Für die Nummer eins von morgen

Für viele Nachwuchsgoalies ist das Trainingscamp von Hermann Haas eine Möglichkeit, zu lernen und sich zu verbessern. Für andere vielleicht sogar der Start zu einer grossen Karriere.

Trainieren wie die Profis: Ein junger Torhüter fliegt in Konolfingen spektakulär durch die Luft.

Trainieren wie die Profis: Ein junger Torhüter fliegt in Konolfingen spektakulär durch die Luft.

(Bild: Raphael Moser)

Es ist noch früh am Morgen, die Sonnenstrahlen breiten sich langsam über den Grashalmen des Sportplatz Inseli in Konolfingen aus. Die meisten schlummern noch in den Federn, aber einer ist schon unterwegs und stellt das Material für die kommenden drei Vormittage bereit: Hermann «Mändu» Haas. Mändu, wie ihn die meisten aus dem Fussball kennen, organisiert seit acht ­Jahren Trainingscamps für Torspieler: drei Trainingsvormittage, die ganz im Zeichen der Torhüter stehen – etwas Einzigartiges in der Schweiz.

Investition in die Zukunft

Die Idee dazu kam Haas im Jahr 2010, als seine Karriere als Torhütertrainer langsam ins Rollen kam. «Für Feldspieler gibt es unzählige solcher Angebote, nur für die Torspieler hat damals noch etwas Ähnliches gefehlt», sagt Haas, der seit 2013 auch als Trainer im Nachwuchs des FC Thun engagiert ist. In den ersten Jahren fanden die Trainingsvormittage nur einmal pro Jahr statt, seit 2013 gibt es nun für junge Torhüter jedoch im Frühling, im Sommer und im Herbst die Möglichkeit, den Bällen unter professionellen Trainingsmethoden nachzufliegen.

Für Haas besteht die Motivation einerseits darin, «etwas Gutes für die Jungen» zu tun, gleichzeitig hat er als Ausbildner aber auch den Selektionsgedanken im Hinterkopf. Denn während der Camps kam es sogar schon mehrmals dazu, dass junge Talente aus kleinen Vereinen den Weg in die Nachwuchsmannschaften des FC Thun gefunden haben. Ein solches Beispiel ist Patrick Koller, der als Torspieler in der U-16-Mannschaft des FC Thun agiert. «Für mich sind die Camps auch eine Investition in die Zukunft», sagt Haas.

Spass und Lernbereitschaft

Gegen neun Uhr ist das Material bereit. Die rund dreissig Goalies sind bereits umgezogen und warten hungrig darauf, endlich abzuheben. Trainiert werden sie im Camp von Spielern, die teilweise selber bei Spitzenclubs engagiert sind oder waren. Im Camp in Konolfingen ist etwa Felix Hornung vom Promotionsligisten Breitenrain dabei, der bis zur letzten Saison noch im Profikader des FC Thun stand.

Natürlich ist man da als junger, ehrgeiziger Goalie doppelt motiviert. «Es ist cool, mit einem Profi zu trainieren», sagt einer der jungen Torhüter. Trotz der Hitze geben die Talente vollen Einsatz, hören aufmerksam zu, wenn der Coach Anweisungen gibt, und zeigen ab und an spektakuläre Paraden, an denen sich vor allem auch die vielen Eltern freuen, die interessiert das Geschehen auf dem Trainingsplatz beobachten.

«Für Feldspieler gibt es unzählige solcher Angebote, nur für die Torspieler hat damals noch etwas Ähnliches gefehlt.»Campleiter Hermann Haas

Viele der Torhüter spielen in einem Verein im Berner Oberland. Für sie ist es eine zusätzliche Möglichkeit, sich weiter zu verbessern und auch einmal eine andere Sicht auf die Aufgaben eines modernen Torspielers zu erhaschen. Auch Patrick Bettoni, Torspielertrainer in der Super League, gesellt sich zu den Zuschauern und ist in stetigem Austausch mit Hermann Haas.

Davon profitieren auch die Jungen, denn in den Camps wird nicht nur den Bällen hinterhergehechtet, sondern die talentierten Knaben und Mädchen werden auch generell für die Aufgaben eines Torspielers im modernen Fussball sensibilisiert.

Und wer weiss: Vielleicht steht dereinst sogar ein Torspieler in der Super League zwischen den Pfosten, der noch im Camp bei Hermann Haas die Bälle von der Linie gekratzt hat.

Berner Zeitung

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