Früher oder später

Die Berner Young Boys sind bald Meister, schiessen 2019 aber weniger Tore. Derweil wird Trainer Gerardo Seoane bei Gladbach gehandelt.

Eines von 70 YB-Saisontoren: Guillaume Hoarau trifft am Sonntag in der 90. Minute zum 3:2 gegen St. Gallen.

Eines von 70 YB-Saisontoren: Guillaume Hoarau trifft am Sonntag in der 90. Minute zum 3:2 gegen St. Gallen.

(Bild: Anthony Anex (Keystone))

Fabian Ruch

Noch immer ist es möglich, dass die Young Boys bereits am Sonntagabend die Titelverteidigung feiern. Wenn sie in den Partien am Donnerstag in Luzern und drei Tage später gegen Thun vier Punkte mehr holen als Basel heute bei Zürich und am Sonntag gegen Lugano.

Realistischer ist, dass YB am 14. April nach der Partie beim FCZ oder am Ostermontag, 22. April, nach dem Auftritt bei Xamax als Champion feststeht. Die Spieler lassen sich nicht stressen und schon gar nicht zu Wünschen hinreissen. «Das interessiert mich nicht, ich schaue nicht jeden Tag den Spielplan an», sagt Loris Benito. «Es spielt keine Rolle, wo und wann wir Meister werden», sagt Steve von Bergen. Und auch Guillaume Hoarau meint: «Früher oder später wird es so weit sein.»

Sulejmani fehlt

Die Young Boys jagen ja nebenher noch ein paar Rekorde. So wurde der FC Basel vor zwei Jahren mit 93 Toren und 86 Punkten Meister. Basel hatte in jener Rekordsaison 2016/2017 nach 26 Spieltagen wie die Young Boys in diesem Jahr schier unfassbare 69 Punkte auf dem Konto – und 68 Tore erzielt (YB steht bei 70). In den letzten zehn Begegnungen siegte der FCB jedoch nur noch viermal, spielte fünfmal unentschieden und verlor einmal (1:2 bei YB!).

Den Titel holte Basel damals früh wie nie ein Super-League-Team – schon am 30. Spieltag mit einem 2:1 am 28. April auswärts gegen Luzern. Ein Jahr später waren es die Young Boys, die an diesem Datum dank eines 2:1 gegen den FCL feierten. Und 2019? Findet am 28. April das YB-Heimspiel gegen Lugano statt.

In diesem Jahr treten die Young Boys nicht so unwiderstehlich wie 2018 auf, doch sie haben in acht Partien nie verloren und 20 Punkte gesammelt. Zwei mehr als Rivale Basel. Ihre Leistungen gerieten oft schwerfällig, mehrmals setzten sie sich dank Last-Minute-Toren durch.

Am Sonntag genügte der Steigerungslauf gegen St. Gallen zum 3:2-Sieg in extremis, die Sonderklasse des dreifachen Torschützen Guillaume Hoarau rettete YB. Der verletzungsanfällige Goalgetter war zuvor mal wieder wochenlang ausgefallen, auch andere Stammkräfte wie Kevin Mbabu, Sandro Lauper und Mohamed Camara fehlten mit Blessuren.

Stark vermisst werden zudem die Finesse des ebenfalls oft verletzten Miralem Sulejmani, der mit Oberschenkelproblemen bis Ende Saison ausfällt, sowie die Wucht von Sékou Sanogo, den es im Winter nach Saudiarabien zog. Der Ivorer sass bei Al-Ittihad Jidda zuletzt übrigens auf der Bank.

2019 halb so viele Tore

Im zentralen Mittelfeld trat YB gegen St. Gallen mit den hoch begabten Djibril Sow, Michel Aebischer und Lauper an. Es sind ballsichere, technisch versierte, smarte Aufbauer, die vor einer vielversprechenden Karriere stehen, aber relativ typengleich sind und bezüglich Torgefahr Steigerungspotenzial besitzen.

Die Offensivkräfte Christian Fassnacht, Roger Assalé, Jean-Pierre Nsame und Nicolas Ngamaleu wiederum bemühen sich sehr, doch oft fehlt es ihnen aktuell an Leichtigkeit und Abschlussglück. Weil zudem die Standardsituationen ohne Feinfuss Sulejmani deutlich ungefährlicher sind, hat YB 2019 im Schnitt nur 1,6 Tore geschossen. In der Vorrunde waren es doppelt so viele gewesen.

Selbst diese Young Boys können also Dinge verbessern. Insbesondere beim FC Luzern, bei dem es vor einem Monat ein 0:4 im Cupviertelfinal absetzte. Und gegen den die Young Boys die einzige Saisonniederlage erlitten (2:3 zu Hause nach zwei späten Gegentoren).

Seoane und Gladbach

Nicht nur mehrere YB-Fussballer wecken derweil Begehrlichkeiten bei internationalen Topclubs. Der erfolgreiche, ehrgei­zige, sechssprachige Trainer Gerardo Seoane wurde am Dienstag in deutschen Medien als Option bei Gladbach erwähnt. Dessen Sportchef Max Eberl verfolgt den helvetischen Fussball eng, im Kader stehen fünf Schweizer, darunter der frühere YB-Spieler Denis Zakaria.

Eberl gab am Dienstag bekannt, Coach Dieter Hecking Ende Saison zu ersetzen. Salzburgs Meistertrainer Marco Rose ist Topkandidat, aber auch Seoane steht bei Gladbach hoch im Kurs. Schalke und Wolfsburg suchen zudem ebenfalls einen Trainer. Auch Seoane wird den Schritt in eine Topliga unternehmen. Früher oder später.

Berner Zeitung

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