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Goalietalent Bürki fordert Vorbild Wölfli

YB empfängt am Sonntag GC. Der sportlich und finanziell kriselnde Rekordmeister aus Zürich setzt auf sehr viele junge Spieler. Einer ist U-21-Nationalgoalie Roman Bürki, der viel von YB-Captain Marco Wölfli profitiert hat. Die Rechte des begabten Berners gehören immer noch den Young Boys.

Roman Bürki Der begabte Berner im GC-Tor gehört immer noch den Young Boys.
Roman Bürki Der begabte Berner im GC-Tor gehört immer noch den Young Boys.
Keystone

Die Schlagzeilen waren: laut, knallig, übertrieben – und sie waren extrem unterschiedlich. «Weltklasse im Letzigrund», titelte der «Blick» am 21.Juli, als GC sein Saisonstartspiel gegen Lausanne mit Glück und dank eines überragenden Roman Bürki 2:0 gewann. Einen Monat später, am 22.August, lautete die Überschrift im Boulevardblatt: «Sforza stopft Bürki das Maul.» GC-Trainer Ciriaco Sforza hatte erklärt, er dulde es nicht, wenn sein Torhüter auf Mitspieler losgehe.

Roman Bürki ist 20 Jahre jung. Er ist die nächste grosse Schweizer Goaliebegabung, Berner und leihweise in Zürcher Diensten, auf dem Feld impulsiv, brüllend, aggressiv, abseits des Feldes ruhig, überlegt, freundlich, er hat in seiner jungen Karriere viel erlebt – und in dieser Saison ein Wechselbad der Gefühle durchlitten. «So ist Fussball», sagt Bürki, «mal steht man oben, mal unten. Man muss einfach die richtigen Schlüsse aus den Erfahrungen ziehen.» Mentale Arbeit sei wichtig, um die extremen Ausschläge des Geschäfts aushalten zu können.

Zukunft bei YB?

Seit Anfang Jahr ist Bürki an GC ausgeliehen, und das gleich für zweieinhalb Saisons bis Sommer 2013, seine Rechte liegen bis 2015 bei YB. «Uns war es wichtig, dass Bürki Spielpraxis bei einem guten Verein erhält und reifen kann», sagt YB-CEO Ilja Kaenzig. Und Bürki erklärt, er sei glücklich und froh, in der Super League Stammspieler sein zu dürfen: «Für mich passt das, ich bin jetzt mit Herz und Seele ein Zürcher.» Es sind, in breitem Berndeutsch, erstaunliche Worte des YB-Fans, der als Sohn der Münsinger Goalielegende Martin Bürki im Bernbiet aufwuchs und schon als Bub an die YB-Spiele ins Wankdorf ging. Und es sind Worte, die seine professionelle Arbeitsweise unterstreichen. «Natürlich ist es ein grosses Ziel von mir, einmal für YB zu spielen», sagt Bürki, «aber ich schaue von Spiel zu Spiel und nicht zu weit in die Zukunft.»

Die Türen der grossen Fussballwelt jedenfalls stehen dem Talent offen, die nationalen Experten sind sich einig, dass Bürki alle Fähigkeiten besitzt, einmal als Nationaltorhüter zu firmieren. Bürki ist gross (1,87 m), er ist reflexstark und eine starke Persönlichkeit, er ist ein relativ guter Fussballer und ein sehr moderner Torhüter, der mit erst 20 Jahren sogar noch in allen Bereichen Steigerungspotenzial besitzt. Als «grosses Vorbild» bezeichnet Bürki ausgerechnet Marco Wölfli, den Keeper und Captain der Young Boys. «Er hat mir bei YB sehr viel geholfen und immer Ratschläge gegeben», sagt Bürki. «Ich bin beeindruckt von Wölfli, er ist charakterlich, menschlich und fachlich überragend.»

Stark in der U-21-Auswahl

Am Sonntag trifft der einstige YB-Ersatzgoalie Bürki, der früher auch an Thun und Schaffhausen ausgeliehen worden war, mit GC im Stade de Suisse auf YB und sein Freundvorbild Wölfli, das er irgendwann möglicherweise beerben wird. «Ich freue mich auf diese Partie, ich kenne ja viele YB-Spieler gut, mit einigen spiele ich in der U-21-Auswahl zusammen», sagt Bürki. Zum Beispiel mit François Affolter, seinem besten Kollegen bei YB, den er regelmässig zum Essen trifft. Beim letzten U-21-Länderspiel vor zwei Wochen, als die Schweiz in Georgien 1:0 siegte, glänzte Bürki als Torhüter, während Abwehrchef und Captain Affolter das Siegestor mit einem Kopfball erzielte.

Es war ein schöner Ausflug nach Georgien für Bürki und weitere GC-Talente, aber zurück in Zürich waren sie wieder mit dem unfreundlichen sportlichen Zustand bei GC (Rang 9, 10 Spiele, 7 Punkte) konfrontiert. «Es läuft nicht optimal», sagt Bürki, «aber wir haben ein gutes Team und besitzen sicher viel Substanz.»

Selber erschrocken über sich

Mit seinen Leistungen ist Bürki zufrieden. «Nach dem starken Saisonstart überzeugte aber auch ich nicht immer.» Und wenn ein Team so viele Gegentore wie GC erhalte (23 in 10 Spielen), dann sehe der Goalie manchmal schlecht aus. Vermutlich habe ihm zudem die Erfahrung gefehlt, um mit Negativerlebnissen umzugehen. «Auch mich erschreckte es, als ich sah, wie ich mit Kollegen umging», sagt Bürki zu den Szenen, in denen er Mitspieler wie Innocent Emeghara schüttelte oder anschrie. «Ich wollte Verantwortung übernehmen, übertrieb es aber.» Nationalstürmer Emeghara ist nach Lorient verkauft worden, und auch die anderen GC-Spieler müssen keine Angst vor Bürki haben. «Ich habe das analysiert, es wird nicht mehr passieren.»

Knackige Schlagzeilen aber dürfte der Torhüter in den nächsten 15 Jahren noch einige produzieren.

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