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«Er ist dabei, sich totzutrinken»

Der englische Fussballheld Paul Gascoigne erleidet erneut einen schweren Rückschlag. Passanten finden ihn betrunken vor einem Londoner Hotel.

Paul Gascoigne war nie einfach nur Fussballer. Selbst zu seinen besten Zeiten, als er die Fans in der englischen Heimat und auf der ganzen Welt mit seinen Geniestreichen verzückte, umwehte den Mittelfeldspieler eine Mischung aus Magie und Tragik, die ihm seitens der Öffentlichkeit Bewunderung und Mitleid einbrachte. Bewunderung für seine aussergewöhnlichen Fähigkeiten, die im Idealfall in Toren wie dem 2:0 im Gruppenspiel gegen Schottland an der Heim-EM 1996 gipfelten, Mitleid für seinen Hang zur Selbstzerstörung durch exzessiven Alkohol- und Kokainkonsum. Die tragischen Episoden in Gascoignes Leben haben inzwischen längst Oberhand gewonnen, erst recht nach seinem endgültigen Rücktritt 2004. Und sie zeigen: Gascoignes Schicksal wird wohl bis zu seinem Tod eng mit der Alkoholsucht verknüpft bleiben.

Das jüngste Kapitel in der Geschichte des selbstzerstörerischen Nationalhelden ereignete sich diese Woche, als der 46-Jährige betrunken vor einem Londoner Hotel kollabierte. Wie englische Medien berichteten, sammelten Passanten Gascoigne auf, der an einer Mülltonne lehnte. Zuvor hatte er nach seiner Ex-Frau und mehr Alkohol geschrien – obwohl er zwei Flaschen Gin in seinen Hosentaschen trug. Das Hotelpersonal rief einen Krankenwagen, der den Fussballer ins Spital brachte. Ein Freund liess sich danach prägnant zitieren: «Er hat wieder den Selbstzerstörungsknopf gedrückt. Er ist dabei, sich totzutrinken.» Nur wenige Tage vor seinem Zusammenbruch hatte Gascoigne an einer Bahnstation randaliert, danach seine Ex-Frau und einen Sicherheitsbeamten angegriffen, worauf er vorübergehend festgenommen wurde.

Dabei hatte es vor nicht allzu langer Zeit danach ausgesehen, als könnte Gascoigne den Kampf gegen sich selber doch noch gewinnen, nachdem er ihn beinahe endgültig verloren hatte. Im Februar erlitt er nach 18-monatiger Trockenheit einen derart schweren Rückfall, dass er vier Wochen später – nach einem von Freunden wie dem ehemaligen Nationalspieler Gary Lineker finanzierten Entzug in den USA – verkündete: «Drei Ärzte dachten, dass ich es nicht schaffe. Ich sah aus wie eine Leiche, ich war ein totales Wrack. Ich war tot.» Und weiter, voller Reue: «Ich kann nicht oft genug sagen, wie sehr es mir leid tut für die Menschen, die ich hängen gelassen habe.» Ehe er schloss: «Ich werde beweisen, dass es diesmal anders wird.»

Am 27. Mai, seinem 46. Geburtstag, trat Gascoigne als Ehrengast bei einem Pferderennen in Windsor auf, lächelnd und fein gekleidet. Es schien tatsächlich, als hätte er es geschafft, seine inneren Dämonen zu vertreiben. Der Eindruck täuschte.

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