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Geschlagene Helden

Die Young Boys zeigen sich nach dem Cupfinal schwer enttäuscht. Stürmer Roger Assalé sorgt für ein unschönes letztes Bild.

Es sollte nicht sein: Die Enttäuschung steht  Marco Wölfli und Steve von Bergen ins Gesicht geschriebe
Es sollte nicht sein: Die Enttäuschung steht Marco Wölfli und Steve von Bergen ins Gesicht geschriebe
Christian Pfander
Bei Thorsten Schick sieht es nicht anders aus.
Bei Thorsten Schick sieht es nicht anders aus.
Christian Pfander
Vor dem Spiel: Einmarsch der Cupfinalisten.
Vor dem Spiel: Einmarsch der Cupfinalisten.
Raphael Moser
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Es ist die finale Wende und ein neues Gefühl für YB: Die Young Boys sind ganz am Ende einer historischen Saison die Verlierer. «Der Schock sitzt tief», sagt Flügel Christian Fassnacht. «Die Enttäuschung ist riesig», meint der linke Verteidiger Loris Benito.

«Es ist schwierig, sich nun ­wieder aufzurichten», sagt Zen­trumsspieler Leonardo Bertone. Unter den blonden Haaren sind diesmal keine lachenden Ge­sichter zu sehen: Welch Kontrast zu den ausgelassenen Feierlichkeiten der vergangenen Wochen.

Es sind ungewohnte Bilder, die der Sonntagnachmittag im Stade de Suisse liefert. Auf der rechten Seite fliegen keine Rastas durch die Luft, Kevin Mbabu sitzt gesperrt auf der Tribüne. Guillaume Hoarau vergibt allein vor FCZ-Torhüter Yannick Brecher. Marco Wölfli ballt nicht die Jubelfaust.

Und der kleine Energieriegel Roger Assalé, mit Finten und Toren zum Publikumsliebling aufgestiegen, agiert blass, bei seiner Auswechslung läuft er schnurstracks auf die Bank – kein Abklatschen mit Trainer Adi Hütter, keine motivierenden Worte für seinen Freund und Einwechselspieler Jean-Pierre Nsame. Der Joker sticht diesmal nicht. «Assalé Nsame (FCB ke Chance me)» schafft es nicht in die Playlist des Stadion-DJs.

Keine Beschönigung

Man hätte vom Meistermacher mit wunderbar tiefer Stimme gern erfahren, wie er diese Szene beurteile, doch der Bass bleibt stumm. Und Assalé verabschiedet sich bei seinem wohl letzten Auftritt im YB-Trikot durch den Hinterausgang.

Andere YB-Spieler reden. Und sie tun dies, ohne zu beschönigen. Fassnacht meint: «Der FCZ hat das gut gemacht. Wir fanden gegen sein kampfbetontes Spiel kein Rezept.» Und Benito sagt: «Es hat die Mannschaft gewonnen, die den Sieg mehr wollte.»

FCZ-Offensivakteur Adrian Winter formuliert es so: «Heute hätten wir auch Liverpool und Real Madrid geschlagen.» Die Sterne der Königsklasse sind für die Zürcher dennoch nicht greifbar, mit dem Sieg am Sonntag haben sie sich aber immerhin den Einzug in die Gruppenphase der Europa League gesichert.

«Stand jetzt bin ich in Bern»

Als Meister werden auch die Young Boys europäisch vertreten sein, offen ist, ob in der Champions- oder Europa League. Und vor allem: Mit welchem Personal? «Stand jetzt bin ich in Bern», sagt Fassnacht, dem von deutschen Vereinen eifrig Avancen gemacht werden. Er verreise nun erst einmal in die Ferien.

«Und dort denke ich nicht an Fussball.» Und Benito meint: «Klar, haben uns die Erlebnisse der letzten Monate zusammengeschweisst. Aber es ist normal, stehen am Ende einer Saison Veränderungen an. So ist nun einmal das Fussballgeschäft.»

Und so gehört die YB-Ausgabe 2017/2018 der Vergangenheit an, sie hat eine grossartige Geschichte geschrieben – ohne Happy End. «Ich gebe uns dennoch die Note 6», sagt Fassnacht. «Unser wichtigstes Ziel, den Meistertitel zu holen, haben wir schliesslich erreicht.» Und Benito kündet an, er werde am Montag mit einem Lächeln aufstehen können. «Den Meistertitel kann uns niemand nehmen. Wir sind immer noch Helden.»

Vielleicht schwingt ein bisschen Trotz in Benitos Worten mit, aber es hat ja etwas Wahres: Mbabus fliegende Rastas, Hoaraus Tore, Wölflis Jubelfaust, Assalé und Nsame, es sind Bilder für die YB-Ewigkeit.

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