Hochintensiver Intervallbetrieb

Nach der Länderspielpause geht es für die Young Boys am Samstag mit einem Spitzenkampf gegen Zürich und strengem Programm weiter.

Mann des Pragmatismus: Gerardo Seoane.

Mann des Pragmatismus: Gerardo Seoane.

(Bild: Christian Pfander)

Die Young Boys sind auch in dieser Saison im hochintensiven Intervallbetrieb unterwegs. Nach der zweiten zweiwöchigen Länderspielpause stehen erneut sieben Begegnungen in 22 Tagen an, ehe es Mitte November zum dritten Zweiwochenunterbruch in der Vorrunde kommt.

In der Bundesliga regten sich zuletzt mehrere Protagonisten fürchterlich über die Zerstückelung des Programms auf, Bayerns Präsident Uli Hoeness etwa sagte dem Kicker: «Wir haben immer noch drei längere Pausen in der Hinrunde, das ist doch Wahnsinn.»

Grosses Kader als Hilfe

Bei YB nimmt man die zweifellos eher spezielle Agenda klaglos hin. «Es ist, wie es ist», sagt Gerardo Seoane. Der Trainer ist ein Mann der Ruhe und des Pragmatismus, das hilft in diesem Geschäft. Und er sagt auch: «Wir wollten in die Champions League, wir möchten möglichst viele Nationalspieler, wir streben in drei Wettbewerben das beste Ergebnis an. Dann müssen wir auch bereit sein, das Programm zu akzeptieren.»

Zudem sei das Kader der Young Boys sehr breit und der Konkurrenzkampf auf vielen Positionen gross. «Das erlaubt uns auch in den nächsten drei Wochen, von Spiel zu Spiel die Aufstellung den Entwicklungen und dem Gegner anzupassen.» Sein Captain Steve von Bergen findet derweil schmunzelnd, er persönlich profitiere mit 35 und als Familienvater sehr von den spielfreien Wochen.

«Da kann ich mich gut regenerieren und mehr Zeit mit den Kindern verbringen.» Christian Fassnacht schliesslich sagt, es sei ganz angenehm, nach intensiven Begegnungen auch mal runterzufahren. Er tat das zuletzt übrigens erstmals und erfolgreich im Kreise der Schweizer Auswahl. Auch deshalb sagt Seoane noch: «Es ist doch schön für unsere vielen Nationalspieler, dürfen sie mit ihren Teams auf Reisen gehen.»

Liga hofft auf FCZ

Seoane hat das Von-Spiel-zu-Spiel-Mantra der Meistersaison bei YB längst übernommen. Und so meint er vor dem heutigen Auftritt beim FC Zürich: «Die Partie gegen Valencia am Dienstag interessiert mich noch überhaupt nicht.»

Selbstredend ist es Seoane herzlich egal, wünscht sich die ganze Fussballschweiz (minus YB-Gemeinde) aus Spannungsgründen am Samstag eine Niederlage der Young Boys. Denn es ist ja wirklich ein Spitzenkampf, wenn der Erste beim Zweiten antritt, gefühlt aber ist YB nicht nur wegen des 11-Punkte-Vorsprungs der Liga entrückt.

Wer gerade auf Rang 2 steht, ist sehr beliebig, der FCZ hat diese Platzierung mit 10:10 Toren in 10 Spieltagen erreicht, was viel über das Niveau der YB-Konkurrenten aussagt. «Auf uns wartet ein schwieriges Spiel bei einer hervorragend organisierten Mannschaft. Und wir haben zuletzt gegen Luzern 2:3 verloren», sagt Seoane, «deshalb ist es wichtig, dass wir nun sofort reagieren können.»

Fünfmal treten die Young Boys übrigens bis zum 11. November auswärts an, nach der Partie beim FCZ folgen die Heimspiele gegen Valencia (Champions League) und Sion nächste Woche, ehe die Begegnungen in Nyon (Cup), bei GC, in Valencia sowie in St. Gallen anstehen.

Gemessen an der Ausgangslage sind Niederlagen in der Liga für YB absolut verschmerzbar, im Schweizer Pokal sowie auch in der Königsklasse dagegen nicht oder kaum mehr korrigierbar. «Darum geht es nicht», sagt Seoane. «Wir behandeln alle Wettbewerbe gleich.» Er geht ohnehin jedes Spiel wie einen Final an, so sieht er das, und nebenbei möchten die Young Boys ja auch ihre vielen talentierten Akteure weiterentwickeln.

Das Beispiel Camara

Beispielsweise Mohamed Ali Camara, kürzlich 21 Jahre alt geworden, Innenverteidiger mit enormem Potenzial und erheblichen taktischen Defiziten. «Es ist der Weg unseres Clubs, solche jungen Spieler zu fördern», sagt Seoane. «Natürlich hinterliess Camara bei einigen Gegentoren nicht den besten Eindruck, aber er lernt aus solchen Partien und macht ständig Fortschritte.»

Im Gastspiel bei Juventus leitete der Guineer nach wenigen Minuten mit einem bösen Stellungsfehler die 0:3-Niederlage ein, nach einem Weltklassepass von Weltklasseverteidiger Leonardo Bonucci vollendete Weltklassestürmer Paulo Dybala mit einem Weltklasseschuss. «Wir bei YB vergessen sicher nie, wer wir sind und gegen welche internationalen Topteams wir in der Champions League spielen», sagt Gerardo Seoane.

Und er sagt damit indirekt natürlich elegant auch, dass einige Medien und Beobachter in der Sternenliga möglicherweise zu hohe Erwartungen an die Young Boys haben könnten. 

fdr

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