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Thuns Erlösung in letzter Sekunde

Der FC Thun bezwingt den FC Sion dank eines Treffers in der Nachspielzeit von Simone Rapp 2:1. Die ­Erleichterung im Oberländer Lager ist enorm gross.

Kopfball ins Glück:?Simone Rapp trifft mit der letzten Aktion des Spiels zum 2:1 für Thun.
Kopfball ins Glück:?Simone Rapp trifft mit der letzten Aktion des Spiels zum 2:1 für Thun.
Patric Spahni
Stefan Glarner kämpft gegen Carlitos um den Ball.
Stefan Glarner kämpft gegen Carlitos um den Ball.
Keystone
Dennis Hediger gerät in Rücklage.
Dennis Hediger gerät in Rücklage.
Keystone
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An der Miene Christian Constantins lässt sich jeweils ziemlich gut ablesen, ob der FC Sion gerade gewonnen oder verloren hat. In Thun ist sie am Sonntag finster, sehr finster. Als er in den Katakomben der Stockhorn-Arena in die Mikrofone murmelt, spricht der Sion-Präsident von einer «desaströsen Leistung» und davon, dass die Mannschaft physisch nicht bereit gewesen sei. Bereit dafür, wovon Simone Rapp wenige Meter daneben immer wieder erzählen darf. Der Tessiner wurde nämlich mit einem Kopfballtor in der 94. Minute zum gefeierten Mann.

Keine Augen für Vaduz

Matteo Tosetti schlug einen Eckball zur Mitte und fand Rapp, der mit einem wuchtigen Kopfball das zweite Tor für den FC Thun erzielte. Es war der sechste Saisontreffer des 24-Jährigen, doch keiner dürfte wichtiger gewesen sein als dieser. Nach dem Sieg des FC Vaduz bei Lausanne war der Vorsprung der Thuner auf den Relegationsplatz zwischenzeitlich auf vier Punkte geschrumpft. Ohne Rapps Effort in letzter Sekunde wäre die Lage für die Thuner im Abstiegskampf ungemütlicher geworden. «Ich habe nie jemanden über den Sieg von Vaduz sprechen hören», sagte Marco Bürki, der nach einer Fussverletzung, die ihn für mehrere Wochen ausser Gefecht gesetzt hatte, wieder an der Seite der zweiten YB-Leihgabe Nicolas Bürgy das Innenverteidigerduo bildete. «Das hat uns überhaupt nicht beunruhigt.»

«Jetzt haben wir etwas Luft»

Es ist ein Satz, wie ihn Fussballer oft von sich geben, schliesslich wollen sie der Konkurrenz gegenüber keine Schwächen offenbaren. Wie gross die Erleichterung in den Reihen der Thuner trotzdem gewesen sein dürfte, zeigt deren Reaktion nach Rapps Treffer. Mitspieler und Staffmitglieder rannten nur Sekunden später, als Schiedsrichter Sascha Amhof die Partie beendet hatte, aufs Feld und formten um den Siegtorschützen eine Menschentraube der Freude. «Dieses Tor war sehr wichtig», sagte Norman Peyretti. «Jetzt haben wir etwas Luft.» Der Franzose agierte vorab in der ersten Halbzeit auffällig, und er hatte massgeblichen Anteil daran, dass die Thuner nach zurückhaltendem, zögerlichem Start in die Partie fanden.

Chadrac Akolo hatte die Gäste nach 10 Minuten in Führung gebracht, als er einen Abpraller von Guillaume Faivre verwerten konnte. Es war ein Weckruf für die Thuner, die in der Folge immer mehr das Spieldiktat übernahmen. Dejan Sorgic wurde vom agilen Stefan Glarner eingesetzt und kam völlig frei stehend zum Abschluss. Der Versuch des Zugers konnte Anton Mitrjuschkin im Tor der Sittener indes nicht beunruhigen (18.).

Fehlende Genauigkeit

Nach einer halben Stunde schnappte sich Peyretti nach einem Stellungsfehler von Dame N’Doye den Ball und rannte auf der rechten Seite der Linie entlang. Sorgic verpasste zwar seine scharfe Hereingabe, Sion-Verteidiger Nicolas Lüchinger platzierte den Ball aber in bester Stürmermanier im eigenen Gehäuse. Lüchingers Qualitäten als Torschütze hätten die in speziellen, schwarzen «Härzbluet»-Trikots angetretenen Thuner danach noch einige Male gerne in Anspruch genommen, denn im Abschluss agierten sie oftmals unglücklich.

Die Thuner kombinierten und probierten und stellten die passiven, auf Konter lauernden Walliser immer wieder vor Probleme. In der letzten halben Stunde flogen die Flankenbälle im Minutentakt in den Sion-Strafraum. Es mangelte aber meist an Genauigkeit. Bis zu Tosettis Massflanke in der Nachspielzeit.

Trainer Mauro Lustrinelli lobte den Einsatz seiner Spieler, die viel gerannt seien, immer an den Sieg geglaubt und sich äusserst solidarisch gezeigt hätten. «Wir haben unsere Leistung gekrönt», sagte er. Dank der Niederlage St. Gallens gegen YB haben die Thuner nicht nur den Abstand auf das Letztplatzierte Vaduz halten können, sondern sie rückten gar auf den siebten Platz vor.

Als Simone Rapp in die Kabine verschwunden ist, steht Sion-Verteidiger Elsad Zverotic vor den Mikrofonen und sagt, man müsse jetzt nicht alles schlechtreden. «Wir stehen immer noch auf Rang 3.» Hätte Christian Constantin dieses Votum gehört – die Miene des Sion-Präsidenten hätte sich wohl noch weiter verfinstert.

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