst nicht alles vorbei wäre, würde es nicht klappen. YB bestreitet zwar eine «Finalissima», aber eine mit gleich vier Jokern. Diese komfortable Konstellation wird den Druck bei den Spielern im Unterbewusstsein mildern. Deshalb pocht der Trainer bei seiner Mannschaft auf ­Souveränität und fordert nüchtern: «Wir müssen unseren Job machen, den Sieg holen.» Denn alle anderen Szenarien will man unbedingt verhindern. Gewinnt YB nicht, könnte es erst am Sonntag klappen oder gar nicht – je nachdem, wie Basel gegen Thun ausgeht.

Ein Selbstläufer wird die Aufgabe gegen den FC Luzern nicht. Auch wenn Hütter glaubt, dass die Gäste von der Kulisse mehr beeindruckt sein werden als seine Spieler, die es inzwischen gewohnt seien, regelmässig vor 25'000 bis 30'000 Zuschauern aufzutreten. «Andererseits spielen wir gegen das zweitbeste Rückrundenteam», gibt der YB-Trainer zu bedenken. Zudem hat er festgestellt, dass der FCL unter Gerardo Seoane wieder «mit viel mehr Punch und Power» spielt.

Seoane: Keine Schadenfreude

Und da wären auch noch die Statements, die vom neuen FCL-Trainer kommen und die auf eine schwierige Mission hindeuten. «Unser Antrieb wird sein, beim stärksten Team der Liga das Optimum herauszuholen», betont Seoane. Er hat seine Mannschaft kontinuierlich nach vorne geführt, bis auf den dritten Platz. «Falls wir nun auch beim Leader punkten, freuen wir uns über diesen Lohn und nicht darüber, dass YB noch nicht Meister ist.» Das tönt schon fast nach einer prophylaktischen Entschuldigung.

In Bern würden sie heute aber viel lieber die Gratulationen der ­Luzerner entgegennehmen. Der erste Matchball für die Young Boys liegt ab 19 Uhr einschussbereit auf.

Verfolgen Sie die Partie ab 18.45 Uhr im Live-Ticker auf dieser Website.

Berner Zeitung

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