Glace statt Tore

Der FC Thun und die YB trennen sich im letzten Derby der Saison 0:0 unentschieden. Bei brütender Hitze tun sich die beiden Teams nicht weh. Enrico Schirinzi hat bei seinem letzten Heimspiel für den FCT einen ungewollt kurzen Auftritt.

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Simon Scheidegger@@theSimon_S

Wenn in der Schweiz das beste Fussballwetter herrscht, die Zu­schauer mit Glace und kurzen Hosen statt mit Apfelpunch und Wintermantel auf der Tribüne sitzen, ist das ein Indiz dafür, dass die Saison bald zu Ende ist. In diesem Jahr dürften aber die wenigsten traurig darüber sein, dass vor der Sommerpause nur noch eine Partie ansteht, auch die Young Boys nicht.

Seit Wochen bewegen sie sich im sportlichen Leerlauf, die Relevanz der Resultate tendiert gegen null.Und so überrascht es nicht, nutzt Adi Hütter das zweitletzte Testspiel dieser Saison dafür, Ungewohntes auszuprobieren. Erst zum zweiten Mal organisiert der Österreicher seine Mannschaft in Thun im 3-4-3-System, eine Ausrichtung, die es erlauben soll, sowohl offensiv als auch defensiv flexibler zu sein. So weit die Theorie.

In der Praxis sind es jedoch die Thuner, die sich vermehrt in Szene setzen können.Dejan Sorgic, Christian Fassnacht, Dennis Hediger, wieder Sorgic und Joël Geissmann kommen zu aussichtsreichen Möglichkeiten. Marco Wölfli im Tor der Berner lässt sich aber ebenso wenig bezwingen wie sein Antipode Francesco Ruberto, der mehrmals gegen den wirbligen Roger Assalé, Denis Zakaria, Alain Rochat und Michel Aebischer zur Stelle ist.

Es ist heiss in der Stockhorn-Arena, über 30 Grad werden gemessen.Auf dem Kunstrasen dürfte es sich aber noch einmal deutlich wärmer anfühlen. Entsprechend gemächlich lassen es die beiden Equipen zuweilen angehen. Man tut sich nicht weh, die 7417 Fans feiern vorab sich selber und sorgen mit ihrer Stimmung für einen würdigen Rahmen einer Veranstaltung, die für einige Akteure zum letzten Auftritt auf dieser Bühne werden soll.

Ex-Thun-Trainer Jeff Saibene, der vor kurzem Bielefeld vor dem Abstieg in die dritte Bundesliga bewahrt hat, wird ebenso verabschiedet wie sein Nachfolger Mauro Lustrinelli und Innenverteidiger Thomas Reinmann. Auch Enrico Schirinzi muss den FC Thun nach sieben Jahren verlassen, und so gewährt ihm Lustrinelli eine Viertelstunde vor dem Ende seine letzte Spielgelegenheit vor Heimpublikum.

Die Abschiedsvorstellung des Ostermundigers dauert indes nur fünf Minuten. In einem Zweikampf trifft der 32-Jährige Kasim Nuhu unglücklich am Kopf. Der Ghanaer geht zu Boden, und Adrien Jacottet beendet die FCT-Karriere Schirinzis mit einem (zu harten) Griff zum roten Karton in der Brusttasche. Dass mit Zinédine Zidane einer der grössten Fussballer der Geschichte seine Karriere im WM-Final 2006 auf ähnliche Weise beendete, dürfte für Schirinzi nicht tröstlich sein.

Nach Schirinzis Ausschluss kochen die Gemüter ein erstes Mal hoch.Hinter jedem Zweikampf wird in der Folge ein rüdes Foul vermutet. Und die kurzhosigen, Glace schlürfenden Zuschauer haben ihre sommerliche Gelassenheit abgelegt, um lautstark zu pfeifen. Die Young Boys finden mehr Räume vor und nutzen diese für einige flotte Angriffe.

Doch auch die Thuner spielen weiter nach vorne, denn schliesslich geht es für sie in diesem Moment tatsächlich noch um mehr als die goldene Ananas. Luzern liegt gegen Absteiger Vaduz im Rückstand, und mit nur einem Tor könnten die Thuner ihre Chance auf die Europa-League-Qualifikation wahren. Doch nicht nur gelingt dem FC Luzern in der letzten Minute der Ausgleich, auch vermögen die Thuner nicht mehr zu reüssieren.

Wenig später verabschiedet der Speaker die Zuschauer in die Sommerpause,und anstatt auf ein Treffen auf europäischer Bühne hinzuweisen, erinnert er an die Vorbereitungsspiele auf die neue Saison im Juli. Glace und kurze Hosen werden auch dann noch hoch im Kurs sein, und die sportliche Relevanz wird auch bald wieder steigen.

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