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Wie eine Tango-Lektion für Anfänger

Der FC Zürich und Basel trennen sich nach mässigem Spiel 1:1. Bei der Stürmersuche steht ein Luganese ganz oben auf der Wunschliste des FCZ.

Gerangel in allen Lagen: Die Zürcher Kevin Rüegg (links) und Hekuran Kryeziu bearbeiten Basels Noah Okafor. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Gerangel in allen Lagen: Die Zürcher Kevin Rüegg (links) und Hekuran Kryeziu bearbeiten Basels Noah Okafor. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Ludovic Magnin hatte die richtige Ahnung. «Vielleicht war das nicht so attraktiv für die Zuschauer», schwante dem Trainer des FC Zürich also, als er über die erste Halbzeit der Partie gegen den FC Basel sprach. Vermutlich gab es unter den 13'162 im Letzigrund welche, die noch deutlichere Worte gefunden hätten für 45 Minuten, in denen sich der FCZ vor allem um seine Defensive gekümmert hatte – und dennoch 0:1 im Rückstand lag.

Aber Zuschauer und Trainer haben andere Ansichten, wenn es um die Bewertung geht, was auf dem Fussballfeld als gut und gelungen gilt. Und so war Magnin bereits mit der ersten Halbzeit seiner Spieler so richtig zufrieden. Schliesslich hielten sie sich an seinen Plan. Etwas, das ihnen beim letzten, traurigen Liga-Auftritt gegen St. Gallen nicht ansatzweise gelungen war.

Ein 0:0, das aufgerüttelt hat

Jenes 0:0 muss den Verantwortlichen des FCZ kräftig in die Knochen gefahren sein. Anders ist nicht zu erklären, warum sich die Zürcher gegen Basel von Anfang an damit zufrieden gaben, dem Gegner den Ball zu überlassen und den Raum zu kontrollieren.

Immerhin war der FCB verletzungsbedingt mit einer Art Not-Abwehr angetreten. Mit Mittelfeldspieler Fabian Frei, der mit dem nervös wirkenden 20-jährigen Eray Cömert die Innenverteidigung bildete. Dahinter Ersatzgoalie Martin Hansen, der prompt beim 1:1 durch Pa Modou in der 76. Minute wenig vorteilhaft aussah. Wie fragil dieses rotblaue Gebilde war, fanden die Zürcher allerdings erst heraus, als sie in Hälfte zwei durch den Rückstand zu mehr offensivem Mut gezwungen waren.

Am Ende grämten sie sich, die drei Punkte verpasst zu haben. Tatsächlich hatten sie durch Stephen Odey, den derzeit einzigen nominellen Stürmer im Kader, bereits in der 67. Minute ein feines Tor erzielt. Es wurde ihnen wegen eines angeblichen Offsides zu Unrecht aberkannt. Aber für einen Sieg hätte der FCZ die Basler auch schon vor der Halbzeit prüfen dürfen.

So jedoch wirkte das Ganze ein wenig wie eine Tango-Lektion für Anfänger. Erst waren es die Zürcher, die einem äusserst hölzern wirkenden FCB die ­Führung überliessen, der damit herzlich wenig anzufangen wusste. Nach dem Seitenwechsel liessen sich dann die Basler von einem zupackender auftretenenden FCZ umherschieben.

Natürlich konnten die Tanzlehrer diesem etwas unbeholfen wirkenden Reigen Positives abgewinnen. Ein erleichtert wirkender FCZ-Sportchef Thomas Bickel etwa befand: «Wichtig ist, dass die Grundordnung stimmt, dass die Räume besetzt werden. Auch wenn wir uns durch Spieler wie Kololli oder Khelifi in Zukunft noch mehr Überraschungsmomente erhoffen.» Heisst: Erst kommen die Grundschritte – und dann die komplexen Figuren.

Kein klassischer Klassiker

Das Problem des Betrachters: Er weiss, dass dieser Tanz ganz anders aussehen kann, als das, was FCZ und FCB an diesem Sonntag darboten: feurig, leidenschaftlich, mit viel Sexappeal. Von all dem gab es gestern maximal Ansätze, auch wenn durch die ­Stadionlautsprecher penetrant «DER Klassiker» des Schweizer Fussballs beworben wurde.

Es gab schon klassischere Klassiker zwischen diesen beiden Clubs. In Zeiten etwa, in denen sich die zwei um den Titel stritten. Davon sind FCZ und FCB weit entfernt – auch wenn sie nominell die ersten Verfolger der führenden Young Boys sind. Aber sieben Punkte Rückstand nach fünf Runden sind bereits eine kleine Weltreise.

Für die Zürcher ist das allerdings kein Problem. Für sie sind acht Punkte ein guter Start in die erste ganze Saison mit Magnin an der Seitenlinie, sie sehen ihr Team als im Aufbau begriffen. Anders sieht es beim FCB aus, für den nur Titel zählen. Auf die Frage, ob der Rückstand auf YB ein Problem sei, meinte Marcel Koller: «Ich bin erst drei Wochen hier, wir haben den einen oder anderen jungen Spieler, der Zeit braucht. Darum kann ich das derzeit nicht beantworten.» Man hat schon angriffigere Ansagen von FCB-Trainern gehört.

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