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Thuner Partyzone

Der FC Thun hat in St. Gallen 2:1 gewonnen. Die Erleichterung nach zuletzt drei Niederlagen in Folge ist beim Team und beim Trainer spürbar. Der Abstand auf den Abstiegsplatz vergrössert sich auf ­sieben Punkte.

Eiskalt: Nicolas Bürgy verwertet den Penalty zum 1:0.
Eiskalt: Nicolas Bürgy verwertet den Penalty zum 1:0.
Keystone
Viel Frust nach Spielschluss bei den Spielern des FC St. Gallen.
Viel Frust nach Spielschluss bei den Spielern des FC St. Gallen.
Keystone
Der St. Galler Captain Nzuzi Toko, links, im Kampf um den Ball gegen die Thuner Stefan Glarner, Mitte, und Matteo Tosetti, rechts.
Der St. Galler Captain Nzuzi Toko, links, im Kampf um den Ball gegen die Thuner Stefan Glarner, Mitte, und Matteo Tosetti, rechts.
Keystone
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Mit einem breiten Grinsen schritt Thun-Coach Mauro Lustrinelli nach Spielschluss durch die Katakomben des St. Galler Kybunparks. Erst umarmte er auf dem Weg in die Kabine innig eine Mitarbeiterin des Staff, ehe er mit einem lauten Schrei seine Anspannung abzubauen versuchte.

Seine Spieler taten es ihm gleich, einer nach dem an­deren schlenderte fröhlich durch den Kabinentrakt, jauchzte, schrie, ballte die Fäuste oder verformte den Mund zu einem seligen Lachen. Nach zuletzt drei Niederlagen in Serie hatten die Thuner Fussballer wohl einigen Druck verspürt, der verdiente 2:1-Erfolg in St. Gallen sorgte für eine spürbare Erleichterung.

«Ja, dieser Sieg tut richtig gut», sagte Captain Dennis Hediger. «Nach zuletzt unnötigen Niederlagen konnten wir uns endlich wieder einmal mit einem Erfolg belohnen.»

Ein Pfeifkonzert

Schon in der ersten Halbzeit hatte der FC Thun den Rhythmus der Partie nachhaltig bestimmt. So augenfällig, dass das kritische St. Galler Publikum nach rund 30 Minuten erstmals hörbar die Geduld verlor. Erste Pfiffe zischten durch das schmucke Stadion, einige ältere Semester auf der Haupttribüne fluchten und reklamierten mit jener Leidenschaft, die den St. Galler Akteuren auf dem Platz gänzlich fehlte.

Als der Schiedsrichter zur Pause bat, wurde aus ein paar Pfiffen ein gellendes Konzert. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Gäste aus dem Berner Oberland deutlich besser in der Partie waren als die uninspiriert und lustlos wirkenden Ostschweizer. Sie waren besser organisiert, investierten mehr in einen sauberen Spielaufbau als die biederen St. Galler, die in 9 von 10 Fällen das altbackene Stilmittel wählten, den Ball beinahe blind nach vorne zu dreschen.

Aus Berner Oberländer Sicht fehlte vorerst nur der Lohn für den guten Auftritt. Thuns grosses Talent im Mittelfeld, Sandro Lauper, sah seinen mit viel Effet getretenen Freistoss von St.-Gallen-Goalie Daniel Lopar in den Corner abgelenkt (39.), Dejan Sorgic scheiterte kurz vor der Pause ebenfalls am besten Ostschweizer Akteur Lopar und am Pfosten. «In der Pause merkten wir, dass St. Gallen einige Probleme hat, deshalb wollten wir den Sieg unbedingt holen», erklärte Stürmer Sorgic.

Matchwinner Sorgic

Entsprechend entschlossen gingen die Thuner unmittelbar nach der Pause zu Werke, wobei sie auch taktisch eine kleine ­Retusche anbrachten. Aus dem 2-Mann-Sturm liess sich nun regelmässig Sorgic oder Norman Peyretti, der seit langem mal wieder den Vorzug vor Simone Rapp bekommen hatte, fallen, um etwas mehr Raum zu erhalten. Eine Umstellung, die sich prompt auszahlte.

Nach einem weiten Einwurf nutzte Sorgic den freien Raum, dribbelte in den Strafraum, wo er vom ehemaligen Arsenal-Spieler Martin An­gha stümperhaft zu Boden ge­rissen wurde.

Thun-Verteidiger ­Nicolas Bürgy verwandelte den fälligen Elfmeter sicher zur 1:0-Führung. Keine zwei Minuten später lenkte Sorgic einen Eckball zum 2:0 für Thun ab. Dass es hernach nochmals «unnötig spannend» wurde, wie Captain Hediger treffend formulierte, war aus Thuner Sicht nervenaufreibend, aber in der Phase, in der sich der FCT befindet, irgendwie auch menschlich. Yannis Tafer hatte für die Ostschweizer auf 1:2 verkürzt (63.), weil Thun-Goalie Guillaume Faivre einen Schuss nach vorne abprallen liess.

Danach witterten die St. Galler nochmals ihre Chance, aus einem ganz schwachen Auftritt doch noch Kapital zu schlagen. Thun verteidigte indes mit viel Herz, zudem waren die Mittel der St. Galler derart beschränkt und stereotyp, dass Thun die wichtigen Punkte am Ende ins Trockene brachte.

Und so jubelten Spieler und Verantwortliche am Schluss so ausgelassen wie schon lange nicht mehr, funktionierten den Kabinentrakt in St. Gallen dabei temporär zur Thuner Partyzone um.

Telegramm: St. Gallen - Thun 1:2 (0:0) 11'109 Zuschauer. - SR Schärer. - Tore: 50. Bürgy (Foulpenalty/Angha an Sorgic) 0:1. 52. Sorgic (Corner Facchinetti) 0:2. 63. Tafer 1:2. St. Gallen: Lopar; Hefti, Haggui, Angha; Aratore, Gelmi (60. Tafer), Toko, Wittwer; Barnetta (60. Salihovic); Buess (74. Babic), Ajeti. Thun: Faivre; Glarner, Bürgy, Schindelholz (79. Reinmann), Facchinetti; Tosetti, Hediger, Lauper, Peyretti (68. Spielmann); Sorgic, Fassnacht (87. Rapp). Bemerkungen: St. Gallen komplett, Thun ohne Bigler, Bürki, Ferreira (alle verletzt) und Schirinzi (gesperrt). 45. Lopar lenkt Schuss von Sorgic an den Pfosten. Verwarnungen: 38. Haggui (Foul/im nächsten Spiel gesperrt). 49. Angha (Foul). 84. Fassnacht (Unsportlichkeit).

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