Hütter und Spycher, die Baumeister dieses wunderbaren BSC YB

Sportredaktor Fabian Ruch zur lange ersehnten Meisterschaft der Berner Young Boys.

Ein feiernder Adi Hütter nach und ein angespannter Christoph Spycher vor dem Spiel.

Ein feiernder Adi Hütter nach und ein angespannter Christoph Spycher vor dem Spiel.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

Die Vollendung passt zu dieser grossartigen Saison der Young Boys. Sie haben den Meistertitel mehrere Runden vor Schluss sichergestellt. Mit wilder Entschlossenheit und ausgeprägter Siegermentalität hat sich YB in den letzten Monaten als klar beste Mannschaft des Landes etabliert. Es hat die Schwäche des langjährigen Dominators Basel ausgenutzt, aber im Grunde genommen spielt das gar keine Rolle. Nicht die FCB-Baisse führte zum Titelgewinn – sondern die YB-Überlegenheit. Spätestens nach der Winterpause waren die Young Boys nicht mehr aufzuhalten.

Und das unterstreicht den Wert ihres Trainers Adi Hütter. In der Vorrunde, als die Young Boys 33 Pflichtspiele in knapp fünf Monaten bestritten, blieb kaum einmal Zeit für intensive Trainingsmöglichkeiten. Das war in diesem Frühling anders. Und YB brillierte mit einer beeindruckenden Siegesserie sowie bemerkenswerter Stabilität. Damit bewies das Berner Team auch, wie wertvoll Kontinuität auf dem Trainerposten in einem teilweise verrückten Geschäft ist.

Adi Hütter führt die Young Boys seit Sommer 2015, alle anderen Trainer der Liga sind noch kein Jahr im Amt. Der österreichische Meistermacher wird den Verein vielleicht bald, ganz sicher aber irgendwann Richtung Deutschland verlassen. Und bei YB eine riesige Lücke hinterlassen.

Adi Hütter hat sein Team trotz regelmässiger Spielerabgänge ständig verfeinert und zur Nummer 1 des Landes veredelt. Die Mischung aus Routiniers und Talenten erwies sich als ideal, und man könnte nun alle Stammspieler würdigen für ihre überzeugenden Darbietungen. Einzelne Fussballer an dieser Stelle herauszuheben, würde dieser aussergewöhnlichen Mannschaft jedoch nicht gerecht werden. Denn auch als beispielsweise der fantastische Torjäger Guillaume Hoarau verletzt ausgefallen war, hatten die Young Boys im Herbst die Super League dominiert.

Der YB-Erfolg ist die Konsequenz ausgezeichneter Arbeit auf vielen Ebenen. Er ist aber auch erstaunlich, weil der Club erst im Herbst 2016 mal wieder schwer angeschlagen am Boden lag. Aus den Trümmern der damaligen Vorkommnisse und Peinlichkeiten stieg der neue Sportchef Christoph Spycher als Baumeister des Höhenflugs auf. Er war in der sehr angespannten Situation vermutlich die einzige Figur, um dem Verein sofort wieder Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Spycher hat die vielen kleinen Dinge richtig gemacht und sich zum Beispiel von Vertretern der teuren Mittelklasse im Kader getrennt. Seine Transferpolitik ist erstklassig. Er ist anständig und bodenständig und teamorientiert, besticht mit Kompetenz, Ruhe, Weitsichtigkeit. Spycher ist Aushängeschild und Sympathieträger der Berner.

Ohnehin sind die Young Boys ein Champion, mit dem sich ausserhalb Basels die meisten anfreunden können. Man gönnt ihnen nach jahrzehntelanger Titellosigkeit den Erfolg, sie pflegen eine attraktive Spielweise und verfügen über spektakuläre Fussballer. Und so besitzt YB nach vielen komplizierten Jahren sportlich wie wirtschaftlich glänzende Perspektiven. In der Euphorie allerdings geschehen die grössten Fehler.

Nach angemessener Feierzeit gilt es, die Weichen zu stellen. Denn diese wunderbare Mannschaft wird nicht zusammenbleiben, Spieler wie Kevin Mbabu und Kasim Nuhu, Roger Assalé und Djibril Sow werden wie Trainer Hütter weiterziehen. Den Verantwortlichen ist es seit 2016 bereits gelungen, den Verein aus der extremen Abhängigkeit von den Besitzern Andy und Hansueli Rihs zu lösen. Die Brüder haben in den letzten, oft turbulenten Jahren nicht immer die besten Entscheidungen getroffen, den Verein aber stets finanziell unterstützt. Ohne sie wäre YB kein nationales Spitzenteam. Nun werden sie endlich belohnt für ihr wirtschaftliches Engagement.

Umso trauriger ist es, hat der verstorbene Andy Rihs den ersten Meistertitel der Young Boys seit 1986 um einige Tage verpasst. Aber YB ist fitgetrimmt für die Zukunft. Dank hohen Einnahmen aus Spielerverkäufen. Und vor allem dank der fussballerischen Entwicklung. Denn die für viele Menschen harte Währung in diesem Business sind immer noch Pokale. Die Young Boys sind Meister. Vielleicht bald Cupsieger. Und eventuell in einigen Monaten Champions-League-Teilnehmer. Sie erleben 2018 die vermutlich aufregendsten Momente ihrer 120-jährigen Vereinsgeschichte.

Berner Zeitung

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