Geständnis im Fall um Bickel-Erpressung

Der ehemalige Spielervermittler Peter Bozzetti hatte vor dem Zürcher Obergericht einen entscheidenden Auftritt.

Peter Bozzetti (links) und Erich Vogel vor dem Zürcher Obergericht.

Peter Bozzetti (links) und Erich Vogel vor dem Zürcher Obergericht.

(Bild: Keystone)

Thomas Hasler@thas_on_air

Der heute 48-jährige Peter Bozzetti war im November 2014 wegen versuchter Erpressung und versuchter Nötigung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt worden. Sechs Monate davon sollte er unbedingt absitzen müssen. Damals hatte er noch jegliche Schuld bestritten und einen Freispruch verlangt. Konsequenterweise focht er die Verurteilung deshalb vor dem Zürcher Obergericht an.

Mildere Strafe angestrebt

Noch vor der Verhandlung, die am Dienstagmorgen stattfand, liess Bozzetti das Gericht wissen, dass er den Schuldspruch nun akzeptiere. Da mit einem Geständnis in der Regel auch eine mildere Strafe verbunden ist, hofft er, den unbedingten Strafvollzug vermeiden zu können. Seine Verteidigerin beantragte denn auch eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen.

Ob es so weit kommt, ist offen. Denn auch die Staatsanwaltschaft verlangte eine Änderung des erstinstanzlichen Urteils. Sie beantragte, wie schon vor dem Bezirksgericht Zürich, eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, von denen Bozzetti 10 Monate unbedingt soll absitzen müssen. Das Obergericht hat noch kein Urteil gefällt.

Sachverhalt «teilweise unrichtig»?

Bozzetti, so der Vorwurf, hatte im Herbst 2013 von YB-Sportchef Fredy Bickel 131'000 Franken verlangt. Im Gegenzug hätte er ihm angeblich «heisse» Dokumente aus Bickels Vergangenheit übergeben. Managerlegende Erich Vogel kassierte in diesem Zusammenhang wegen Gehilfenschaft zu versuchter Erpressung eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Vogel akzeptierte Verurteilung und Strafe und verzichtete auf einen Weiterzug des Urteils.

Während einer Stunde begründete Bozzettis Anwältin am Dienstag, warum der 48-Jährige erheblich milder bestraft werden müsse. Sie wählte allerdings eine riskante Strategie. Der Sachverhalt, der ihrem Mandanten angelastet werde, sei «teilweise unrichtig». Dies müsse richtiggestellt werden, weil es für die Strafe relevant sei.

In die Sache «hineingeschlittert»

Bozzetti habe gegenüber Bickel nicht tagelang einen Druck aufgebaut. Er habe zuerst auch keine Forderungen gestellt. Bei der Erpressung handle es sich eigentlich um einen untauglichen Versuch, weil Bickel nach Durchsicht der Unterlagen erkannt habe, dass Bozzetti nichts Gefährliches in Händen halte. Bozzetti habe sich einfach «ungeschickt verhalten», sei in die Sache «hineingeschlittert» respektive «in eine Falle getappt».

Heikel ist die Strategie der Verteidigerin, weil ein Geständnis voraussetzt, dass der Sachverhalt anerkannt wird. Wenn der Sachverhalt aber als «teilweise unrichtig» gerügt wird, kann nicht von einem Geständnis ausgegangen werden. Eine Strafreduktion wegen Einsicht und Reue käme diesfalls nicht in Betracht.

Genau dies will das Obergericht nun unter anderem näher prüfen. Es verzichtete deshalb nach den Plädoyers der Parteien auf die geheime Urteilsberatung und Urteilseröffnung. Der Entscheid wird den Parteien schriftlich zugestellt.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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