FC Thun: Wie verhext

Thun kommt gegen Lugano nicht über ein 1:1 hinaus. Trainer Marc Schneider hadert mit der Chancenauswertung. Captain Dennis Hediger fehlte die Ruhe am Ball.

  • loading indicator
Simon Scheidegger@theSimon_S

Markus Lüthi zuckt mit den Schultern und verzieht den Mund zu einem Lächeln. Es ist Halbzeit in der Partie zwischen Thun und Lugano, und eigentlich gefällt dem Präsidenten der Thuner, was er gesehen hat: 45 Minuten, in denen seine Mannschaft spielbestimmend agierte, bereits nach 2 Minuten hätte in Führung gehen können und defensiv wenig zuliess.

Einziges Manko: «Es steht halt immer noch 0:0.»Kurz nach Wiederbeginn ändert sich das zwar, doch Lüthis Gefühlslage dürfte sich darob kaum gebessert haben. Nach einem Eckball herrscht in der Thuner Hintermannschaft nämlich kollektive Unordnung. Marvin Spielmann und Chris Kablan verpassen den Ball, und Fabio ­Daprela schiesst die Tessiner kaltblütig in Führung.

Die Thuner, vor der Partie zum vierten Mal in den letzten sechs Jahren als fairstes Team der Super League ausgezeichnet worden, verhalten sich in dieser Szene nicht nur fair, sondern primär passiv und ungeschickt.

Die schnelle Antwort

Lange hadern sie indes nicht mit ihrem Schicksal, demonstrieren den 5471 Zuschauern in der Stockhorn-Arena vielmehr, wie schnell sie auf einen solchen Rückschlag zu reagieren und das Spielfeld mit wenigen Pässen zu überbrücken wissen.

Nach einer langen Seitenverlagerung von Chris Kablan auf Matteo Tosetti legt der Tessiner in der Thuner Equipe klug ab auf Grégory Karlen, der mit einem überlegten Schuss Lugano-Torwart David Da Costa überwindet. In weniger als 60 Sekunden war der defensive Fauxpas ausgeglichen. «Dass wir so auf das Gegentor reagieren konnten, war sehr wichtig», sagt Marc Schneider.

Der Thuner Trainer sitzt auf dem Podium im Bauch der Arena und ist bei der Analyse bemüht, das Positive hervorzuheben, er sieht in der Folge, dass seine Mannschaft das Spieldiktat noch stärker in die Hand nimmt und dass sie im Gegensatz zur ersten Halbzeit auch regelmässig zu guten Abschlussmöglichkeiten kommt.

Dann etwa, als Basil Stillhart aus 25 Metern abzieht, der Ball sich senkt und an die Latte prallt. Oder dann, als Karlen fast zum Doppeltorschützen avanciert, sein Volleyabschluss aber am Tor vorbeigeht. Oder natürlich dann, als sich dem eingewechselten Dominik Schwizer kurz vor Schluss allein vor Da Costa die Chance auf den Siegtreffer bietet, der 22-Jährige aber am früheren Thuner scheitert.

Die verlorenen Punkte

«Bei so vielen Chancen müssten wir dieses Spiel gewinnen», sagt Captain Dennis Hediger und meint, dass die Thuner im ganzen Spiel die bessere Mannschaft gewesen seien. «Aber in vielen Si­tuationen haben wir es nicht gut zu Ende gespielt.»

Schneider spricht von Überzeugung, die seinen Spielern in der Offensive gefehlt habe – nachdem sie in den letzten beiden Partien zehnmal getroffen hatten. «Wir können mit diesem einen Punkt sicher nicht zufrieden sein», sagt Schneider und spricht von zwei verlorenen Punkten.

Zum sechsten Mal in Serie bleiben die Oberländer somit gegen die Tessiner sieglos, doch Hediger, mit der Gabe ausgestattet, aus negativen Voten immer das Positive zu ziehen, sagt: «Dieses Spiel hätte auch 3:1 ausgehen können, dann spricht niemand mehr von irgendwelchen Statistiken.»

«Dieses Spiel hätte auch 3:1 ausgehen können, dann spricht niemand mehr von irgendwelchen Statistiken.»Dennis Hediger

Auch Schneider ist kein Fan von Zahlenspielereien, hat schon mehrfach betont, dass die einzige für ihn relevante Statistik die Super-League-Tabelle sei, und in dieser ist der FCT auf den vierten Rang vorgerückt.

Doch dem 38-Jährigen ist nicht entgangen, dass seine Equipe schon seit März 2017 und dem spektakulären 5:2 auf einen Sieg gegen Lugano wartet. «Es ist wie verhext», sagt Schneider, bleibt aber zu­versichtlich. Vielleicht auch, weil es bis Ende Oktober dauert, ehe die Thuner der Tessiner Hexe ein nächstes Mal gegenüberstehen.

Telegramm:
Thun - Lugano 1:1 (0:0)
5471 Zuschauer. - SR San. - Tore: 51. Daprelà (Maric) 0:1. 52. Karlen (Tosetti) 1:1. Thun: Faivre; Glarner, Gelmi, Sutter, Kablan; Karlen, Hediger, Stillhart; Tosetti (74. Salanovic), Sorgic (87. Hunziker), Spielmann (81. Schwizer). Lugano: Da Costa; Mihajlovic, Daprelà, Maric, Masciangelo; Vecsei (87. Fazliu), Sabbatini, Brlek (56. Abedini); Crnigoj, Ceesay, Carlinhos (66. Bottani). Bemerkungen: Thun ohne Costanzo, Ferreira, Righetti und Joss (alle verletzt). Lugano ohne Kecskes, Manicone, Muci, Piccinocchi, Sulmoni, Binous, Amuzie und Kryeziu (alle verletzt). 58. Lattenschuss Stillhart. Verwarnungen: 26. Kablan (Foul). 29. Sabbatini (Foul). 33. Carlinhos (Foul). 48. Gelmi (Foul). 74. Bottani (Foul).

Thuner Tagblatt

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt