Hütter: «Momentan zählt nur der Sieg»

Seit Montag trainiert Adi Hütter die Young Boys. Beim Heimspiel am Samstag gegen Vaduz (20 Uhr) hofft der Österreicher, erste Ansätze seiner Spielidee zu sehen.

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Dominic Wuillemin

Es kann vorkommen, dass Adi Hütter mit seinem Team eine Partie gewinnt und doch nicht zufrieden ist. Dann befällt ihn eine innere Unruhe. Das nackte Resultat erachtet er nur als einen Teil seiner Arbeit. Er strebt nach mehr, im Kopf das Bild des perfekten Spiels. «Mich zufriedenzustellen, ist sehr, sehr schwierig», sagt der Österreicher. Und fügt an, um der Aussage scheinbar Nachdruck zu verleihen, «wirklich schwierig».

Es ist Donnerstagmittag, das zweitletzte Training vor dem Heimspiel am Samstag gegen Vaduz (20 Uhr) ist soeben zu Ende gegangen. Die Einheit hat länger gedauert als geplant. Hütter will eigentlich 60 bis 75 Minuten trainieren lassen. «Kurz und knackig», wie er sagt. Diesmal waren es deutlich mehr. Immer wieder hatte der Coach Übungen unterbrochen, um taktische Anpassungen vorzunehmen. «Wir wollen aggressiv und attraktiv spielen.»

«Kein Wunderwuzzi»

Am Montag hatte der 45-Jährige in Bern seine Arbeit aufgenommen, bei seinem ersten Training waren gerade einmal ein Dutzend Akteure anwesend. Seither bekam Adi Hütter jeden Tag neue Gesichter zu sehen. Milan Vilotic und Loris Benito stiegen wieder ins Mannschaftstraining ein. Am Mittwoch kehrten die sechs U-21-Nationalspieler zurück, tags darauf auch Captain Steve von Bergen. Zeit, seine Ideen zu vermitteln, fand Hütter kaum vor.

Er bremst deshalb etwaige Erwartungen, bei YB sei nun alles anders. Er erwartet aber, dass seine Equipe gegen Vaduz erste Ansätze seiner Spielidee zeige. «Ich bin kein Wunderwuzzi (Alleskönner, die Red.)», sagt Hütter einmal. Pragmatisch hält er fest: «Momentan zählt nur der Sieg.»

Rasch hat Adi Hütter erkannt, dass sein Team verunsichert ist. Mit «positiver Kommunikation» will er seinen Spielern den Glauben an sich zurückgeben. Dereinst soll in Bern eine Siegermentalität vorherrschen. Der Trainer weiss aber auch: «Mit reden alleine werden wir das nicht hinbekommen.» Spiele zu gewinnen, würde die Aufgabe deutlich leichter machen.

Hütters Aha-Erlebnis

Adi Hütters Plan sieht vor, Vaduz und im Cup Chiasso zu besiegen, um dann mit Selbstvertrauen bei Basel antreten zu können. Bis im Winter soll der Rückstand auf den aktuellen Leader verkleinert werden – einerseits. Anderseits, will er mit seiner Mannschaft sukzessive dahin kommen, dass ihre Spielweise seinem Bild im Kopf entspricht. Rückschläge nimmt er dafür in Kauf. Er kennt nur einen Weg. Und der führt schnurstracks geradeaus. Ein Ereignis hat Hütter darin besonders bestärkt. Als er im Sommer vor zwei Jahren mit Grödig in die höchste österreichische Liga aufgestiegen war, änderte er über Nacht seine Spielidee.

«Vorher war ich ein Ballbesitztrainer», erklärt Hütter. Nun wollte er aber, dass seine Spieler den Gegner bereits in dessen Spielhälfte unter Druck setzten. Notabene als Aufsteiger. Nach ersten ermunternden Vorbereitungsspielen ging bei Grödig vor dem Saisonstart nichts mehr.

«Wir hatten kein Zugriff aufs Spiel, keine Ballgewinne, kein Spiel gegen den Ball. Wir sind nur hinterhergelaufen», schildert der Vorarlberger die Situation. Er glaubt, viele Trainer hätten in diesem Moment die Taktik wieder geändert. Er nicht. «Ich beschloss, es ohne Wenn und Aber durchzuziehen.» Ende der Saison belegte Grödig den dritten Rang, der frühere Mittelfeldakteur wechselte daraufhin zu Red Bull Salzburg.

«Etwas Grosses»

Hütter ist überzeugt von seiner Art, Fussball spielen zu lassen. Nun muss er noch die Akteure für sich gewinnen. Habe die Mannschaft das Gefühl, «das ist es!», dann habe der Trainer gewonnen. «Dann kann bei YB etwas Grosses wachsen.»

Berner Zeitung

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