Goldenes Händchen bleibt im Hosensack

YB erleidet in Lausanne einen Rückschlag. ­Trainer Adi Hütter nimmt beim 1:2 in Lausanne keinen Wechsel vor. Dabei steht er nicht im Verdacht, passiv zu coachen. Das wirft Fragen auf.

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Dominic Wuillemin

Immer wieder blickt Thorsten Schick zur Auswechselbank. Am Samstagabend läuft in Lausanne die Schlussphase, angeleitet von Konditionstrainer Martin Fryand, wärmt sich der österreichische YB-Flügel an der Seitenlinie auf, dehnt, sprintet, hüpft. Nach intensivem Anrennen mit Chancen fast im Minutentakt ist Christian Fassnacht nach Vorarbeit von Roger Assalé kurz zuvor mit einem Hechtkopfball der Ausleich für die Berner gelungen.

Der Ausgleich durch Christian Fassnacht. Quelle: SRF

Der Tabellenführer braucht bei den Romands, die im eigenen Stadion ein Jahr lang ohne Sieg sind, aber einen weiteren Treffer, damit er die Reise in die Westschweiz als gelungen betrachten kann. Doch Schick, der Offensivspieler, wartet, wartet und wartet – vergebens: Hütter nimmt nicht einen einzigen Wechsel vor. Und weil sein Team kein Tor mehr erzielt, aber nach einer Fehlerkette durch einen Kopfball des früheren YB-Spielers Gonzalo Zarate in der Nachspielzeit verliert, wirft das Coaching des Österreichers Fragen auf. Er sagt: «Ich habe keinen Grund gesehen, zu wechseln. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir schon mal so unverdient unterlegen waren.»

Zarates Last-Minute-Treffer zum Lausanner Sieg. Quelle: SRF

Hütters starke Wechselbilanz

Adi Hütter steht nicht im Verdacht, ein Trainer zu sein, der passiv mit seinen Wechselmöglichkeiten umzugehen pflegt. Letzte Saison nahm er in 36 Partien der Super League 102 Spie­lertausche vor, einzig Basels früherer Trainer Urs Fischer und Lausannes Fabio Celestini machten häufiger von der Möglichkeit Gebrauch.

Und Hütters Rochaden zeigten oft Wirkung: 18-mal erzielte ein eingewechselter Spieler ein Tor – der Bestwert in der vergangenen Saison. «Als Trainer stellt man sich ständig die Frage: Wie kann ich das Spiel verändern?», sagt Hütter. Der Trainer findet etwa, Offensivkraft Jean-Pierre Nsame habe nicht den besten Tag erwischt. «Aber ich nehme beim Stand von 1:1 nicht einen Stürmer heraus, der zuletzt oft getroffen hat. Und der mit seiner Physis zudem gefährlich ist bei Flanken», sagt der 47-jährige Trainer.

Sulejmanis Verletzung

Adi Hütter hatte in letzter Zeit mehrmals gemeint, sein Kader sei stark, aber nicht breit besetzt. Die Partie in Lausanne zeigte, warum: Neben den länger verletzten Guillaume Hoarau, Taulant Seferi und Leonardo Bertone sowie Loris Benito (der wieder genesene linke Verteidiger spielte in der U-21 durch) fehlte kurzfristig Miralem Sulejmani. Der Flügel hatte im Abschlusstraining einen Schlag auf den Fuss bekommen, die Blessur ist nicht gravierend, der Serbe dürfte die bevorste­hende Reise im Europacup nach Kiew mitmachen können.

Ohne Sulejmani blieben Hütter im Waadtland zwei offensive Auswechselspieler. Der zuletzt wenig überzeugende Flügel Thorsten Schick, der heuer in der Super League erst einmal in der Startaufstellung gestanden hat. Sowie der 19-jährige Pedro Teixeira, der ein grosses Talent ist, bisher jedoch nur im Cup bei Old Boys Basel zum Einsatz kam. Die Qual der Wahl hatte Hütter nicht, sein Team stellte sich in der Offensive fast von allein auf.

Celestinis Einfluss

Dennoch wäre die Niederlage in Lausanne vermeidbar gewesen. YB hatte die harmlosen Romands bis auf eine Phase vor der ersten Halbzeit im Griff. Die Reaktion nach Francesco Margiottas Führungstreffer (40. Minute) war zudem beeindruckend. Die Berner schnürten das Heimteam in dessen Hälfte ein, sie kamen zu 17:8 Schüssen, 12:1 Eckbällen. «So ist Fussball: Es gewinnt nicht immer das bessere Team», sagt Fabio Celestini.

Diese Szene führte zum 1:0 für die Waadtländer. Quelle: SRF

Der 41-Jährige kann an diesem Abend jedoch für sich in Anspruch nehmen, das bessere Händchen als YB-Trainer Adi Hütter bewiesen zu haben: Nach dem Ausgleich von YB brach Celestini mit drei Rochaden in fünf Minuten den Spielfluss. Und auf Flanke des eingewechselten Benjamin Kololli erzielte der eingewechselte Gonzalo Zarate in letzter Minute den viel umjubelten Siegtreffer.

Berner Zeitung

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