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Entlassener Ikanovic wehrt sich

Eldar Ikanovic akzeptiert seine Entlassung beim FC Thun in Zusammenhang mit dem Wettskandal nicht. Die Kündigung sei nicht rechtens, sagt sein Berater Hidajet Bulic. Sein Schützling sei nicht aktiv in die Affäre verwickelt.

Opfer oder Täter? Eldar Ikanovic und sein Umfeld wollen wenn nötig vor Gericht gegen die fristlose Entlassung beim FC Thun vorgehen.
Opfer oder Täter? Eldar Ikanovic und sein Umfeld wollen wenn nötig vor Gericht gegen die fristlose Entlassung beim FC Thun vorgehen.
Keystone

Während sich der FC Thun im Trainingslager in der Türkei auf die Rückrunde vorbereitet, sitzt Mittelfeldspieler Eldar Ikanovic in Thun und leidet. Da ist das rechte Knie, das nach einem Innenbandanriss schmerzt. Und da ist die Entlassung durch den FC Thun, die ihm am Montag mitgeteilt wurde. Der Klub ist nach Akteneinsicht bei der Bundesanwaltschaft überzeugt, Ikanovic sei aktiv in den Wettskandal verwickelt. Weil er zuvor schriftlich erklärt habe, nicht in die Affäre involviert zu sein, sei die fristlose Entlassung nichts als konsequent.

Die Nachricht aus dem Berner Oberland sorgte auch in Ikanovics Heimat Bosnien für Schlagzeilen. Der bald 21-Jährige gehört zum Kader der U21-Nationalmannschaft. Ikanovics Berater Hidajet Bulic erhielt viele Anrufe und musste zahlreiche Fragen beantworten. Er hat sich daher entschlossen, auch in der Schweiz in die Kommunikationsoffensive zu gehen.

Geködert, bedroht, erpresst

Es gehe nicht darum, jemanden anzuschwärzen, schickt Bulic zu Beginn des Gesprächs im Foyer eines Thuner Hotels voraus, «aber es gibt einiges klarzustellen. Schliesslich geht es um die Zukunft eines jungen Fussballers.» Für Bulic steht fest: Die fristlose Entlassung seines Klienten sei nicht rechtens. Er werde sich vor Gericht dagegen wehren – mit Verweis auf eben jene schriftliche Erklärung. Im Unterschied zu seinen Teamkollegen hatte Ikanovic einen modifizierten Text unterschrieben. Nach Rücksprache mit einem Anwalt fügte Bulic in die Erklärung ein, Ikanovic sei nicht «aktiv» in den Wettskandal verwickelt. Dies im Wissen, dass der Spieler (wie so mancher Thun-Akteur) von einem Mittelsmann angesprochen worden war, um gegen Geld Spiele zu manipulieren. Die Version der Erklärung, die Ikanovic unterschrieb, hat Bulic mittlerweile auf seine Website (www.hbsport.de) gestellt.

Der Berater beschreibt, was im letzten Frühling geschehen sei: «Eldar lehnte das Angebot des Mittelsmanns ab und gab ihm zu verstehen, er wolle mit dieser Angelegenheit nichts zu tun haben.» Der Mann habe dennoch nicht lockergelassen und Ikanovic zuerst mit Geld geködert, dann bedroht und schliesslich erpresst. «Eldar ist unschuldig. Er ist Opfer, nicht Täter.» Dass sein Klient das unmoralische Angebot nicht sofort bei ihm, beim FC Thun oder bei der Polizei gemeldet habe, erklärt Bulic mit der fehlenden Integration Ikanovics in der Schweiz. «Er ist 20 Jahre alt, weit weg von zu Hause und spricht kaum Deutsch. Und er hatte grosse Angst.» Eine Partie habe Ikanovic nie beeinflusst. «Bei den meisten Spielen Thuns, die untersucht werden, kam er nicht zum Einsatz oder wurde früh ausgewechselt. Wie soll er unter diesen Umständen manipuliert haben?»

Anderes Bild beim FC Thun

Bulic sagt, er hätte vom FC Thun statt der Entlassung Unterstützung für Ikanovic erwartet. Thuns Präsident Markus Stähli, der im Zusammenhang mit der Wettaffäre im November bereits Stürmer Pape Omar Faye suspendiert hatte, lässt diesen Einwand nicht gelten. «Aus den Akten der Bundesanwaltschaft ergibt sich ein anderes Bild als jenes , das Herr Bulic zeichnet. Aus unserer Sicht ist Ikanovic aktiv in den Wettskandal involviert. Daher ist klar, dass wir ihn nicht weiterbeschäftigen können.» Ein allfälliges Gerichtsverfahren bereite ihm keine Bauchschmerzen, sagt Stähli: «Bei der Faktenlage ist es für die Gegenseite praktisch aussichtslos, den Rechtsstreit zu gewinnen.»

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