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Fremdeln auf fremdem Terrain

Auf Begeisterung folgt Enttäuschung: Beim 0:1 in Nikosia vermochten die Young Boys einmal mehr auswärts nicht zu überzeugen. Der heimische Kunstrasen ist die naheliegende Erklärung dafür.

Anfang vom Ende: 145 Sekunden nach seiner Einwechslung erhält der 21-jährige Kevin Mbabu in Nikosia nach einem üblen Foul die Rote Karte. Auswärts erleidet YB danach einmal mehr einen Rückschlag.
Anfang vom Ende: 145 Sekunden nach seiner Einwechslung erhält der 21-jährige Kevin Mbabu in Nikosia nach einem üblen Foul die Rote Karte. Auswärts erleidet YB danach einmal mehr einen Rückschlag.
Keystone

Seit Uli Forte vorvergangenen August die Young Boys verlassen musste, ist der Trainer als Nothelfer mit dem FC Zürich zwar abgestiegen, er hat aber den Schweizer Cup gewonnen. Und der FCZ überrascht derzeit in der Europa League mit fünf Punkten aus vier Partien. Die Berner wissen derweil auch ein Jahr nach Forte noch immer nicht recht, wo sie stehen.

Mal begeistert YB, mal frustriert es. Mal spielt es im eigenen Stadion dominant wie zu den euphorischen Zeiten mit Vladimir Petkovic und Seydou Doumbia. Dann lässt es einen harm­losen Auftritt vorgestern in Nikosia folgen. Und so kommt YB nur schleppend voran. Obwohl es unter Trainer Adi Hütter Fortschritte erzielt hat.

Elf Spieler, aber zwei Teams

Es ist spät am Donnerstagabend in Nikosia. Eine halbe Stunde zuvor erlitt YB mal wieder einen Rückschlag: Nach dem 0:1 bei Apoel ist das Weiterkommen in der Europa League in sehr weite Ferne gerückt. Adi Hütter steht in der Mixed Zone des GSP-Sta­dions. Er ist unzufrieden, aber gefasst. Er meint, der Erfolg des Gegners sei nicht unverdient. Der Coach bemängelt, dass sich seine Equipe nach guter Anfangsphase in hitziger Atmosphäre den Schneid hatte abkaufen lassen. Und der Österreicher sagt: «Wir waren fussballerisch nicht gut ­genug.»

Zuvor hatten sich die Young Boys gerade einmal eine gefähr­liche Gelegenheit erspielen können, nach sechs Minuten, als Goalgetter Guillaume Hoarau mit einem Kopfball aus kurzer Distanz am Torhüter mit dem schönen Namen Boy Waterman gescheitert war.

Natürlich: Apoel ist deutlich stärker einzuschätzen als Vaduz und GC. Natürlich ist es nicht einfach, in hitziger Atmosphäre wie in Nikosia entgegenzuhalten. Natürlich erwies der übermotivierte Kevin Mbabu mit seiner Roten Karte den Kollegen einen Bärendienst. Natürlich hätte das Gegentor wegen Handspiels nicht zählen dürfen. Aber das alles erklärt nicht die frappanten Unterschiede zwischen der Darbietung am Sonntag gegen Vaduz und derjenigen in Nikosia. YB daheim, YB auswärts: Es sind zwei verschiedene Mannschaften mit denselben elf Spielern. Warum ist das so?

In den Jahren unter Petkovic war der Unterschied deutlich geringer gewesen, obwohl dazumal ebenfalls auf Kunstrasen gespielt worden war.

Der Kunstrasen ist die naheliegende Erklärung. Statistiken beweisen, dass die Young Boys, seit die synthetische Unterlage im Juni 2014 erneut verlegt worden war, heimstark sind. Und auswärtsschwach. Aber: In den Jahren unter Petkovic war der Unterschied deutlich geringer gewesen, obwohl dazumal ebenfalls auf Kunstrasen gespielt worden war. Und in der vergangenen Rückrunde holten die Berner auswärts 19 von 27 Punkten. Es ist also auch mit dieser Equipe möglich, auf Rasen zu überzeugen.

Bei den Young Boys geht es ­derzeit vielmehr um dieses «Wir waren fussballerisch nicht gut ­genug». Das YB, das zu vier Heimsiegen mit 17:1-Toren kommen kann, vermag in der Fremde zu enttäuschen. Weil es sein Spiel nicht auf den Rasen bringt. «Wir liessen den Ball zu wenig schnell zirkulieren», meint Hütter nach der Partie in Nikosia. Und Yvon Mvogo merkt an, dass YB auswärts nicht gleich agieren könne wie daheim. «Wir müssen uns ­anpassen.»

In Luzern erneut auf Rasen

«Der Kunstrasen ist ein Faktor», hatte Sportchef Christoph Spycher vor dem Spiel in Zypern ­gesagt. Das wird die synthetische Unterlage bleiben. Die Frage ist: Wird es den Young Boys auf fremdem Terrain künftig gelingen, den Faktor klein zu halten? Wollen sie nicht regelmässig einen Rückschlag erleiden, muss es.

Am Sonntag (16 Uhr) tritt YB beim FC Luzern an, erneut auf Rasen. Ihren letzten Auswärtssieg in der Super League feierten die Berner vor über drei Mo­naten, am ersten Spieltag in St. Gallen.

Verfolgen Sie die Partie im Liveticker auf unserer Website (Sonntag, ab 15.45 Uhr).

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