Neue Töne, neue Titelmelodie?

Vor dem Start der zweiten Saisonhälfte präsentieren die Young Boys ein neues Selbstverständnis. YB-Trainer Adi Hütter spricht vom Titel. Zuversichtlich stimmt der Verlauf der Winterpause.

Wenn wir einen guten Monat Februar spielen, ist alles möglich, sagt Adi Hütter.
Dominic Wuillemin

Die Frage an YB-Trainer Adi Hütter ist, wie das Ziel von YB in der zweiten Saisonhälfte laute. Eine harmlose Frage, eigentlich: Bei den Young Boys standen in jüngerer Vergangenheit jedoch alle Wörter und Formulierungen, die nur ansatzweise mit einem Titelgewinn in Verbindung gebracht werden konnten, auf dem Index. Zu schmerzhaft waren die Erinnerungen an die Saison 2015/2016, als die Gelb-Schwarzen im Sommer vom Titelgewinn gesprochen hatten. Und dies fortan mit jedem Spieltag, bei dem der Rückstand auf den FC Basel anwuchs, ein klein wenig mehr bereuten.

Hütter schmunzelt, die Frage hat er erwartet, klar. Der 47-jährige Österreicher wirft einen kurzen Blick zu Sportchef Christoph Spycher, der neben ihm sitzt, dann sagt er: «Wer in 19 Runden 16-mal zuoberst stand, der will auch nach 36 Runden ganz oben stehen.» Und:
«Wir wollen Meister werden.»
Es sind vier Wörter, die das neue Auftreten der Young Boys auf den Punkt bringen.

Die Ausnahme Hoarau

Auf dem Platz agierte YB während der Vorrunde oftmals wie ein Ti­tel­as­pi­rant, bei den grossen Heimsiegen gegen Basel, St. Gallen und Sion etwa. Vor allem auch, als die Berner nach schweren Europacuppartien im Stile der Basler Serienmeister in Lugano und Luzern gewannen, ohne zu überzeugen. Neben dem Platz aber fühlten sich die Young Boys in der Rolle des Underdogs pudelwohl. Um greifbare Zielbenennungen formulierten sie sich zielstrebig herum.

Ausser Guillaume Hoarau, der bereits Mitte November verkündete, dass er Meister werden wolle. Aber der selbstbewusste singende Stürmer – französischer Nationalspieler, Meister und Pokalsieger – ist eine Ausnahmeerscheinung. Er hat sich in Bern eine Unangepasstheit bewahrt.

Jetzt also ist der Titelanspruch Teil der YB-Unternehmenskommunikation. Der Schritt ist wohl überlegt, er hängt natürlich mit der von Hütter erwähnten Tabellenlage zusammen. Er ist aber auch die Folge der letzten Wochen, die – der monatelange Ausfall des verletzten Stammgoalies David von Ballmoos ausgenommen – ganz nach dem Gusto der Young Boys verliefen. No News waren diesmal good News, alle Leistungsträger sind geblieben.

Der Gedanke an Doumbia

Eine halbe Stunde vor Hütter und Spycher steht Marco Wölfli im Fokus der Medien. Der Goalie, der die Rückrunde als Nummer 1 in Angriff nehmen wird, ist seit bald zwei Jahrzehnten im Klub. Er ist ein glaubwürdiger Gesprächspartner, wenn es darum geht, zu benennen, was in dieser Saison anders sein könnte. Wölfli spricht von der guten Stimmung im Team und von einer Winterpause, die womöglich die ereig­nisärmste gewesen sei, die er je erlebt habe.

Er erwähnt die Fälle von Seydou Doumbia und Gilles Yapi, deren Abgänge im Winter 2010 konkret geworden waren und die später dazu beitrugen, dass YB in der Rückrunde den komfortablen Vorsprung auf Basel verspielte. Die Wechselabsichten von Doumbia und Yapi hätten eine Aufregung in die Mannschaft gebracht, sagt Wölfli. «Diesmal blieb es im Team ruhig. Das ist sehr positiv.»

Marco Wölfli über die Vorbereitung und den Gemütszustand des verletzten David von Ballmoos. Video: Martin Bürki

Es ist ein Votum, das zum gestrigen Auftritt der Berner Protagnisten passt: Sie verbreiten Zuversicht. «Unsere Ausgangslage ist vielversprechend», sagt Adi Hütter. «Es muss aber dennoch einiges zusammenpassen.» Der Trainer erwähnt das Ausbleiben einer Verletztenmisere sowie die Wichtigkeit des Starts mit drei Heimspielen in vier Wochen.

Der Auftakt steigt am Samstagabend im Stade de Suisse gegen St. Gallen. Die Teams werden dabei nach rund einem Jahrzehnt erstmals zu einem neuen Song einlaufen. Die Wahl fiel auf das Stück «Hie» der Berner Rapgruppe Wurzel 5.
Wird es auch zur YB-Titel­melodie?

Hat «Ameisen in den Beinen», wie ein französisches Sprichwort lautet: Guillaume Hoarau. Video: Martin Bürki

Berner Zeitung

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