England setzt sich selbst schachmatt

Holland gewinnt nach zwei kapitalen Böcken der englischen Hintermannschaft 3:1 und folgt Portugal in den Final der Nations League.

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Die Engländer träumen mal wieder von einem Titelgewinn. Seit der WM 1966 tun sie das, mal hoffnungsvoller und mal abenteuerlicher, zuletzt erreichten sie letztes Jahr an der Weltmeisterschaft immerhin mal wieder einen Halbfinal. Dort scheiterten sie an den Kroaten, es war eine schmerzhafte Niederlage, und doch sagt Nationaltrainer Gareth Southgate, die WM in Russland sei eine brillante Erfahrung für sein junges Ensemble gewesen. «Wir sind hungrig, und wir entwickeln gerade eine Siegermentalität.»

Southgate steht eine talentierte Belegschaft zur Verfügung, der zuzutrauen ist, in den nächsten Jahren an grossen Turnieren auch Halbfinals gewinnen zu können. Jenen in der noch kleinen Nations League am Donnerstagabend verloren sie gegen Holland 1:3 nach Verlängerung.

Es ist kein gutes Spiel in Guimarães. Southgate schont vorerst die Akteure der Champions-League-Finalisten Liverpool und Tottenham. Kein Dele Alli also, kein Trent Alexander-Arnold, kein Torjäger Harry Kane.

De Ligt: Fehler und Tor

Dennoch ist Englands Offensive mit Raheem Sterling, Marcus Rashford sowie Jadon Sancho vielversprechend besetzt. Sancho ist es, der die Partie nach drei Minuten mit einem seiner unwiderstehlichen Dribblings lanciert. Die Flanke findet keinen Abnehmer, und das ist ein Sinnbild für eine erste Hälfte, die geprägt ist von Unzulänglichkeiten.

Wenig überraschend ist es ein grober Aussetzer, der zum einzigen Treffer in der ersten Halbzeit führt. Matthijs de Ligt verliert stümperhaft den Ball und verursacht gegen Rashford einen Elfmeter, den der Gefoulte sicher verwandelt. Ausgerechnet De Ligt, die am meisten umworbene Defensivkraft, ist besonders indisponiert. Kurz darauf wird er von Sancho, auf dem Transfermarkt der Blue Chip unter den Offensivspielern, im Duell zweier 19-Jähriger getunnelt.

Nach der Pause wird das Geschehen rasanter. Mit über weite Strecken unerklärlich passiven Engländern. Und mit dominanten Holländern, die im Sturm aber längst nicht jene Sonderklasse ihrer Innenverteidigung besitzen. Ihr wie immer überzeugender Captain Virgil van Dijk von Liverpool hadert mehrmals mit seinen kompliziert agierenden Mitspielern – und degradiert den eingewechselten Kane wie im Champions-League-Final zum Statisten. De Ligt wiederum stabilisiert sich und erzielt in der 73. Minute mit einem wuchtigen Kopfball das 1:1.

Wenig überraschend sind die Holländer ebenfalls nicht aus dem Spiel heraus erfolgreich, sie reüssieren nach einem Eckball. Und können sich kurz darauf beim Videoschiedsrichter bedanken, dürfen sie die Verlängerung bestreiten. Nach einem fein herausgespielten Treffer steht Jesse Lingard vielleicht 3,5 Zentimeter im Abseits.

Auch England schnitzert

Diesmal verhindern also zuerst moderne Technologien einen Finaleinzug der Engländer – und später grobe Fehler. In der Verlängerung ist es ihr Innenverteidiger John Stones, der im Stil De Ligts schnitzert und das 2:1 der Holländer ermöglicht. Letztlich bugsiert Abwehrkollege Kyle Walker den Ball in der 97. Minute nach einer Slapstickaktion über die eigene Linie.


Das Slapstick-Eigentor von Kyle Walker (Quelle: SRF)

Und kurz vor Spielende leistet sich Ross Barkley einen haarsträubenden Ballverlust, Quincy Promes trifft zum 3:1 für Holland, das am Sonntag im Final der Nations League in Porto Gastgeber Portugal fordert. England dagegen wartet weiter auf den zweiten Finaleinzug der Geschichte – und trifft in zwei Tagen im Spiel um Platz 3 auf die Schweiz. (fdr)

Niederlande - England 3:1 (1:1, 0:1) n.V.

Guimarães. - 30'000 Zuschauer. - SR Turpin (FRA).
Tore: 32. Rashford (Foulpenalty) 0:1. 73. De Ligt 1:1. 97. Walker (Eigentor) 2:1. 114. Promes 3:1.
Niederlande: Cillessen; Dumfries, De Ligt, Van Dijk, Blind; De Roon (68. Van de Beek), De Jong (114. Strootman), Wijnaldum; Bergwijn (91. Pröpper), Depay, Babel (68. Promes).
England: Pickford; Walker, Stones, Maguire, Chilwell; Rice (106. Alli), Delph (76. Henderson), Barkley; Sancho (61. Lingard), Rashford (46. Kane), Sterling.
Bemerkungen: England ohne die Champions-League-Finalisten Alexander-Arnold, Dier, Gomez und Rose (alle Ersatz).
Verwarnungen: 31. De Ligt (Foul). 44. Dumfries (Foul). 70. Kane (Foul). 106. Van de Beek (Foul). 83. Tor von Lingard nicht anerkannt.

fdr

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