Grosse Show ohne Sieger in Kiew

Die Young Boys kommen in einer aufregenden Partie bei Europa-League- Tabellenführer Dynamo Kiew zu einem 2:2. Es ist ein Beweis ihres Fortschritts.

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Dominic Wuillemin

Das Spektakel ruht für einen Moment: Gebannt blicken die Zuschauer im Kiewer Olympiastadion zum Tor der Young Boys, wo Nicolas Ngamaleu und Dynamos Abwehrchef Domagoj Vida eine Viertelstunde vor Schluss nach einen Zusammenprall am Boden liegen, verarztet werden.

Doch nach bangen Minuten stehen die beiden wieder auf, umarmen sich – das Spektakel kann weitergehen. Allerdings ohne Vida, der kurz darauf den Platz verlassen muss. Jedoch nicht ohne sich mit blutverschmierter Hand beim Publikum zu verabschieden.

Die Szene passt zu diesem aufregenden Abend in Kiew: Es ist alles drin im dritten Spiel der Europa League. Herrliche Tore wie das 1:1 Dieumerci Mbokanis (34. Minute) nach einer Tiki-Taka-Ballstafette.

Dynamo Kiew gleicht aus zum 1:1. Quelle: SRF

Oder das 2:2 Dynamos, durch einen direkt verwandelten Freistoss von Mykola Morozyuk (49. Minute).

Kiew erzielt das 2:2. Quelle: SRF

Aber die rasante Partie bietet auch Kampf, viele strittige Entscheidungen wie der Platzverweis von Sékou Sanogo nach Gelb-Roter Karte kurz vor Schluss, Emotionen, Spektakel, Leidenschaft.

Sékou Sanogo erhält die rote Karte. Quelle: SRF

Der Brasilianer Junior Moraes, der nach dem Abgang des Starspielers Andrei Jarmolenko aufgeblüht ist, könnte in der Schlussphase einen Hattrick erzielen. Doch erst wird sein Seitfallzieher von Kevin Mbabu auf der Linie geblockt, dann intervenieren die YB-Innenverteidiger Kasim Nuhu und Steve von Bergen zweimal im letzten Moment.

Nach dominantem Auftritt in der ersten Halbzeit gelingt es den Young Boys, das 2:2 mit letzter Kraft über die Ziellinie zu retten. Mit drei Remis nach drei Spielen sind ihre Chancen auf ein Weiterkommen in der Gruppe B intakt.

Eine Frage der Priorität

Die Frage im Vorfeld war, wie Dynamo als Tabellenführer die Partie gegen YB gewichten würde. Am Sonntag kommt es im gleichen Stadion gegen Shakhtar Donezk zum grossen Duell des ukrainischen Fussballs. Dieses Spiel wurde schon im Vorfeld des Matches überall in den Strassen Kiews beworben, YB blieb derweil, nun ja, unsichtbar.

Mit seiner Aufstellung gab Trainer Aleksandr Khatskevich eine deutliche Antwort: Er wollte sich seinen 44. Geburtstag offenbar nicht verderben lassen, er schonte keine Spieler. Und Dynamo begann entschlossen, bereits nach 44 Sekunden zog Stürmer Dieumerci Mbokani auf YB-Goalie David von Ballmoos los, der Abschluss des Kongolesen missriet jedoch fürchterlich.

Es war ein Warnschuss für die Young Boys, die fortan die Partie in den Griff kriegten, zum Unmut des Heimpublikums, das pfiff. Und die Berner belohnten sich nach 17 Minuten mit dem Führungstreffer, nach abgefälschter Flanke von Jordan Lotomba traf Roger Assalé mit abgefälschten Schuss. Der Torjubel Assalés passte zum frechen YB-Auftritt: Der Ivorer liess sich vor dem Dynamo-Fanblock feiern.

Roger Assalé trifft zum 1:0. Quelle: SRF

Die Frage beantwortet

Roger Assalé war am Donnerstag einmal mehr die grosse Figur bei YB: Kurz vor der Pause gelang dem kleinen Wirbelwind nach einem Corner mit dem dritten Tor in der Europa League das 2:1.

Roger Assalé mit dem 2:1. Quelle: SRF

Doch nach dem samstäglichen Rückschlag in Lausanne (1:2) bewiesen auch Assalés Teamkollegen, dass der Höhenflug der letzten Wochen weiter andauern kann. Sie kamen in der Offensive zu etlichen Gelegenheiten. Und in der Defensive wehrten sie sich am Schluss leidenschaftlich gegen die drohende Niederlage.

YB-Trainer Adi Hütter hatte vor der Partie nicht beantworten können, ob sein Team weiter sei als Ende Juli, als man an gleicher Stelle 1:3 verlor. Er sagte, er hoffe es. Nach dem 2:2 von Donnerstag weiss er es.

Berner Zeitung

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