Hoaraus Tore für den Heldenstatus

YB erreicht erstmals die Champions League! Der Schweizer Meister siegt im Playoff-Rückspiel bei Dinamo Zagreb dank zwei Toren von Guillaume Hoarau nach der Pause 2:1.

«Air France» in Höchstform: Guillaume Hoarau besorgte mit seinen zwei Toren die erstmalige Champions-League-Qualifikation der Young Boys.
Video: Tamedia-Webvideo / SRF

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Es ist Roger Assalé, der die Fesseln für die Young Boys in der 63. Minute löst. Der kurz zuvor eingewechselte Stürmer setzt sich am Strafraumeck mit einer feinen Finte gegen Marin Leovac durch und holt einen Elfmeter heraus. 0:1 liegt seine Mannschaft bei Dinamo Zagreb in Rückstand, viel Konstruktives fiel YB zuvor nicht ein, doch auf einmal bietet sich Guillaume Hoarau die Gelegenheit, dem Spiel eine Wende zu verleihen.

Der Franzose, ein kaltblütiger Penaltyschütze, lässt sich diese Chance nicht entgehen, souverän verwandelt er vor der steilen Tribüne der lautstarken Dinamo-Fans zum Ausgleich. Und kurz darauf ist Hoarau erneut zur Stelle, als er nach einem Corner von Djibril Sow den Kopfball Grégory Wüthrichs aus zwei Metern ins Tor spediert. Aus 0:1 zum 2:1 in nur zwei Minuten – die entfesselten Young Boys stellen Mitte der zweiten Halbzeit die Weichen Richtung Champions League.

Dinamo Zagreb benötigt nach dem 1:1 aus dem Hinspiel wegen der Auswärtstoreregel nun zwei Treffer, um in die Sternenliga einzuziehen. Gross ins Zittern gerät ein stabiles YB in der Schlussphase allerdings nicht mehr. Izet Hajrovic lässt mit einem Freistoss aus beträchtlicher Distanz einmal die Latte erzittern, in der siebenminütigen Nachspielzeit rennt Zagreb zunehmend verzweifelter an, um 22.55 Uhr steht die Champions-League-Qualifikation des Schweizer Meisters fest.

Wüthrichs Fehler

Der Abend vor stimmungsvoller Kulisse im ausverkauften Maksimir begann noch gar nicht nach dem Geschmack der Young Boys. Sie erspielten sich zwar die erste Chance, als Nicolas Ngamaleu nach einem scharfen Freistoss Miralem Sulejmanis aus wenigen Metern in die Arme von Torhüter Danijel Zagorac köpfelte. Doch keine 60 Sekunden später lagen sie schon 0:1 in Rückstand. Hajrovic traf nach einer völlig missratenen Befreiung Wüthrichs in der 7. Minute, wobei sein Schuss von Sékou Sanogo abgefälscht wurde.

Man hatte vor dem Playoff darüber gerätselt, ob die Innenverteidigung der Schwachpunkt der Young Boys sein könnte. Den zu Hoffenheim gewechselten Kasim Nuhu ersetzten sie durch Mohamed Ali Camara, doch der seit Dienstag 21-Jährige aus Guinea ist noch nicht so weit, um in einer derart bedeutenden Begegnung Verantwortung übernehmen zu können. Also spielte erneut Wüthrich, auch erst 23 und letzte Saison Reservist, an der Seite von Captain Steve von Bergen.

Wüthrichs ungenügende Aktion in der Startphase setzte die Young Boys zusätzlich unter Zugzwang, an ihrem Auftrag in Zagreb aber änderte sich wenig. Sie brauchten ein Tor, genau das war ihnen in den letzten 35 Pflichtspielen seit der 0:1-Niederlage gegen Dynamo Kiew in der Europa League im November 2017 immer gelungen.

Sulejmanis Knockout

Und immerhin blieb den Bernern nach Hajrovics Treffer noch fast ein gesamtes Spiel Zeit, um zu reagieren. Sie blieben nach dem Rückschlag ruhig, Sow ordnete den Aufbau sorgfältig, aber es gelang den aggressiven Gastgebern lange Zeit, YB in viele Zweikämpfe zu verwickeln. Im Abnützungskampf fiel es den Young Boys schwer, sich Vorteile zu erarbeiten. Sie trugen ihre Angriffe zu wenig präzis vor und setzen sich kaum durch, die rustikalen Abwehrkräfte Zagrebs riegelten den Strafraum konsequent ab, und so sprangen in einer unansehnlichen Begegnung bis zur Pause nicht mehr als ein paar Viertelchancen für YB heraus.

Nach der schwachen Performance in der ersten Halbzeit kehrten die Gäste äusserst energiegeladen zurück. Sulejmani setzte mit zwei gelungenen Dribblings sofort Akzente, Körpersprache sowie Entschlossenheit seiner Mitspieler passten nun auch zur Relevanz der Veranstaltung. Allerdings wurde der flinke Sulejmani bald in einem Rencontre von Petar Stojanovic unabsichtlich mit dem Fuss am Kopf getroffen. Der Serbe blieb regungslos und kurz bewusstlos auf dem Rasen liegen, er erlitt eine Hirnerschütterung, nach minutenlanger Pflege wurde er auf einer Bahre abtransportiert und durch Assalé ersetzt.

Mitte September geht es los

Sulejmani war in der Kabine bald wieder ansprechbar. Und der gute Eindruck, den YB in den ersten Minuten der zweiten Hälfte hinterlassen hatte, täuschte nicht. Die Young Boys benötigten ein paar Minuten, um sich vom Schock der Verletzung Sulejmanis zu erholen. Dann hatte Assalé eine Idee. Wüthrich rehabilitierte sich. Und Hoarau erledigte seinen Job als Torjäger unwiderstehlich.

Assalé, Wüthrich, Hoarau und ihre Teamkollegen kehren am Mittwoch als Helden von Zagreb zurück – sie landen um 13.30 Uhr in Belp. Und Mitte September geht das Abenteuer Champions League für YB los. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.08.2018, 01:39 Uhr

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