«Habe nie mit den Jungs Playstation gespielt»

YB-Nachwuchstrainer Erminio Piserchia coachte einige Spieler der Meistermannschaft. Er verrät, wer den grössten Ehrgeiz und wer das loseste Mundwerk hatte.

U-16-Nachwuchstrainer Erminio Piserchia (54).

U-16-Nachwuchstrainer Erminio Piserchia (54).

(Bild: Raphael Moser)

Herr Piserchia, von der aktuellen Meistermannschaft bildeten Sie als Nachwuchscoach Leonardo Bertone, Gregory Wüthrich, Michel Aebischer und Marco Bürki aus. Wie erlebten Sie die vier als Junioren?Erminio Piserchia: Die vier zeichneten sich schon früh durch einen sehr grossen Ehrgeiz aus. Man merkte, sie wollten mehr. Sie kamen auch viel von sich aus auf uns Trainer zu und fragten: «Hey Coach, wo kann ich mich noch verbessern?»

Wer hatte den grössten Ehrgeiz? Michel Aebischer hatte eine unglaubliche Power. Ausserdem war er das Herzstück der Mannschaft. Er konnte das Mannschaftsgefüge sehr gut zusammenhalten.

Und wer hatte am meisten ­Flausen im Kopf?Das war ebenfalls Michel Aebischer. Er hatte immer einen guten Spruch auf Lager, der für ­Lacher sorgte und die Stimmung auflockerte.

Können Sie ein konkretes ­Beispiel nennen?Neulich gab er zusammen mit YB-Goalie David von Ballmoos einem Journalisten ein Interview. Das Thema war: Wo seht ihr euch im Jahr 2023? Als von Ballmoos mit «hoffentlich immer noch bei YB» antwortete, rief ­Michel quer durch den Raum Richtung Sportchef Christoph Spycher: «Du, ‹Wuschu›, du wirst hier gebraucht. David braucht einen neuen Vertrag bis 2023.» Alle im Raum mussten lachen. Das ist typisch Michel.

«Als Michel ­Aebischer seine ­erste Gelbe Karte in der 1.?Mannschaft holte, habe ich ihm per SMS gratuliert.»Erminio Piserchia

Wem trauen Sie noch Grosses zu?Den Sprung in die 1. Mannschaft betrachte ich bereits als einen grossen Schritt. Es sind Spieler, die Kontinuität und Vertrauen brauchen. So gesehen sind sie hier in Bern gut aufgehoben. Kann sein, dass sich der eine oder andere in einer besseren Liga behaupten würde. Wichtig ist einfach, dass sie in jungen Jahren nicht zu überstürzt einem verlockenden Angebot aus dem Ausland folgen, dort dann aber nur auf der Bank sitzen bleiben.

Fiebern Sie mit «Ihren» Spielern besonders mit, wenn diese bei einer Super-League-Partie im Einsatz sind? Auf jeden Fall. Ich habe die vier auf ihrem sportlichen Weg ja auch ein Stück weit begleitet und mitgeprägt. Umso mehr fiebere ich mit ihnen mit. Ausserdem macht es mich unglaublich stolz, wenn ich sie im Einsatz der 1. Mannschaft sehe. Die vier hatten zum Teil keinen einfachen Weg. Bei Leonardo Bertone hiess es am Anfang, es reiche nicht für die erste Mannschaft. Trotzdem haben wir ihn als Junior forciert, weil wir merkten, dass er durchaus das Talent dazu hat.

Haben Sie noch intensiven ­Kontakt mit Ihren ehemaligen Schützlingen?Trotz unterschiedlichen Trainingszeiten sehen wir uns regelmässig im Stadion. Da tauschen wir uns jeweils kurz aus. Ich schicke den Spielern auch mal eine SMS. Als etwa ­Michel Aebischer seine erste Gelbe Karte in der 1. Mannschaft holte, habe ich ihm per SMS gratuliert (lacht).

Machen Sie auch mal eine blöde Bemerkung, wenn sich einer einen Fauxpas geleistet hat?Das mache ich eher bei Marco Wölfli, dessen Assistenztrainer ich während 8 Jahren war. Vor seinem Comeback in der zweiten Saisonhälfte foppte ich ihn hin und wieder mit der Bemerkung: «Du Marco, spielst du eigentlich auch wieder mal?» Mit ihm kann man gut solche Spässe treiben.

Wie wichtig ist es eigentlich für einen Juniorentrainer, dass er auch auf der Playstation das Fussballspielen beherrscht?(lacht) Das wäre sicher vorteilhaft dafür, mit den Jungs zu konkurrenzieren. Aber grundsätzlich ist das eher ein Wettkampf, den die Spieler untereinander pflegen. Ich persönlich habe noch nie mit den Jungs eine Partie Fussball auf der Playstation gespielt. Ich weiss aber auch nicht, ob ­meine vier ehemaligen Schützlinge dermassen dem Gamen frönen. Ich glaube eher nicht.

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