Zum Hauptinhalt springen

Götze hat tapfer durchgehalten

Nach einer Leidenszeit zu Saisonbeginn ist Mario Götze wieder eine feste Grösse im Dortmunder Spiel. Wie wichtig, muss er gegen Tottenham zeigen, wenn Reus und Alcácer fehlen.

Vor dem Champions-League-Spiel gegen Tottenham: Lucien Favre ist wieder fit und Mittelfeldspieler Thomas Delaney witzelt mit seinem Trainer. (Video: Teleclub)

Es ist erst ein halbes Jahr her, dass wirklich jeder in der Branche eine Meinung zu Mario Götze hatte. Kevin Grosskreutz zum Beispiel fand, er solle ins Ausland wechseln; dazu sei er aber zu sensibel, widersprach Stefan Effenberg. Fredi Bobic schlug vor, er möge zu einem kleineren Club gehen, wo er mehr Spielanteile bekomme; man könne in Dortmund aber auch einfach eine neue Position für ihn finden, relativierte Olaf Thon.

Nach Bremen oder Frankfurt zu wechseln, riet ihm konkret Didi Hamann. Gelassener reagierte damals Joachim Löw auf den Umstand, dass Götze bei Borussia Dortmund ungefähr so viele Spielanteile bekam wie der Platzwart – nämlich keine. Der Bundestrainer sagte: «Der Mario soll sich in Dortmund mal wieder richtig zeigen, dann wird er auch wieder ein Thema für uns.»

Fussball-Deutschland sorgte sich ernsthaft um seinen WM-Siegtorschützen.

Es hat ein bisschen gedauert, bis sich Götze einen der vielen Ratschläge zu Herzen nehmen konnte. Er ist nicht ins Ausland gewechselt, auch nicht zu Werder Bremen oder Eintracht Frankfurt – nein, er zeigt sich in Dortmund mal wieder richtig. War seine Primärmotivation dabei auch eher nicht die Nationalmannschaft, so wird der 26 Jahre alte Fussballer in dieser Verfassung vielleicht trotzdem wieder ein Thema für Löw.

Götze hat tapfer durchgehalten beim BVB, er hat wieder deutlich mehr Spielanteile als der Platzwart und war in den vergangenen Partien einer der wichtigsten Akteure bei der Borussia. Wieso die Elf gegen Hoffenheim dann trotzdem binnen 13 Minuten eine 3:0-Führung verspielt hat? Nun, als Götze ausgewechselt wurde, führte der BVB noch 3:1.

Götze hat gelitten damals

Götze war in seiner Karriere viermal Pokalsieger, fünfmal deutscher Meister und einmal Weltmeister. Er war 22 Jahre alt, als er 2014 in Rio de Janeiro im Finale das siegbringende Tor für Deutschland schoss. Von so hoch droben kann es fast nur abwärts gehen, aber vor allem über die Ausmasse seines sportlichen Absturzes wurden im vergangenen Herbst mehr debattiert als über andere, vielleicht wichtigere Themen des deutschen Fussballs.

In den ersten drei Saisonspielen sass Götze – teils aus taktischen, teils aus körperlichen Gründen – durchgängig auf der Ersatzbank, in den folgenden drei Saisonspielen stand er nicht mal im Kader. Dortmund gewann 4:1 gegen Leipzig, 3:1 gegen Frankfurt und 7:0 gegen Nürnberg – doch die meisten Berichte drehten sich um einen Fussballer, der keine einzige Minute mitgespielt hat. Fussball-Deutschland sorgte sich ernsthaft um seinen WM-Siegtorschützen.

Götze hat durchaus gelitten unter jener Situation damals, aber als in dieser Phase alle ihre Meinung hinausposaunten, hat er sich bewusst zurückgenommen. Er hat sich seinen Teil gedacht. Erst im Dezember, als er wieder auf dem Weg zu einem elementaren Bestandteil der Mannschaft war, hat er mal erzählt, wie schwierig es war, sich daran zu gewöhnen, dass seine Probleme öffentlich ausdiskutiert werden. Er könne mittlerweile entspannter damit umgehen, sagte er. Aber jetzt läuft es ja auch wieder besser für ihn.

Favre hat Götze sukzessive wieder eingebaut

Lucien Favre, der Trainer, der ihn erst auf die Bank und dann aus dem Kader beordert hatte und damit Schuld war an all den hitzigen Debatten, hat damals trotzdem Vieles richtig gemacht. Er hat Götze nämlich nicht unter Druck gesetzt und nicht öffentlich diskreditiert, sondern sukzessive wieder eingebaut in eine Mannschaft, die sich mit grosser Spielfreude an die Tabellenspitze gesetzt und dort einen respektablen Vorsprung herausgespielt hat.

Zum 4:3-Sieg gegen Augsburg trug Götze ein Tor bei, zum 2:1-Sieg gegen Gladbach zwei Vorlagen, und in den jüngsten drei Bundesligaspielen hatte er sogar drei Torbeteiligungen. Götze ist auf dem besten Weg zu alter Stärke. Es hat ein bisschen länger gedauert, aber manchmal ist an dem Gerede von der Geduld im kurzlebigen Fussball halt doch etwas dran.

Mittlerweile ist Götze beim BVB ein echter Ersatz für den spanischen Stürmer Paco Alcácer. «Alcácer IST ein Stürmer, und Götze KANN Stürmer spielen», erklärt Favre den Unterschied zwischen den Beiden. Götzes ursprüngliche Position im zentral-offensiven Mittelfeld ist von Marco Reus besetzt, aber wenn die Dortmunder an diesem Mittwochabend zum Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Tottenham Hotspur in London antreten, dann fehlt Reus mit muskulären Problemen.

Die hitzigen Diskussionen haben sich abgekühlt

Beim 3:3 gegen Hoffenheim hat Maximilian Philipp die Reus-Position übernommen, und Götze war zentraler Stürmer. Vielleicht darf er ja ausnahmsweise mal wieder auf seiner Lieblingsposition agieren. Zusammen mit Alcácer wird er aber auch diesmal nicht spielen können, denn der Spanier fehlt dem BVB in London wegen einer Entzündung in der Schulter.

Es sind aber mittlerweile taktischen Debatten, die sich um Götze drehen. Seit er wieder regelmässig spielt, haben sich die hitzigen Diskussionen abgekühlt. Der WM-Siegtorschütze spielt wieder recht ordentlich und erfolgreich Fussball. Niemand redet mehr vom Absturz. Es gerät alles sukzessive wieder in Ordnung. Mario Götze ist das in jeder Hinsicht recht so.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch