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Moreno Costanzo: Feingeist mit edler Technik

Mit Moreno Costanzo hat der FC Thun einen Akteur verpflichtet, der mit seiner Übersicht auch die Mitspieler besser machen kann.

Nach einer nicht immer einfachen Zeit erhält Moreno Costanzo beim FC Thun die Plattform, seine Fähigkeiten zu zeigen.
Nach einer nicht immer einfachen Zeit erhält Moreno Costanzo beim FC Thun die Plattform, seine Fähigkeiten zu zeigen.
Christian Pfander

Am Ende der Trainingseinheit stellt Moreno Costanzo seine Fertigkeiten zur Schau. Während die meisten Thuner Akteure auf der Massagebank liegen oder unter der Dusche stehen, feilt der 29-Jährige zusammen mit Teamkamerad Nicola Sutter am Passspiel. Um die 40 Meter weit fliegen die Bälle wie an der Schnur gezogen durch die Luft. Punktgenau. Von Mann zu Mann.

Dabei beeindruckt weniger die Präzision – die darf von Professionals erwartet werden. Die Eleganz und die Geschmeidigkeit in Costanzos Bewegungen imponieren, das lockere Fussgelenk und die unangestrengte Leichtigkeit, mit der er die Kugel auf die Reise schickt. Der siebenfache Nationalspieler ist ein fussballerischer Feingeist, ein Edeltechniker, dem der Ball gehorcht wie ein perfekt erzogener Hund seinem Frauchen.

Zurück ins Rampenlicht

«Die ersten Eindrücke haben mein Bild bestätigt, das ich vom Klub hatte. Es geht bodenständig zu und her, und man weiss genau, was man will. Ich fühlte mich auf Anhieb wohl in Thun», sagt Costanzo. Vor zwei Wochen löste der Ostschweizer seinen Kontrakt beim FC Vaduz auf. Kurzerhand fädelte sein Berater Gespräche mit den Thuner Verantwortlichen ein, einige Tage später unterschrieb Costanzo im Oberland ein Arbeitspapier, das ihn für zwei Jahre an den Verein binden wird. Ein Transfer, der Sinn ergibt – für beide Parteien.

Costanzo, zu Beginn seiner Karriere mit Vorschusslorbeeren überschüttet und von den Medien als Megatalent gehypt, blickt auf sportlich durchzogene letzte Jahre zurück. Anfang 2015 wechselte er von YB leihweise zu Aarau – «dieser Transfer war ein Fehler» –, ein halbes Jahr später schloss er sich dem FC Vaduz an, mit dem er in der letzten Saison jedoch in die Challenge League abstieg.

In Thun hat er die Möglichkeit, sich wieder ins Rampenlicht zu manövrieren, seine Fähigkeiten zu zelebrieren und so den einen oder anderen Kritiker, der findet, der Techniker hätte viel zu wenig aus seinen Möglichkeiten gemacht, doch noch von seinen Stärken zu überzeugen. Gleichzeitig bieten sich Thun-Coach Marc Schneider mit dem Zuzug des Mittelfeldakteurs mehr Varianten in der Spielgestaltung.

Ein Akteur mit Costanzos kreativen Fähigkeiten, freie Räume zu erkennen und die Bälle präzis in diese Lücken zu verteilen, hat dem FC Thun, bei dem viel über das Kollektiv läuft, in dieser ausgeprägten Form gefehlt. Auch seine Stärken bei Standards und Weitschüssen tun jeder Mannschaft gut. Zudem könnte dem als sensibel geltenden Costanzo der Umstand, dass der Druck in Thun weniger hoch ist als etwa bei YB, zupass kommen.

«Eine gewisse Erwartungshaltung, die erfüllt werden sollte, ist in jedem Verein vorhanden. Das ist in Thun nicht anders», sagt Costanzo. Nach 10 Jahren als Fussballprofi wisse er aber, wie der Hase läuft, erklärt der Familienvater, der mit seiner Frau eine passende Bleibe in der Region sucht. «Selbst ein Star wie Thomas Müller, der mit Bayern und Deutschland alles erreicht hat, sieht sich immer wieder Kritik ausgesetzt. So ist das im Fussballgeschäft», sagt Costanzo.

Schneiders klare Ansprache

Costanzos Eindruck vom Team ist «gut», explizit lobt er die klare Ansprache von Coach Marc Schneider, der genaue Vorstellungen davon habe, was er von den Spielern verlange. Weil er seinen letzten Ernstkampf mit Vaduz im April bestritten hat, gehe es für ihn darum, möglichst schnell in den Rhythmus zu kommen. «Und dann hoffe ich – auf welcher Position auch immer –, dass ich dem Team helfen kann.»

Spätestens wenn Costanzo in einem Ernstkampf einen Traumpass aus dem Fussgelenk zaubern wird, könnte auch die Konkurrenz bemerken: Dieser Mann hat das Zeug, Thun unberechenbarer zu machen.

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