FC Thun: Neun Argumente für neuen Job

Die Oberländer überwintern auf dem achten Platz. Sportchef Andres Gerber ist von der Mannschaft überzeugt. Und er kann sich einen Abgang von Simone Rapp vorstellen.

Viel Grund zum Jubeln: Simone Rapp blickt auf die beste Vorrunde seiner Karriere zurück.

Viel Grund zum Jubeln: Simone Rapp blickt auf die beste Vorrunde seiner Karriere zurück.

(Bild: Keystone)

Dominic Wuillemin

In einer der 19 Partien bis zur Winterpause haben zwei Spieler des FC Thun von dieser Zeitung die Höchstnote 6 erhalten: Matteo Tosetti für seine Darbietung Anfang August in Bern, als er beim 4:0 gegen YB 3 Treffer vorbereitete. Und Simone Rapp Ende Oktober beim 3:1-Sieg in Lausanne, bei dem er innert dreissig Minuten einen Hattrick erzielte. Tosetti ist der beste Vorlagen­geber der Super League. Dies, obwohl er verletzungsbedingt 5 Partien verpasste und seine Kraft zuletzt nur für zwei Kurzeinsätze genügte. Derweil führt Rapp gemeinsam mit YB-Stürmer Jean-Pierre Nsame die Torjägerliste an. Die Tessiner waren die Erfolgsgaranten der Vorrunde. Die 25-Jährigen kennen sich ihr halbes Leben, sie harmonieren auf wie neben dem Platz.

Fassnacht als Massstab

Doch nun droht dem Tabellenachten der Abgang einer Hälfte des Vorzeigeduos. In Thun rechnen sie damit, dass Simone Rapp in der Winterpause wechseln wird. Sein Berater, der dreifache Super-League-Torschützenkönig Christian Gimenez, bietet den gross gewachsenen Angreifer bei etlichen Klubs an. «Natürlich steht Simone bei anderen Vereinen hoch im Kurs», sagt Andres Gerber. Der FCT-Sportchef findet, Rapp sei bereit für den nächsten Schritt, nennt ihn eine Persönlichkeit. «Wir haben aber noch kein Angebot erhalten. Klar ist: Wir lassen ihn nur bei einer sehr guten Offerte ziehen.» Den Thunern dürfte eine Ablösesumme ähnlich der von Christian Fassnacht vorschweben. Der Flügel hatte letzten Sommer für einen tiefen siebenstelligen Betrag zu YB gewechselt.

Munsy als Beispiel

Es kann erstaunen, erwägen die Oberländer den Abgang ihres stärksten Stürmers. Zumal sie es am Samstag beim 0:2 gegen Lugano verpassten, Distanz zum Tabellenende zu schaffen. Nach 19 von 36 Runden sind einzig Luzern und Sion hinter dem FCT platziert, zwei Klubs, die über deutlich grössere Mittel verfügen. «Wir sind uns unserer Lage sehr wohl bewusst», sagt Gerber. «Aber wir sind auch von der Mannschaft überzeugt. Wir haben Luft nach oben.»

Sollte Rapp tatsächlich wechseln, würde der FC Thun nicht zwingend einen Ersatz verpflichten, sagt Gerber. Mit Dejan Sorgic, Nicolas Hunziker und Marvin Spielmann, der künftig wieder vermehrt ganz vorne agieren soll, stehen drei Stürmer zur Ver­fügung. Spielmann baute nach überragendem Saisonstart leicht ab, er kann mit seinen Leistungen in der Vorrunde insgesamt zufrieden sein. Und Hunziker traut Gerber zu, im Falle eines Wechsels von Rapp einen Schritt nach vorne zu machen. Der Sportchef erwähnt den Verkauf von Tor­jäger Ridge Munsy im Sommer 2015 zu GC, der nicht weiter ins Gewicht fiel.

Hunziker als Hoffnung

Dejan Sorgic allerdings blickt auf eine enttäuschende Vorrunde zurück. Nachdem er letzte Saison in der Super League 15 Treffer erzielt hatte, kam er heuer erst auf 2. Er wurde während der Vorrunde immer wieder von kleinen Beschwerden gebremst. Derweil konnte Hunziker die Erwartungen – auch verletzungsbedingt – nicht erfüllen. Von allen Akteuren weist der 21-Jährige den tiefsten Notenschnitt auf. «Wir hegen weiterhin grosse Hoffnungen in ihn», sagt Gerber über Hunziker. Über Steigerungspotenzial verfügen auch die Innenverteidiger Nicolas Bürgy und Roy Gelmi, der zuletzt eine Aufwärtstendenz erkennen liess, sowie der linke Verteidiger Mickaël Facchinetti und Mittelfeldakteur Moreno Costanzo.

Wölfli kein Thema

Auch Francesco Ruberto würde seine Sache gerne besser machen. Die Frage ist, ob er Gelegenheit dazu erhält. Trainer Marc Schneider kündigte an, den Kampf um die Nummer 1 neu zu lancieren. Der zuletzt angeschlagene Guillaume Faivre dürfte beim Trainingsstart am 4. Januar wieder mittun können. Sollten sich in der Vorbereitung auf der Goalieposition Probleme ergeben, erwägt Gerber nachzubessern, sofern sich eine Gelegenheit ergeben würde. Eine Verpflichtung von YB-Ersatztorhüter Marco Wölfli schliesst der Sportchef aus.

Berner Zeitung

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