Frey bleibt Frey

Michael Frey ist in kurzer Zeit zum Gesicht des FCZ geworden. Der Berner gibt sich auch in Zürich erfrischend offen. Und verteidigt sich gegen die Kritik von YB, er sei ein anstrengender Spieler.

Harte Duelle: Michael Frey (links) gegen Christian Fassnacht.

Harte Duelle: Michael Frey (links) gegen Christian Fassnacht.

(Bild: Keystone)

Fabian Ruch

In den Letzigrund-Katakomben ist nach Fussballspielen eine imposante Sponsorenwand aufgestellt. Die Fussballer gehen hinter dieser Wand zu ihren Kabinen, ausser sie werden von Journalisten gerufen, um Auskunft zu geben. Michael Frey ist anders. Er läuft nach dem 0:0 zwischen Zürich und YB schnurstracks zu den Journalisten. Weil er eh gerufen wird. Weil er immer was zu sagen hat. Weil er Michael Frey ist.

Und natürlich stürzen sich die Medienvertreter auf Frey. Er weiss auch nach einem stinklangweiligen 0:0 Erfrischendes zu berichten. «Das ist zu wenig. Aber wir bleiben vor dem grossen Titelfavoriten YB. Das gefällt mir», sagt Frey. Er sei «gelaufen, gelaufen, gelaufen», habe sich aufgerieben und alles probiert. «Aber ich traf nicht. Und ein Stürmer wird an Toren gemessen.»

Die harte Arbeit

Seit knapp zwei Monaten ist Michael Frey beim FCZ. Und man kann behaupten: Er ist ein Gesicht des Vereins. Wie Präsident Ancillo Canepa und Trainer Uli Forte. Der Berner ist in seinem neuen Verein Leader, Hoffnungsträger, Torjäger. Das war er bei den Young Boys nie, da stand er in all den Jahren immer im Schatten anderer. Der im beschaulichen Bern oft unterschätzte Michi ist auf bestem Weg, im grossen Zürich zum Michael zu werden. «Es gab viele Geschichten über mich in den Medien», sagt Frey, «und wenn ich wirklich das Gesicht des Vereins bin, habe ich mir das durch Superleistungen verdient.»

Das hört sich arrogant an, aber Frey ist nicht arrogant. Er ist direkt und ehrlich wie immer. Und selbstbewusst, das ist er ganz bestimmt. Wenn man ihn fragt, antwortet er. Die Wirkung seiner Worte ist zuweilen wuchtig. Doch Frey, seit ein paar Wochen 23 (immer noch erst), stört das nicht. Er ist authentisch geblieben, genau diese Eigenschaft befähigt ihn zum Journalistenliebling.

Frey gibt zu, dass es speziell gewesen sei, gegen YB zu spielen, seinen Jugend- und Herzensklub. «Aber nach ein paar Minuten dachte ich nicht mehr daran.» Er war die auffälligste Figur, aggressiv wie immer, setzte seinen noch muskulöser gewordenen Körper ein, hätte beinahe David von Ballmoos zu einem groben Fehler verleitet. Freys Fuss erwischte einen Befreiungsschlag des Goalies, der Ball landete neben dem Tor.

Die Replik an YB

In Zürich gefällt es Frey sehr, er hat in Kilchberg ein kleines Appartement am See gefunden, in dem vorher der zu Cadíz gewechselte Ivan Kecojevic wohnte. «In Zürich wird man noch mehr als in Bern angesprochen», erzählt Frey, «die Leute zeigen ihre Begeisterung stärker, sie sind offener.» Einem wie ihm muss das passen. «Und wie YB ist der FCZ ein grosser Schweizer Klub.»

Selbstverständlich hat Frey mitbekommen, wie man bei den Young Boys über ihn gesprochen hat. Anstrengend sei es gewesen mit dem Ehrgeizling, wenn dieser nicht gespielt habe, er habe dem Team mit seiner Art mehr geschadet als geholfen. Freys Replik ist messerscharf: «Ach, wir haben die letzten acht Spiele im Frühling mit mir nicht verloren. So schlecht kann das nicht gewesen sein, ich schoss meine Tore.» Und sowieso: «Wenn sie einfache Spieler wollen, sollen sie einfache Spieler holen. Ich bin, wie ich bin. Und gebe halt immer alles.»

Frey ist ein Typ, den man gern haben muss. Über den man sich wundern kann, weil er zielstrebig ist und unangepasst im klinischen Fussballgeschäft. Im TV-Interview fragt er am Samstag, wie Basel gespielt habe. Der FCB trat erst am Sonntag gegen Lugano an.

Der Traum vom Nationalteam

Noch immer verbringt Frey viel Zeit in Bern, weil er seine Heimat sehr gern habe. «Aber Zürich ist auch schön, am See lebte ich noch nie. Und es läuft uns, wir sind stark und bleiben stark.» Auf die Frage, ob das Nationalteam bald zum Thema für ihn werde, antwortet Frey wie erwartet ohne Hemmungen: «Wenn ich meine Leistung weiter bringe, traue ich es mir zu, ein Thema zu werden. Das wäre ein Traum.» Aber weil sogar er realisiert hat, dass Sprüche nicht immer und überall ankommen, schiebt er schmunzelnd nach: «Das ist weit weg. Ich konzentriere mich auf den FCZ.»

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