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Ein Tor, die Hitze und viele Pläne

Hakan Yakins Einstand in Katar ist geglückt. Nach dem lockeren Startsieg mit Al Gharafa und seinem schönen Tor ist der Nationalspieler glücklich, aber immer noch ein bisschen einsam. Yakin freut sich auf die kühleren Monate.

Es ist Sonntagnacht, Mitternacht ist bald eine Stunde vorbei, draussen ist es immer noch über 30 Grad und schwülheiss, und drinnen, in der Limousine, die durchs nächtliche Doha rollt, kühlt die Klimaanlage, was sie hergibt. Hakan Yakin und der brasilianische Stürmer Fernandao werden zurück ins Hotel Intercontinental gefahren. Yakin ist erschöpft, 83 Minuten dauerte sein Nachtwerk, jetzt sitzt er hinten im Auto und telefoniert mit seiner Freundin. Er freut sich, ihre Stimme zu hören, er ist ja ein bisschen einsam hier im Wüstenstaat mit dem gewaltigen Erdgasvorkommen. «Das Sportliche habe ich hier im Griff», sagt Yakin nach dem ersten Auftritt mit Al Gharafa. «Aber das Private wird nicht einfach sein.» Er hat viel, sehr viel Zeit für sich allein, er will Englisch lernen und ein Sportmanagement-Fernstudium aufnehmen und seinen Golfschwung perfektionieren, bald, wenn die Temperaturen nicht mehr so unerträglich hoch sind.

Das wunderschöne Tor

Der September sei mit Abstand der schlimmste Monat, sagen die Einheimischen, und vielleicht ist das ein kleiner Trost für Hakan Yakin. Er telefoniert jetzt mit seinem Bruder, in der Schweiz ist es 24 Uhr, er will der Erste sein, der Murat Yakin zum Geburtstag gratuliert. Er erzählt ihm vom Spiel, vom 3:1-Sieg, er beschreibt sein Tor blumig und in allen Einzelheiten, es war ja auch ein kleines Kunstwerk gewesen, zuerst dieser Sprint über 40 Meter, dann der blitzschnelle Doppelpass mit dem Iraki Nashat Akram und schliesslich der platzierte Aussenristschuss aus rund 15 Metern. «Schade sieht dieses Tor in der Schweiz niemand», sagt Yakin. Er schmunzelt bloss gequält, zum Lachen ist er zu müde. Über vier Liter Flüssigkeit hat er verloren, obwohl das Spiel erst um 22.30 Uhr Ortszeit angefangen hatte. «Vor dem Spiel habe ich eineinhalb Liter Wasser getrunken und in der Pause noch einmal einen Liter», sagt Yakin zu seinem Bruder, der weit weg in der kühlen Schweiz sitzt und vom schlechten Wetter in der Heimat berichtet. Murat Yakin erkundigt sich bei seinem kleinen Bruder nach dem Spielniveau in der Liga, und Hakan Yakin überlegt. Dann sagt er: «Unsere Offensive wäre in der Super League wohl die beste.»

Das ist schön gesagt, denn in der Abwehr sind eher keine Spezialisten engagiert, und natürlich war das Tempo nach der Pause geringer, die Akteure waren müde. «Spiele hier werden oft in der ersten Hälfte entschieden», hat Yakin gehört. Und dann fragt der Bruder noch nach der Ambiance, Yakins Stimme wird leiser, als er erzählt, es seien nur rund 400 Zuschauer im modernen Stadion gewesen. «Das vermisse ich schon, das Publikum, die Fans, die Stimmung», sagt er. «Aber ich werde mich daran gewöhnen.» Yakin verabschiedet sich von seinem Bruder, das Hotel ist erreicht, er tritt in die dunkle, heisse Nacht.

Ungewohnte Vorbereitung

Am nächsten Mittag ist es immer noch heiss, 45 Grad, nur: Jetzt brennt die Sonne, der Asphalt glüht, die Autos schieben sich, Geländewagen an Geländewagen, durch Doha. Yakin hat am Montagmorgen einige Geschäfte erledigt, er freut sich aufs Mittagessen. Unmittelbar nach dem Spiel war er nicht hungrig gewesen.

Man könnte es seinen persönlichen Ramadan nennen. «Ich weiss nicht, wie die muslimischen Spieler das im Ramadan bei dieser Hitze überstehen», sagt Yakin. Um fünf Uhr morgens hätten die katarischen Spieler am Sonntag im Teamhotel gegessen und getrunken, es sei sehr lärmig gewesen, und dann den ganzen Tag nichts mehr. Zum Mittagessen waren nur die Ausländer erschienen, erst bei Sonnenuntergang habe er die Mitspieler aus Katar wieder gesehen. Yakin kennt die Einheimischen noch nicht gut, sogar erst am Freitag wurden ihm die Nationalspieler vorgestellt, nachdem sie fast zwei Monate mit Katars Auswahl unterwegs gewesen waren. Immerhin hat Yakin bereits erfahren, dass Al Sadd der stärkste Gegner sei. «Gegen die dürfen wir nicht verlieren, sonst wäre unser Scheich sehr traurig.»

Am Montag, dem Tag nach dem Spiel, ist trainingsfrei. Yakin macht am Nachmittag ein bisschen Fitness, er geht kurz in den Pool, lange hält er sich nicht draussen auf, es ist zu heiss. Das Handy ist in einsamen Momenten der beste Freund, Yakin hat eines mit zwei Karten drin, eine Nummer aus der Schweiz, eine aus Katar. Trotzdem gefällt es Yakin in Doha, sagt er, denn er habe ja gewusst, was ihn erwartet. «Wären wir mit YB Meister geworden, wäre der Abschied aber noch schwerer gefallen», sagt er. Er vermisst den Wettspielcharakter in Europa. Und die Freundin, eine Bernerin, vermisst er am meisten. Sie arbeitet in Zürich bei einer Grossbank, erst über Silvester wird sie zehn Tage nach Katar kommen können. Yakin freut sich jetzt schon.

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