Facettenreiches Alpenkalb

Frühere Weggefährten erinnern sich an die Zeit von Martin Schmidt im Oberland von 2008 bis 2010.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Am Anfang von Martin Schmidts steilem Aufstieg zum Bundesligatrainer beim FSV Mainz 05 steht ein Tunnel. Mit der Eröffnung der Lötschberg-Basisverbindung 2007 beginnt Beni von Gunten seinen Fokus auf das Wallis zu richten. Der damalige Leiter Nachwuchs beim FC Thun sieht sich nach Partnervereinen und Spielern um – und wird auf einen Trainer aufmerksam. «Da war ein junger Mann, der mich sofort faszinierte», sagt von Gunten, der heute Motivationsseminare leitet.

Als dann beim FC Thun die Stelle des U-21-Coachs frei wird, ist für von Gunten schnell klar, wen er verpflichten will. Dass er einem unbeschriebenen Blatt – Schmidt trainiert damals den Zweitligisten Raron – den Einstieg auf höchster Juniorenstufe ermöglicht, gefällt nicht allen, der Leiter Nachwuchs muss gegen Widerstände ankämpfen, bringt seine Wunschlösung aber durch. Von Gunten nennt Schmidts Ehrlichkeit, Redlichkeit und Bescheidenheit als Gründe für seine unerschütterliche Überzeugung.

Wie ein guter Freund

Als Schmidt schliesslich angestellt wird, ist Andres Gerber Spieler beim FC Thun. Er sieht im Walliser einen coolen Typ. Später als Sportchef bemerkt er, wie viel Herzblut beim U-21-Coach dahintersteckt. Und von Gunten meint: «Wir realisierten rasch: Das kommt gut mit ihm.»

Der Höhepunkt von Schmidts Tätigkeit in Thun ist der Sieg bei einem internationalen Turnier in der Nähe Stuttgarts. Im Final bezwingen die Oberländer Mainz, das vom heutigen Dortmund-Trainer Thomas Tuchel gecoacht wird. «Floskeln oder typische Trainersprüche hat man von ihm nie gehört», sagt Markus Hub­acher, der damals im Final den entscheidenden Elfmeter verwandelt. Der heutige Spieler vom FC Bern erinnert sich an einen Coach mit grossen menschlichen Qualitäten: «Wir konnten mit ihm über alles reden.» Spässchen und Blödeleien seien an der Tagesordnung gewesen. «Und doch hatten wir grossen Respekt vor ihm», sagt Hubacher.

Ähnlich tönt es auch bei Sandro Christen, der beim Turnier in Stuttgart als bester Akteur ausgezeichnet wird. Schmidt sei wie ein Freund gewesen, der immer darauf geachtet habe, dass es allen gut gehe. «Hat einer die Schuhe vergessen, hat er seine ausgezogen. Er stand dann in den Stulpen an der Linie», erinnert sich der Spieler von Münsingen, der gelegentlich mit Schmidt in Kontakt steht. Auch Gerber und von Gunten tauschen sich ab und zu mit dem Coach aus. «Ich staune, wie er alles unter einen Hut bringt. Aber so ist er. Er will es allen recht machen», sagt Gerber.

Der Thun-Sportchef beschreibt Schmidt als facettenreichen Menschen. «Er könnte jetzt schon ein Buch über sein Leben schreiben.» Gerber ist überzeugt, dass es Schmidt weit bringen kann. Er hält es aber für möglich, dass Schmidt dereinst wieder Trainer in Thun sein wird. «Er macht es nicht für den Erfolg oder das Geld», sagt Gerber. «Er mag es gemütlich, er ist ein Alpenkalb.» Auch Förderer von Gunten befindet, der Walliser sei kein Karrierist. Er hält die Rückkehr ins Oberland auch für eine Option.

Seiner Heimat wäre Martin Schmidt dann – dank dem Lötschbergtunnel – wieder ganz nahe. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.12.2015, 08:37 Uhr

Artikel zum Thema

«Habe immer mehr Träume, als dir die Realität zerstören kann»

Vom Automechanikerlehrling im Wallis zum Bundesligatrainer in Mainz: Martin Schmidt spricht über seinen spektakulären Aufstieg und seine interessante Biografie. Und er erklärt, warum es ihm trotz allem Trubel gelingt, ein normales Leben zu führen. Mehr...

FC Thun-Noten: Erfolgreicher Edeljoker

Thun Beim 2:1-Sieg gegen Lugano war Ridge Munsy für Thun der entscheidende Spieler. Mehr...

Marc Janko schiesst den FC Thun ab

Der FC Basel führt das Ranking der Super League wie im Vorjahr mit 41 Punkten an. Zum Abschluss der Vorrunde setzt sich der Titelverteidiger in Thun 2:0 durch. Mehr...

Dossiers

Kommentare

Blogs

Mamablog Mit Kindern über Flüchtlinge reden

Nachspielzeit Beim Foulpenalty ist zu vieles faul

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Die Welt in Bildern

Hoch über dem Alltag: Eine Frau sitzt auf einer Hängebrücke und blickt hinunter auf den Schlegeis-Stausee bei Ginzling in Österreich. (21. Oktober 2018)
(Bild: Lisi Niesner) Mehr...