Gewicht verloren, Zuversicht gewonnen

Kevin Mbabu ist bei YB nicht mehr wegzudenken. Der 22-jährige Genfer überzeugt mit seiner kompromisslosen Spielweise. Dabei war sein Start in Bern alles andere als einfach.

Kevin Mbabu ist Antreiber und Aggressivleader bei den Young Boys. Sein Leihvertrag läuft im Sommer aus, die Berner möchten ihn gerne behalten.

Kevin Mbabu ist Antreiber und Aggressivleader bei den Young Boys. Sein Leihvertrag läuft im Sommer aus, die Berner möchten ihn gerne behalten.

(Bild: Andreas Blatter)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Manchmal erinnert sich Kevin Mbabu zurück. Wie er als Bub ehrfürchtig zu den Spielern von Servette hinaufschaute. «Das waren Götter für mich», sagt er lächelnd. Mittlerweile ist aus dem Bub ein Mann geworden, der sich seinen Traum erfüllt hat, Fussballer geworden ist. Schlendert er heute durch Bern, so wird Mbabu öfters von jungen YB-Fans erkannt. Dann wollen sie ein Foto von ihm machen, möchten ein Autogramm. Das störe ihn überhaupt nicht, sagt der 22-Jährige, «denn es erinnert mich an meine Kindheit».

Seit Ende August spielt der Genfer nun für die Young Boys, und seit Scott Sutter Anfang März den Klub verlassen hat, ist Mbabu auf der rechten Abwehrseite gesetzt. Er ist – wie zuletzt beim 2:0-Sieg in St. Gallen – oftmals einer der besten im gelb-schwarzen Ensemble. «Ich bekam meine Chance, und ich habe sie gepackt», sagt er.

Den Lebensstil geändert

So gut es Mbabu im Moment läuft – so schwer war sein Start in Bern. «Ich kam ohne gute Vorbereitung, war auch ein bisschen zu schwer», hält er selbstkritisch fest. Adi Hütter setzte ihn nicht regelmässig ein, «was zuweilen frustrierend war». Doch Mbabu, der leihweise von Newcastle zu YB gestossen war, hatte ein klares Ziel: Sich in der Super League zu verbessern. Heute lässt sich festhalten: Es ist ihm gelungen. Nicht zuletzt, weil er seinen Lebensstil geändert hat. Sein Fokus liegt ganz auf dem Fussball.

Erstmals überhaupt lebt er weit weg von den Verlockungen der Stadt – im freiburgischen Bösingen wohnt er bei einer Familie zur Untermiete. Zudem arbeitet Mbabu mit einem Ernährungsberater zusammen, weshalb er in der Winterpause vier Kilogramm abgenommen hat, «das half mir sehr, ich begann gute Leistungen zu zeigen». Was auffällt: Zuvor schlug sich Mbabu immer wieder mit muskulären Problemen herum, nun absolviert er das ­erste Mal seit langer Zeit eine Saison ohne verletzungsbedingten Unterbruch. «Das ist ein grosses Plus für mich, nicht zuletzt mental. Heute habe ich keine Angst mehr, mich wieder zu verletzen. Ich habe vieles zum Positiven verändert.»

Lob von Spycher

Kevin Mbabu ist ein angenehmer Gesprächspartner. Er redet leise, wirkt für seine 22 Jahre sehr reif. Sobald der Verteidiger jedoch auf dem Platz steht, legt er seine ­Zurückhaltung ab. Seine Mutter sagte ihm einst, sie erkenne ihn nicht wieder. Wobei Mbabu den Bogen mit seiner aufopfernden Spielweise zuweilen überspannt. Neun gelbe Karten hat er in dieser Saison bereits kassiert, so viele wie kein anderer YB-Spieler. Was in England unter gesunder Härte durchgeht, wird in der Super League bestraft. «Aber deshalb werde ich meine Spielweise nicht ändern, so bin ich einfach, ich werde immer hundert Prozent Einsatz geben.»

Bei den Young Boys jedenfalls hat er damit Werbung in eigener Sache betrieben. «Seine kraftvolle, dynamische und entschlossene Art tut unserem Spiel gut», hält Sportchef Christoph Spycher fest. Der Leihvertrag des Genfers läuft bekanntlich aus, doch YB möchte ihn halten. «Es wäre für alle Beteiligten wünschenswert, wenn er bei uns seine positive Entwicklung fortsetzen könnte», sagt Spycher.

Mbabus Kontrakt mit dem Traditionsverein aus Nordengland läuft noch bis 2018, und nächste Saison wird Newcastle wieder in der Premier League spielen. Eine Rückkehr sei eine Option, sagt er. «Aber es hat bereits drei, vier Spieler auf meiner Position. Doch ich will so viel wie möglich spielen, um mich weiterzuentwickeln.» Das spräche für YB.

Vorerst führt Mbabus Weg am Sonntag nach Sitten. Er spricht von einem wichtigen Match. Womit wir wieder bei den Erinnerungen wären. Servette und Sion verbindet eine grosse Rivalität, entsprechend speziell sind Spiele gegen die Walliser für den Genfer. «Da bin ich jeweils noch viel motivierter», sagt Mbabu und fügt lächelnd an, «ich will die nicht gewinnen lassen.»

Berner Zeitung

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