Der erste Arbeitstag des neuen YB-Trainers

Am Montagnachmittag trainierte YB zum ersten Mal unter der Leitung von Adi Hütter. Ein Augenschein.

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Dominic Wuillemin

Harald Gämperle sitzt am Steuer. Jedenfalls im Auto, bei YB rückt er wieder ins zweite Glied. Es ist kurz vor 15 Uhr, als der Assistenztrainer beim Sportpark Wyler vorfährt. Auf dem Beifahrersitz Adi Hütter, sein Nachfolger und neuer Chef. Es ist eine interessante Konstellation im Trainerstab von YB, ab dem 1. Oktober wird mit dem Österreicher Christian Peintinger ein weiterer Assistent zum Staff stossen.

Noch aber hat Hütter keinen Vertrauten bei sich, er beginnt gerade erst, seine Mitarbeiter kennen zu lernen. Im Wyler bespricht er sich kurz mit Gämperle, dann richtet er ein paar Worte an die Mannschaft, die sich im Kreis versammelt hat. Hütter macht von Anfang an einen sehr präsenten Eindruck, er gestikuliert, geht auf die Spieler zu, während er mit ihnen spricht. Einmal witzelt er mit Renato Steffen, einmal tätschelt er Miralem Sulejmani liebevoll den Hinterkopf. Dann schickt er die Akteure zum Aufwärmen mit Konditionstrainer Martin Fryand.

Am Montagmorgen in der Früh war Adi Hütter in Salzburg losgefahren. Vor sich eine grosse Aufgabe bei YB, hinter sich die Heimat. Ehefrau und Töchterchen werden in der Mozartstadt verbleiben, Hütter wohnt in Bern vorerst im Hotel Ambassador.

Stunden später hat der Trainer in Bern seinen ersten öffentlichen Auftritt. Es ist 13 Uhr, als der 45-Jährige das Mediencenter im Stade de Suisse betritt. Er trägt weisse Turnschuhe, Jeans, ein beiges Jackett und darunter ein weisses Hemd. Es passt, Hütters Vita ist hierzulande unbefleckt, er startet unbelastet in seine Zeit als Trainer der Gelb-Schwarzen.

Adi Hütter wirkt bei seinen Ausführungen gelassen, aber nicht bieder, korrekt, aber nicht langweilig. Über die Vergangenheit seiner neuen Mannschaft mag er sich nicht gross äussern, einmal wagt er dennoch einen kurzen Rückblick. Auf die Frage, was ihn bei der 2:3-Niederlage der Young Boys bei GC vor neun Tagen gestört hatte, sagt der Coach, der damals im Stadion anwesend war: «Dass die Spieler auf dem Platz gestanden sind.» Es dürfte auch ein Vorausblick gewesen sein.

Denn der Fussball, den Adi Hütter spielen lässt, ist offensiv, vor allem aber auch sehr laufintensiv. Er setzt auf schnelles Umschalten, Pressing und Gegenpressing. Coachs wie ihn nennt man heute zuweilen Konzepttrainer. Jedenfalls hat er eine klare Spielidee, sonst wäre er im vorletzten Sommer bei Red Bull Salzburg von Sportdirektor Ralf Rangnick nicht angestellt worden. Hütter sagt am Montag, er sehe sich als Entwickler.

«Ich arbeite gerne mit Talenten», und: «Ich will eine Mannschaft weiterbringen.» Bei Altach und in Grödig habe er mit unbekannten Spielern viel erreicht. Die Aussage, er sei kein Ausbildungstrainer, sei falsch interpretiert worden. Und der gelernte Grosshandelskaufmann äussert einen Satz, der bei den YB-Fans grosse Hoffnungen wecken dürfte. «Ich will, dass mein Team erfolgreichen, aber auch begeisternden Fussball spielt.»

Vorerst sind die Aufgaben von Adi Hütter aber noch grundsätzlicher. «Es gilt, die Burschen so schnell als möglich wieder herzurichten», sagt er mit einem leichten österreichischen Akzent. Er finde in Bern eine sehr gute Mannschaft vor, meint Hütter weiter. «Nun müssen wir wieder in die Spur kommen.» Für ihn sei klar, dass YB nach ganz vorne gehöre. «Der Klub hat hohe Ziele und hohe Erwartungen. Ich ebenfalls. Die Chemie stimmt.»

Zeit bleibt Adi Hütter aber erst mal wenig. Bereits am Samstag empfangen die Young Boys den FC Vaduz. Zudem sind derzeit viele Spieler abwesend. Beim Training am Montag im Wyler fehlen neben acht Nationalspielern aus gesundheitlichen Gründen auch Guillaume Hoarau, Milan Vilotic, Sékou Sanogo, Loris Benito und Taulant Seferi.

Bei YB ist Adi Hütter der 25. Trainer seit dem kürzlich verstorbenen Alexander Mandziara. Der letzte YB-Meistertrainer und der neue YB-Coach kannten sich, nach seiner Zeit in Bern hatte Mandziara über Biel zu LASK Linz gewechselt, wo er sich als Förderer des damals 20-jährigen Mittelfeldakteurs erwies. 25 Jahre später sitzt nun Adi Hütter bei YB am Steuer.

Berner Zeitung

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