«Er kassierte mehr als Österreichs Nationalcoach Marcel Koller»

Wer ist der neue YB-Trainer Adi Hütter? Eine Spurensuche.

Der Österreicher Adi Hütter zeigt ab sofort als Trainer bei YB die neue Richtung an.

Der Österreicher Adi Hütter zeigt ab sofort als Trainer bei YB die neue Richtung an.

(Bild: Reuters)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Adi Hütter ist in der Schweiz ein unbeschriebenes Blatt. Fredy Bickel hat sich trotzdem, abgesehen von Rolf Fringer, erstmals in seiner Karriere als Sportchef des FC Zürich und YB für einen ausländischen Trainer entschieden. Bernerzeitung.ch/Newsnetz erkundigte sich bei Michael Smejkal, einem der renommiertesten Sportjournalisten in Österreich, der für die «Salzburger Nachrichten» und auch für die «Süddeutsche Zeitung» arbeitet.

«Als Fussballer eine Legende, als Trainer der Shootingstar»

Wenn man mit Smejkal über Hütter spricht, sagt dieser wie aus der Pistole geschossen. «Als Fussballer eine Legende, als Trainer der Shootingstar.» Hütter hat während sieben Jahren für Austria Salzburg gespielt, ist dort dreimal Meister geworden und hat einmal den Supercup gewonnen.

«Spätestens als das Team 1994 im Uefacup die deutschen Bundesligisten Eintracht Frankfurt mit Torjäger Anthony Yeboah und den Karlsruher SC mit Trainer Winnie Schäfer eliminierte und gegen Inter Mailand in den Final einzog, wurde jeder Spieler in Österreich zur Legende», weiss Smejkal.

«In Gröding stieg er als Trainer mit völlig unbekannten 08/15-Spielern in die Bundesliga auf, führte den Club auf Rang drei und ins europäische Geschäft», sagt Smejkal. Das habe ihm schliesslich den Weg zu Red Bull Salzburg geebnet. Die Verpflichtung 2014 mit einem Dreijahresvertrag sei aber doch etwas überraschend gekommen.

750'000 Euro netto im Jahr

«Aber auch bei Red Bull Salzburg lieferte er hervorragende Arbeit ab, holte gleich in seinem ersten Jahr das Double.» Trotzdem hat Hütter nach nur einem Jahr seinen Vertrag im Sommer dieses Jahres, vor drei Monaten, vorzeitig aufgelöst. «Die Chemie zwischen dem damaligen Sportdirektor Ralf Rangnick und Hütter hat einfach nicht gestimmt.»

Hütter sei ein konsequenter Mensch und habe auch einen hoch dotierten Kontrakt vorzeitig aufgelöst. «Er war der bestverdienende Trainer in Österreich. Er kassierte mehr als Nationalcoach Marcel Koller», sagt Smejkal. Hütter habe bei Red Bull Salzburg ein monatliches Nettogehalt von 60'000 Euro bezogen, mit Prämien sei er insgesamt auf 750'000 Euro netto im Jahr gekommen. «Deshalb hat es mich doch überrascht, dass die Berner Young Boys ihn verpflichten konnten. Ich hätte eigentlich geglaubt, dass er eher in die deutsche Bundesliga geht.»

«Er kann auch mit der Peitsche knallen»

Smejkal beschreibt Hütter als ausgewiesenen Fachmann und hochkompetent und charakterisiert ihn auch als umgänglichen Menschen, der aber auch brutal hart mit seinen Spielern umgehen könne. «Wenn es um die Sache geht, kennt er kein Pardon, dann knallt er schon mal mit der Peitsche.»

Trotzdem würden sich alle Spieler, die einmal unter ihm gearbeitet hätten, nur lobend über ihn auslassen. Hütter lasse sich auch von grossen Namen nicht blenden. «Wenn er findet, ein 18-Jähriger sei besser als ein arrivierter Nationalspieler, dann spielt der 18-Jährige – und zwar ohne Wenn und Aber.» Smejkal ist überzeugt, dass YB mit Hütter einen hervorragenden Trainer verpflichtet hat.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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