Hoarau: Ein bisschen grösser als Geni Meier

YB kann noch siegen. Nach frühem Rückstand schlagen die Young Boys in der Europa League Apoel Nikosia 3:1. Guillaume Hoarau erzielt alle drei Berner Tore – und schreibt Vereinsgeschichte.

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Fabian Ruch

Vielleicht hätte dieser Abend mehr als nur rund 9500 Zuschauer im Stade de Suisse verdient gehabt. Nicht unbedingt, weil YB den ersten Schritt zurück in die Erfolgsspur vollzogen und Apoel Nikosia im 3. Gruppenspiel der Europa League nach frühem Rückstand relativ souverän 3:1 bezwungen hat. Sondern weil die ganz grossen Vereinsnamen bemüht werden durften.

Alle drei Berner Tore schoss nämlich Guillaume Hoarau. Er hat damit neun Europacuptore für die Young Boys erzielt – und am späten Donnerstagabend Raul Bobadilla und Ernst Wechselberger (je sieben Treffer) sowie vor allem Geni Meier (acht Treffer), den wohl grössten YB-Fussballer der Vereinsgeschichte, überholt.

«Ich kannte den Namen Geni Meier. Und es macht mich stolz, nun in den Geschichtsbüchern des Vereins vertreten zu sein.»YB-Torjäger Guillaume Hoarau

Zwei frühe Tore

Schon nach wenigen Minuten zeichnete sich ab, dass es ein ereignisreicher Abend werden würde. Viele giftige Zweikämpfe prägten das Geschehen, und weil die Gäste nicht nach Bern gereist waren, um bloss zu verteidigen, entwickelte sich eine muntere Partie. Zuerst meldeten sich die Young Boys, das war nach neun Minuten und mit einem Versuch von Yoric Ravet. Dann aber schlugen die Gäste zu.

Vinicius schlug an der Mittellinie unbedrängt den langen Ball in die Schnittstelle, wie es im Fussballjargon gerne heisst – und weil sich Jan Lecjaks auf Steve von Bergen verliess und Steve von Bergen auf Jan Lecjaks (oder eine Abseitsposition), stand Goerge Efrem auf einmal alleine im YB-Strafraum.

Er lupfte den Ball gekonnt über Goalie Yvon Mvogo ins Tor. Und perfekt war der Traumbeginn für die mit zwei Siegen (2:1 gegen Astana, 1:0 in Piräus) traumhaft in die Europa-League-Gruppenphase gestarteten Aussenseiter aus Zypern.

Die Young Boys benötigten aber nicht lange für eine Antwort. Thorsten Schick beförderte eine Flanke in einer seiner bisher stärksten Szenen im YB-Dress zurück in die Mitte, wo Guillaume Hoarau, natürlich er, genau richtig stand, um das 1:1 zu erzielen. Er tunnelte dabei etwas glückhaft Inaki Astiz, wobei bei einem Torjäger wie Hoarau möglicherweise mehr Geschick als Glück im Spiel war.

Auf jeden Fall traf der Franzose in seinem ersten Europa-League-Einsatz diese Saison standesgemäss früh ins Tor. Seine Rückkehr eröffnet den Young Boys nicht unerwartet ganz neue und vielfältige Optionen in der Vorwärtsbewegung.

Mit Glück und Geschick

Ein weiteres Tor aber fiel trotz guten Ansätzen bei beiden Teams bis zum Seitenwechsel nicht mehr. Dafür erzürnte der äusserst bärtige Vander die wenigen Gemüter im Stade de Suisse, weil er einerseits zwei Verwarnungen gegen Kasim Nuhu und Denis Zakaria herausholte und dabei andererseits erstaunliche theatralische Fähigkeiten offenbarte.

Nach der Pause nahmen die Young Boys das Zepter stärker in die Hand. Und sie wurden bald belohnt. Nach einer Eckball-Doublette entschied der nicht immer souveräne Schiedsrichter Tobias Welz zu Recht auf Elfmeter, weil unter anderen Zakaria zu Boden gerissen worden war.

Hoarau, natürlich er, trat an, und natürlich traf er. Wobei er in der 52. Minute mehr Glück als Geschick in Anspruch nahm, weil er im Duell der Nummern 99 an Boy Waterman scheiterte. Doch nach der Parade des Torhüters mit dem witzigen Namen fiel der Ball Hoarau wieder vor die Füsse.

Den knappen Vorsprung verteidigten die Young Boys in einem zähen Ringen mit sieben Verwarnungen relativ problemlos, sie waren nun viel besser und standen dem 3:1 deutlich näher als Nikosia dem Ausgleich. Beide Mannschaften hätten einen Kann-aber-Muss-nicht-Elfmeter verdient gehabt.

Und genau so einen erhielt YB dann kurz vor Spielende noch zugesprochen, als der überragende Sékou Sanogo mit einem Rempler gestoppt wurde. Diesmal blieb Hoarau, die Berner 99, cool gegen Waterman, die andere 99 – und entschied die Partie mit seinem zumindest ein bisschen geschichtsträchtigen Tor endgültig.

Berner Zeitung

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