Gelb-Schwarz im Kopf

Zum Ende der Vorrunde hin musste Scott Sutter immer öfter mit dem Platz auf der Ersatzbank vorliebnehmen. Für seinen Konkurrenten Florent Hadergjonaj hat er dennoch lobende Worte übrig.

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Dominic Wuillemin

In England wird das Ende des internationalen Transferfensters jeweils zelebriert. Die BBC berichtet mit einer Livesendung von den finalen Stunden, auf Twitter wird der geneigte Nutzer minütlich über die neusten Entwicklungen aufdatiert.

Als der Wechsel von André Schürrle nach Wolfsburg am Montag nach zähen Verhandlungen doch noch über die Bühne ging und Juan Cuadrado derweil bei Chelsea, dem ehemaligen Klub des Deutschen, vorgestellt wurde, erfuhr Scott Sutter dank diversen Kanälen beinahe simultan davon. Die beste Zeit im Jahr sei die Transferperiode, twitterte der leidenschaftliche Verfolger des englischen Fussballs kürzlich.

Karriereende als Option

Die Premier League war lange auch sein Ziel. Als Scott Sutter mit 16 Jahren aus England in den Nachwuchs der Grasshoppers gekommen war, hatte er dies mit der Absicht getan, einst als gestandener Profi wieder zurückkehren zu können.

Später, als er sich bei den Zürchern etablierte, lehnte er ein Aufgebot der Schweizer U-21 mit dem Hinweis ab, er wolle in Zukunft für sein Geburtsland spielen. Doch dann verletzte sich Sutter schwer. «Hast du schon genug Geld mit dem Fussball verdient?», fragte der Arzt, als er den Schaden an Sutters Fuss näher betrachtet hatte.

Die Verletzung veränderte Sutters Karriereplanung. Nach zwei Jahren der Ungewissheit war er froh, überhaupt wieder Fussball spielen zu können. Als der Aussenspieler 2009 zu YB wechselte, sagte er dem damaligen CEO des Stade de Suisse, Stefan Niedermaier, er könne sich durchaus vorstellen, über Jahre bei YB zu bleiben und dereinst das Amt des Captains innezuhaben. «Und nun bin ich tatsächlich noch hier», sagt Sutter.

Beliebt und anpassungsfähig

Mittlerweile ist nur noch Marco Wölfli länger im Verein. In den bald sechs Jahren in Bern hat Scott Sutter fünf verschiedene Trainer erlebt. Er konnte sich den neuen Gegebenheiten aber jeweils rasch anpassen. Nur einer, Christian Gross, setzte nicht auf den Rechtsverteidiger.

Der Doppelbürger nennt seine Polyvalenz als Vorzug, Sutter kann auf rechts wie auch auf links agieren, fühlt sich sowohl in der Verteidigung wie auch im Mittelfeld wohl. Sicherlich spielt aber auch Sutters Charakter eine Rolle. Der bald 29-Jährige ist umgänglich und bescheiden, in der Mannschaft wird er geschätzt. Spielt der Rechtsverteidiger nicht, kann er dies akzeptieren. «Meine Ansprüche kennt der Trainer aber schon», fügt er an.

Erfahrung als Argument

Mit Uli Forte befindet sich Sutter im regen Austausch. Zum Ende der Vorrunde hin verzichtete der YB-Coach immer öfter auf den Londoner. Derweil trumpfte Florent Hadergjonaj gross auf. «Ich würde ja gerne sagen, Florent macht seine Sache nicht gut. Aber das kann ich nicht. Dafür spielt er zu stark.»

Sutter schätzt den Konkurrenzkampf, er hebt die Intensität in den Trainings hervor und glaubt, die Erfahrenheit sei ein Argument, welches er auch im Hinblick auf die Partien gegen Everton für sich ins Feld führen könne. So bestritt er im November in Bratislava seine 50. Partie im Europacup.

Letztes Jahr verlängerte Scott Sutter seinen Vertrag bei den Gelb-Schwarzen bis 2017. Die Premier League übt zwar noch immer grossen Reiz auf ihn aus. Kaum je verpasst er eine Aufzeichnung der BBC-Sendung «Match of the Day», in welcher der frühere Profi Gary Lineker die Highlights präsentiert.

Und in «Fantasy Premier League», einem Spiel, in dem es eine Mannschaft zusammenzustellen gilt, führt er bei YB die teaminterne Rangliste deutlich an. Doch das Verlangen, selbst einmal Teil dieses Zirkus zu sein, ist in den Hintergrund gerückt. Nach bald sechs Jahren befindet sich Scott Sutters Lebensmittelpunkt in Bern.

Berner Zeitung

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