Englands Trainer wollen dem VAR an den Kragen

Bei einem Treffen diskutieren die Premier-League-Clubs eine Idee, die den Trainern ermöglicht, während eines Spiels Einspruch gegen den VAR zu erheben.

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Der Videobeweis bleibt im Mutterland des Fussballs weiterhin «VAR from perfect», wie es standardmedia.co.ke treffend formulierte. In der Premier League vergeht kaum ein Spieltag, an dem Entscheide des Video Assistant Referee (VAR) die Gemüter von Managern, Spielern, Experten und Fans nicht zum Kochen bringen.

Der Zoff um die fragwürdigen Entscheide spitzt sich zu. Die Clubs wehren sich gegen den Videobeweis in der Art, wie er aktuell in der Premier League praktiziert wird. Der «Telegraph» berichtete, dass die Vereine darüber diskutieren, ob es den Managern erlaubt sein sollte, während eines Spiels gegen eine Schiedsrichterentscheidung Berufung einzulegen. Die Idee werde nächste Woche bei einer Sitzung der 20 PL-Clubs vorgestellt, so die englische Zeitung in ihrem Bericht.

Ein Vereinsverantwortlicher sagte dem Telegraph, dass er dafür plädieren werde, dass jede Mannschaft künftig bis zu drei Einsprachen wegen umstrittener Szenen während einer Partie erhalte. Die Liga hingegen habe bereits angekündigt, dass sie sich gegen diese Massnahme entschieden wehren werde. Das Argument: Die zeitraubenden und taktischen Einsprüche würden dazu benutzt, das Spiel mutwillig zu unterbrechen und Zeit zu schinden.

Ärger bei Pochettino und Klopp

Der Ärger wird von diversen Vorfällen in den letzten Wochen und Monaten ständig befeuert. Nach fragwürdigen Entscheidungen beim 2:1-Sieg seines FC Liverpool bei Aston Villa schimpfte Trainer Jürgen Klopp zum Beispiel: «Es ist nicht korrekt, dass wir hier sitzen und darüber lachen. Derartige Situationen können Team-Manager den Job kosten.» Der Deutsche spielte auf eine Szene an, bei der Firminos Ausgleich wegen einer knappen und äusserst strittigen Abseitsstellung aberkannt wurde. Klopp habe sich die Szene unzählige Male angesehen und kein Abseits entdecken können.

Den letzten Aufreger erlebte Tottenham am Wochenende gegen Everton (1:1). Heung Min Son sah nach seinem Foul an André Gomes die Rote Karte – aber erst nach dem der VAR interveniert hatte, weil die Schwere der Verletzung (komplizierter Knöchelbruch) erst unter dem Eindruck der TV-Bilder ersichtlich war. «Der VAR hat Sons Tackling zu beurteilen und nicht das, was danach passierte», argumentierte Spurs-Trainer Mauricio Pochettino.

Clubs fordern neue Richtlinien

Dass die Clubs das vorübergehende Ende des Videobeweises in der Premier League fordern, soll aber nicht drohen. Laut «Telegraph» habe zwar einer vorgeschlagen, den VAR auszusetzen, «bis er perfektioniert werden konnte». Aber die Mehrheit der befragten Verantwortlichen will dem System noch eine Chance für Verbesserungen geben, bevor man an ein drastisches Vorgehen denkt. Mike Riley, General Manager of the Professional Game Match Officials Limited, müsse sich auf eine Diskussion mit harten Bandagen und ungemütlichen Fragen einstellen. Vor allem auch auf die Fragen, warum andere Ligen besser für die Einführung des VAR gerüstet waren und ob die Premier League über das richtige Personal dafür verfüge.

Angestrebt wird sicher eine Änderung der Richtlinien. Am Saisonanfang haben sich die Liga und die Vereine auf den Leitfaden geeinigt, dass die Pitch-Monitore «sparsam» eingesetzt werden sollen. Aus «sparsam» wurde aber «gar nicht». Denn in 110 Spielen verzichteten die Unparteiischen auf die Pitchside-Monitore und entschieden ohne sie.

Auch die Verwendung von Videoeinblendungen im Stadion für die Fans soll thematisiert werden. Die Premier League organisiert am Donnerstag auch ein Treffen in Manchester für die Trainer im Norden der Insel. Letzte Woche haben sich schon die Manager aus dem Süden im Stockley Park getroffen, wo die VAR-Zentrale ihren Sitz hat. Aston-Villa-Manager Dean Smith sagte danach: «Du kannst es jetzt nicht verschrotten, es gibt 28 Länder, die es benutzen.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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