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Fans akzeptieren erste genehmigte Pyro-Show

Erstmals in der Geschichte des deutschen Profifussballs wurde im Zweitligaspiel zwischen dem HSV und Karlsruhe kontrolliert Pyrotechnik abgebrannt.

dpa/boq
Zum ersten Mal wurde in Deutschland eine Pyro-Aktion genehmigt. (Video: Youtube)

Es flackert vor der Nordkurve, himmelblauer Rauch steigt auf. Die Mahnworte des Stadionsprechers bleiben aus, unter zaghaftem Beifall brennen Fans aus dem Ultra-Lager Pyrotechnik im Volksparkstadion ab. Das Zündeln ist heute gewollt, von ganz oben sogar gebilligt. 3 Minuten vor der Partie zwischen dem Hamburger SV und Karlsruhe (2:0) zünden Ultras zehn Rauchtöpfe. Im Stadion – aber nicht direkt im Zuschauerbereich. Über der Aktion wachen Ordner und Sicherheitskräfte, doch zu Zwischenfällen kommt es nicht.

Die Pyro-Show wurde vom DFB und den Behörden der Stadt genehmigt – erstmals überhaupt im deutschen Fussball. Der HSV hofft dadurch auf eine Besserung in der seit Jahrzehnten bestehenden Pyro-Problematik. Mit Spannung war die Reaktion der Fans erwartet worden.

Die Fans bleiben ruhig

Es hatte Befürchtungen gegeben, die Ultras könnten die Aktion sabotieren und mit eingeschmuggelter Pyrotechnik ihrerseits im Zuschauerblock Feuerwerk abbrennen und damit zum wiederholten Male disziplinarische Massnahmen auslösen. «Es liegt an unseren Fans, was wir daraus machen», hatte HSV-Trainer Dieter Hecking am Vortag an die Ultras appelliert.

Pyrotechnik ist für viele Fussball-Anhänger Teil der Fankultur. Deshalb wollen sie darauf nicht verzichten. Das kontrollierte Abbrennen von Feuerwerk ausserhalb des Zuschauerbereichs könnte ein Kompromiss sein.

Vor der Partie vermeldete die Gruppierung Volksparkwatch: «Wir sind zuversichtlich, dass viele Vereine unserem Ansatz folgen und dem DFB klar zeigen, dass Pyrotechnik Teil deutscher Fankultur ist.»

Bislang müssen Vereine häufig sechsstellige Euro-Strafen bezahlen, weil Fans sich über das Pyro-Verbot hinwegsetzen und Feuerwerk im Zuschauerbereich zünden. Mit der erst vor wenigen Tagen ausgesprochenen Strafe von 190'000 Euro ist Hertha BSC Rekordhalter bei den Bussgeldern für unerlaubten Pyro-Einsatz der Fans.

Andere Profivereine begegnen der Praxis mit Skepsis. So sieht Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann in Pyros gar nicht das Hauptproblem. Vielmehr wollten einige Fans zeigen, dass sie anders, härter, stärker sind, wie er der «Bild»-Zeitung sagte. «Deswegen halte ich diese Debatte für eine Scheindiskussion.» Auch die Gewerkschaft der Polizei nennt die Hoffnung «blauäugig» und «sehr riskant».

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