YB und die portugiesischen Weltstars

YB hat 2018 einen Dauerlauf. Auf den Meister wartet in der Champions League ein Herbst zum Träumen. Nicht nur wegen Cristiano Ronaldo und José Mourinho.

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Fabian Ruch

Der Donnerstag beginnt mit einem Blick auf die Wettquoten bezüglich Champions-League-Sieger. Bet365, der grösste Anbieter, traut YB wenig zu. Mit einer Quote von 751:1 steht der Schweizer Meister zusammen mit AEK Athen auf dem letzten Platz, weit weg von den Favoriten Manchester City (6:1), Juventus und Barcelona (7:1).

Es sind die ganz grossen Namen, auf die YB treffen könnte. Und als am Abend in Monaco in festlichem Ambiente die Auslosung über die Bühne geht, entwickeln sich aus den Töpfen 1, 2 und 3 einige Traumgruppen. Bloss nicht die Gruppe D, jene mit Lokomotive Moskau, Porto und Schalke, das tönt sehr nach Europa League, und diesen Wettbewerb kennen die Berner nach fünf Teilnahmen seit 2010 bestens.

Der Weltbeste in Bern

Aber YB hat 2018 einen Dauerlauf. Und das sieht dann so aus: Juventus! Manchester United! Valencia! Es sind drei Gegner von Weltrang, mehrfache ehemalige Sieger und Finalisten der Champions League, mit edlen Kadern, in denen es nur so von Weltklassefussballern wimmelt.

Und natürlich dreht sich aus Berner Optik vorerst alles um ihn: Cristiano Ronaldo, der beste ­Spieler der Welt, Pokalhamsterer und Überfigur, geliebt und gehasst, Social-Media-Kaiser und Ausnahmeathlet. Fünffacher Champions-League-Sieger, zuletzt dreimal in Serie mit Real Madrid, fünffacher Weltfussballer, siebenfacher Torschützenkönig der Königsklasse, Europameister und so vieles mehr, dass es schwer ist, den Überblick über seine weit über 100 Titel mit dem Team und als Individualist zu behalten. Ronaldo hat mit seinem überraschenden Wechsel von Real zu Juventus die Kräfteverhältnisse im internationalen Clubfussball verschoben. Nicht nur bei den Quoten der Wettanbieter, bei denen Real ohne CR7 deutlich schwächer eingeschätzt wird.

Mourinhos Probleme

Und Juventus hat natürlich viel mehr zu bieten als Ronaldo. Es ist Italiens Serienmeister, ruhmreich und legendär. Goalieikone Gianluigi Buffon wechselte zwar zu Paris, aber es ist schwer vorstellbar, dass es einen Club gibt, der in Bern mehr Zuschauer als Juventus anziehen würde. Auch wegen der vielen Italiener in der Schweiz, die Juve-Tifosi sind.

Aus Topf 2 erwischte YB ohne Zweifel den attraktivsten Gegner. Manchester United ist der grösste Club der Welt, gemessen an Markenwert, Ausstrahlung, Fangemeinde. Ronaldo spielte auch mal dort und gewann 2008 unter Sir Alex Ferguson die Champions League.

Im teuer besetzten Team stehen jede Menge aussergewöhnliche Fussballer, zum Beispiel Weltmeister Paul Pogba, der sich allerdings mit José Mourinho nicht besonders gut verstehen soll. Mourinho ist der Trainer, jeder kennt ihn, erfolgreich und umstritten, arrogant und zynisch, kalt lässt der 55-Jährige, Portugiese wie Ronaldo, niemanden. Zweimal gewann er mit Aussenseitern die Champions League, 2004 mit Porto und 2010 mit Inter. Mit den Giganten Chelsea und Real aber scheiterte er beim Versuch, den Henkelpott zu erringen.

Attraktive Destinationen

Mourinho steht nach einem schwachen Saisonstart schwer in der Kritik, er wackelt, kriegt er nicht bald die Kurve, könnte er die Rendez-vous mit YB im Herbst infolge Arbeitslosigkeit verpassen. Es würde den Reiz für die Young Boys nicht schmälern. Die Reise ins Old Trafford dürfte zum unvergesslichen Trip werden, der Rekord an mitgereisten Supportern an ein Auswärtsspiel könnte fallen. 2012 begleiteten rund 2500 Fans die Young Boys an den Europa-League-Auftritt nach Liverpool nahe Manchester.

Und dann, als Supplement für YB aus Topf 3, noch Valencia, Vertreter aus der Primera División, gleichfalls mit einem äusserst kompetitiven Kader und mit dem fantastischen Mestalla-Stadion, steil die Tribünen, eng die Kurven, laut die Zuschauer. Der Wert der Mannschaft Valencias beträgt gemäss Transfermarkt.de 427 Millionen Euro, bei Juventus sind es 770 Millionen und bei Manchester United sogar 855. Zusammen ergibt das die unfassbare Summe von weit über 2 Milliarden Euro an Spielerwerten.

Schaufenster für Spieler

Für die jungen, talentierten Akteure der Young Boys bieten die sechs Partien die grosse Gelegenheit, sich ins Schaufenster zu stellen. Mit starken Vorstellungen werden die Ablösesummen für sie explodieren, das gilt für Kevin Mbabu, Roger Assalé, Christian Fassnacht und einige mehr. Vor allem aber für Djibril Sow, für den bereits in diesem Sommer fast schon unanständige Offerten eingingen. Der smarte Stratege entschied sich aber für eine weitere Saison bei YB – mit der Perspektive Champions League.

Nun werden Sow und Kollegen mit Festspielen belohnt. Losfee Kaká, 2007 letzter Weltfussballer vor Ronaldo und Lionel Messi, sei Dank. Die Frage wird nicht sein, ob die YB-Heimspiele ausverkauft sein werden. Sondern: wie schnell! Und wie viele Tickets für die Begegnung gegen Ronaldos Juve hätten verkauft werden können. Die Young Boys werden durch die Champions-League-Teilnahme rund 30 Millionen Franken einnehmen. Und weil Salzburg am Mittwochabend mal wieder dramatisch scheiterte, erhalten sie als Team mit dem fünfttiefsten Wert nun sogar 5,5 Millionen Euro aus dem neuen Uefa-Koeffizientenpool. Salzburgs Bezwinger Roter Stern Belgrad, Inter Mailand, Hoffenheim und AEK Athen stehen hinter YB.

Bessere Quote als Leicester

Sportlich sind die Aussichten von YB nicht ganz so rosig. Sie werden die Gruppe H vermutlich nicht ­gewinnen. Wobei sie auf Kunstrasen auch für diese drei Topteams ein unangenehmer Gegner sein können. Die Wettexperten von Bet365 sehen das leicht anders. Nach der schwierigen Auslosung rangierte YB am Donnerstagabend bezüglich Champions-League-Sieg abgeschlagen mit einer Quote von 1001:1 auf Platz 32.

Dennoch sei an dieser Stelle erwähnt, dass der Final im neuen Stadion von Atlético Madrid über die Bühne gehen wird. Wunder gibt es immer wieder. Und sowieso: Es gab phänomenal optimistische Leicester-Fans, die vor der Meistersaison 2015/2016 auf einen Titelgewinn ihres als erster Abstiegskandidat gehandelten Teams setzten. Die Quote: 5001:1.

Berner Zeitung

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