Er ist immer noch da

Für Leonardo Bertone erfüllte sich gegen Xamax ein Bubentraum. Der 24-jährige Berner führte YB als Captain an.

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Fabian Ruch

Leonardo Bertone lacht herzhaft. Die Frage war, provokativ-direkt gestellt, warum er eigentlich noch hier sei. Bertone überlegt, dann antwortet er: «Weil es mir in Bern gefällt.» Gelogen ist das nicht, aber Bertone kennt den Hintergrund der Frage natürlich.

Mit zehn kam er 2004 von Wohlensee zu YB, durchlief die Nachwuchsabteilung des Clubs, galt nie als Supertalent, wurde mal fortgeschickt, erhielt dann doch einen Vertrag in der ersten Mannschaft – und war in viereinhalb Jahren in der Super League selten Stammspieler.

Aber längst ist Bertone als wertvolle Teamkraft etabliert, oft im Schatten anderer, stets da, wenn es ihn benötigt.Wie am Samstag, beim 5:2 gegen Xamax, als Bertone eine ­ordentliche Vorstellung abliefert, griffig wie immer in den Zweikämpfen, handlungsschnell an der Entstehung des 3:2 beteiligt.

Dass der 24-Jährige Ende August aber noch als YB-Akteur Auskunft gibt, hätte man vor drei Monate nicht erwartet. Es hiess, er strebe einen Wechsel ins Ausland an, weil er mehr Verantwortung übernehmen möchte, man hörte von Interessenten aus Belgien und Italien, Holland und Deutschland. Und weil das auch die Young Boys mitbekamen, verpflichteten sie mit Sandro Lauper vorsorglich einen talentierten Mittelfeldspieler aus Thun.

Captain Nummer 7

Lauper, Berner wie Bertone, ist derzeit verletzt, die gesetzten Sékou Sanogo und Djibril Sow wurden gegen Xamax geschont, und so bildeten Bertone und Michel Aebischer im 4-4-2-System den zentralen Aufbau. «Es ist nicht so, dass ich unbedingt wegwill», sagt Bertone, «aber es ist sicher auch so, dass es in meinem Alter nicht falsch wäre, würde ich häufiger spielen.»

Am Samstag ging für ihn immerhin ein Bubentraum in Erfüllung, firmierte er im Stade de Suisse doch als Captain der Young Boys. «Das durfte ich vorher erst einmal in einem Testspiel auf dem Spitalacker», sagt Bertone. Und: «Das ist etwas vom Schönsten, was ich als Fussballer erlebt habe.»

Mit Steve von Bergen (angeschlagen), Marco Wölfli (Ersatz) sowie den geschonten Guillaume Hoarau, Miralem Sulejmani, Sékou Sanogo und Loris Benito fehlten gegen Xamax die sechs ersten YB-Captains, was nichts an der für Bertone bedeutsamen ­Nominierung ändert. «Das erfüllt mich schon mit Stolz», sagt er.

«Wie immer»

Seine Rolle bei den Young Boys sieht Bertone nüchtern, er verweist auf die starke Konkurrenz, und als Sow hinter ihm durch die Katakomben des Stadions läuft, ruft er schmunzelnd: «Deinetwegen, Djibi, spiele ich nicht öfter.» Sein Wechselwunsch ist verständlich, selbst wenn er sagt, er wolle keinen Transfer erzwingen.

Wenn er gehe, dann nur zu einem Verein, der voll auf ihn setze. Vermutlich wäre der bissige Organisator in 8 von 10 Super-League-Vereinen mit seinen Qualitäten unbestrittener Leader im Mittelfeld.

Auch bei seinem Herzensclub YB hat er viel erreicht, mehr, als die meisten vor ein paar Jahren erwartet hatten. Er ist Meister geworden und nun auch Captain gewesen, am Dienstag gelingt vielleicht der Sprung in die Champions League. «Die Entwicklung hier ist toll», sagt Bertone, «es freut mich, ein Teil des Teams zu sein.» Und sowieso, meint er noch, er werde auch in dieser Saison auf seine Einsätze kommen. «Wie immer.»

Wenn er denn wirklich die gesamte Spielzeit bleibt.

Berner Zeitung

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