«Ich leide mit dem FCZ, insbesondere mit Ancillo Canepa»

Schlittert Tabellenschlusslicht FCZ heute Abend im Cup bei YB noch tiefer in die Krise? Die Stimmen zum Klassiker.

YB-Sportchef Fredy Bickel und FCZ-Präsident Ancillo Canepa waren während Jahren ein erfolgreiches Duo.

YB-Sportchef Fredy Bickel und FCZ-Präsident Ancillo Canepa waren während Jahren ein erfolgreiches Duo.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Die Berner Young Boys können den Meistertitel nach der 0:1-Niederlage gegen Leader Basel wohl abhaken. «Heute und jetzt wäre es tatsächlich vermessen, noch über den Titel zu reden», sagt YB-Sportchef Fredy Bickel. Deshalb sei das heutige Cupspiel gegen den FC Zürich enorm wichtig. «Unsere Zielvorgaben zu Saisonbeginn waren jene, dass wir zumindest um einen Titel mitspielen wollen. Und deshalb müssen wir auch die Achtelfinals im Cup erreichen, weil die Meisterschaft, wie gesagt, zurzeit keine Diskussion sein kann.»

Die Niederlage in Basel sei jedoch sehr unglücklich zustande gekommen. «Die Mannschaft wurde für eine gute Leistung schlecht belohnt. Und das ist für die Spieler nur schwer zu akzeptieren», sagt Bickel. Er hoffe, dass sie sich bis zum heutigen Spiel gegen den FCZ davon erholten.

«Sein Herzblut für den FCZ wird nicht belohnt»

Noch schwieriger sei die Situation zurzeit hingegen für den FCZ. «Der Club hat sich vor der Saison ähnliche Ziele gesteckt wie wir. Dem FCZ, der eine schwere Saison hat und zurzeit auf dem letzten Tabellenrang steht, bleibt wohl nur noch der Cup.» Deshalb werde die Mannschaft alle Kräfte bündeln und mobilisieren, um wenigstens in diesem Geschäft zu bleiben.

Wenn der ehemalige Sportchef des FCZ über die momentane Situation seines einstigen Arbeitgebers spricht, dann blendet er sofort auf eine erfolgreiche Zeit im Letzigrund zurück. «Das war eine fantastische und auch erfolgreiche Ära. Ich habe noch Kontakte und leide ich mit diesen Menschen, wenn es ihnen im Verein nicht gut geht. Insbesondere auch mit Präsident Ancillo Canepa. Er bringt so viel Herzblut für seinen Club auf und wird dafür nicht belohnt, weil auch Pech in den Spielen dabei ist», bedauert Bickel.

«Ob ihm das gelingt, ist eher fraglich»

Der FCZ habe nun schon zum dritten Mal in der 93. Minute den Ausgleich hinnehmen müssen und habe zuletzt gegen St. Gallen einmal den Pfosten und einmal die Latte getroffen. «Zwischen der 20. und 80. Minute hat die Mannschaft von Sami Hyppiä sogar sehr gut gespielt. Wir sind gewarnt.»

Für Bickel hat das heutige Spiel für beide Teams wegweisenden Charakter. «Der Sieger kann schon für das nächste Duell der beiden Clubs am Sonntag erneut in Bern unglaubliche Moral tanken. Der Verlierer muss bis dahin eine herbe Enttäuschung verarbeiten. Ob ihm das gelingt, ist eher fraglich.»

«Im Cup sind wir ja noch ungeschlagen»

FCZ-Trainer Sami Hyypiä, der mit seiner Mannschaft in der Meisterschaft noch keinen Sieg erringen konnte und nach drei Unentschieden und zwei Niederlagen auf dem letzten Tabellenrang der Super League dümpelt, packte an der Pressekonferenz zum Spiel gegen YB seinen trockenen finnischen Humor aus: «Im Cup sind wir ja noch ungeschlagen.» Stimmt: Unter Hyypiä holte der FCZ zuletzt einen glücklichen 1:0-Sieg beim Challenge-League-Vertreter FC Wohlen.

Dann wurde der finnische Coach doch noch etwas ernsthafter und sprach von einer schwierigen Aufgabe in Bern. «YB ist eine gute Mannschaft, und es wird eine schwierige Partie werden. Allerdings müssen wir uns keinen Extradruck für dieses Spiel auferlegen. Zwar bietet sich uns im Cup vielleicht die einzige Chance, um diese Saison einen Titel zu gewinnen und um europäisch zu spielen, jedoch brauchen wir keine Angst zu haben und können mutig auf den Platz gehen.»

Hyypiä lobte auch die FCZ-Fans für ihre grossartige Unterstützung in allen Spielen und strich insbesondere ihre lautstarken Anfeuerungen gegen Thun und St. Gallen heraus. «Ich hoffe, wir können unseren Supportern in Bern etwas zurückgeben und ihnen einen Grund zum Jubeln geben.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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