Fredy Bickels ewige Liebe zu Paris

Fredy Bickel besucht seit 1983 jedes Jahr mindestens einmal Paris. Der YB-Sportchef ist riesengrosser Edith-Piaf-Fan. Und er ist ein Musikkenner mit vielfältiger Geschmacksausrichtung.

18 Jahre ist Fredy Bickel alt, als er 1983 erstmals Paris besucht. Es ist – nun, ja – Liebe auf den ersten Blick, seither weilt Bickel mindestens einmal pro Jahr in der französischen Metropole. «Paris ist jedes Mal wieder faszinierend», schwärmt Bickel, «es hat so viele traumhafte Plätze, Strassen, Bistros, da wird es nie langweilig.»

Seit den Anschlägen in der französischen Hauptstadt im November war Bickel zweimal hier, und es sei ruhiger geworden, aber Paris lasse sich nicht unterkriegen. «Diese Stadt strahlt enorm viel Energie aus», sagt der YB-Sportchef, «die Leute haben einfach eine gute Ausstrahlung.»

Der Edith-Piaf-Tag

Und es gibt noch einen zweiten Grund, warum Bickel Jahr für Jahr ein paar Tage in Paris weilt. Er ist weiblich, ist auch 53 Jahre nach dem Tod weltbekannt und trägt den Namen Edith Piaf. Bickel ist riesengrosser Fan der grossen kleinen (147 Zentimeter) Französin, die mit ihren Chansons über die Tragödien ihres Lebens zur bekanntesten Sängerin ihrer Zeit aufstieg. «Ich bin beeindruckt, wie Piaf mit ihren Krisen umging und versuchte, sie selber zu bleiben», sagt Bickel.

Paris-Fan Fredy Bickel umarmt eine Statue von Edith Piaf. Bild: Fredy Wettstein

Edith Piaf lebte auf der Überholspur, exzessiv und mit vielen Affären, sie überlebte mehrere Autounfälle, war durch Schmerzmittel, Alkoholkonsum und Drogen gesundheitlich früh angeschlagen, ehe der Superstar 1963 mit 47 Jahren an Krebs starb.

Bickel legt aus Tradition jedes Jahr einen Piaf-Tag ein. Er besucht die Gegend, wo Piaf aufwuchs, geht zur Wohnung, in der sie lange lebte, auf den Friedhof und natürlich zum Edith-Piaf-Platz mit der Statue der Sängerin.

Bickel mag die Musik Piafs, nutzt aber die Gelegenheit, um ein Vorurteil über seine Person zu widerlegen. «Ich werde musikalisch oft auf meine Schlagerbegeisterung reduziert», sagt er schmunzelnd, «aber das stimmt so nicht. Ich bin ein grosser Musikanhänger, ich mag auch Bruce Springsteen oder Bob Dylan oder Kevin Johnson, damit ich einen erwähnt habe, den Sie nicht kennen.»

Gewichtsprobleme in Genf

Kevin Johnson ist ein 72-jähriger Australier, dem Bickel mal eine Mail schrieb, weil dessen CD in Europa nicht erhältlich waren. «Ein paar Wochen später erhielt ich ein Paket mit 15 CD aus Australien», sagt Bickel. Und dann erzählt er, wie seine Begeisterung für Piaf begann.

«Als 16-Jähriger schickten mich meine Eltern ein halbes Jahr nach Genf zum Französischlernen, ich musste in einer Confiserie arbeiten und nahm über 10 Kilo zu.» Im Radio liefen immer Piaf-Songs, selbst die Jungen schwiegen und hörten zu. «Man erklärte mir, wer Piaf ist», sagt Bickel, «und ich kaufte mir sofort eine Biografie von ihr, las sie in zwei Tagen durch und verlor irgendwie mein Herz an sie.»

Fredy Bickel singt, Ohrenzeugen bestätigen das, auch ganz gut («ich singe vor allem gern») und kennt viele Texte auswendig. «Ich war in der Innerschweiz mal Radiomoderator und präsentierte immer zwischen 10 und 12 Uhr das Wunschkonzert. Damals lernte ich viele Lieder kennen.»

Knapp eine Woche war Bickel in Paris, er besuchte die Schweizer Spiele gegen Albanien (in Lens) und gestern gegen Rumänien, heute fährt er – sofern es die TGV-Streiks erlauben – zurück nach Bern, um 15 Uhr ist YB-Trainingsstart. Er reagierte nicht unglücklich, als Trainer Adi Hütter die erste Einheit auf den Nachmittag des 16. Juni setzte.

So konnte Bickel nicht nur ein paar EM-Tage im geliebten Paris verbringen, sondern auch noch den zweiten Schweizer Auftritt verfolgen. Er tippt übrigens auf Spanien als Europameister – und wird spätestens 2017 wieder nach Paris reisen.

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