Ein Tiefschlag vor dem Höhepunkt für den FC Thun

Thun

Der FC Thun verliert vor dem Cupfinal 0:3 beim FC Zürich, sichert sich aber den Ligaerhalt.

Abend zum Vergessen: Thuns Nicola Sutter (links) und Grégory Karlen bleibt der Frust. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Abend zum Vergessen: Thuns Nicola Sutter (links) und Grégory Karlen bleibt der Frust. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Dominic Wuillemin

Wie geht man eine solche Halbzeit an, im Wissen, dass vier Tage später der Cupfinal ansteht, ein Höhepunkt in der Clubhistorie und für jeden Thuner Spieler?

Es ist am Mittwochabend Halbzeit im halb leeren Letzi­grund, als sich Thuns Trainer Marc Schneider diese Frage stellen muss. Sein Team liegt 0:3 zurück, nach menschlichem Ermessen gibt es nichts mehr zu holen – höchstens, sich eine Verletzung einzufangen. Schneider gibt die Antwort mit einer Auswechslung, er lässt Dejan Sorgic in der Kabine, diesen Stürmer, der zwar an Schwung verloren hat, aber unersetzlich ist. Das Zeichen ist klar: Fortan gilt der Fokus dem Sonntag.

Den Cupfinal im Kopf?

Dass die Partie in Zürich keine sein könnte, gerade für den Kopf, das zeichnete sich ab. Einerseits war da dieses 1:0 am Samstag gegen Lugano, das den ersten Sieg nach elf Partien und, wichtiger, den fast sicheren Ligaerhalt bedeutete. Andererseits rückt der Cupfinal am Sonntag im Stade de Suisse gegen den FC Basel immer näher, diese übergrosse Spiel, das seit Wochen den ganzen Verein auf Trab hält und Energie absorbiert. Weil es einen Mehraufwand darstellt, wenn auch einen schönen, nicht nur für die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle, auch für den eher kleinen Thuner Kader, der durch Verletzungen von Leistungsträgern zusätzlich ausgedünnt ist.

Die Niederlage in Luzern vier Tage nach dem Cuphalbfinal gegen denselben Gegner nahm Schneider mit seiner Aufstellung in Kauf, als er wichtigen Kräfte eine Pause gegönnt hatte. Als die Thuner eine Woche später gegen Xamax 0:2 verloren und Gefahr liefen, mit in den Abstiegsstrudel gezogen zu werden, bündelten sie gegen Lugano noch einmal die Kräfte, mit Erfolg.

Schlimme sechs Minuten

Vor dem Match vom Mittwoch kündigte Schneider an, keine Rücksicht auf den Cupfinal nehmen zu wollen – schliesslich können die Thuner ja auch noch den dritten Platz erreichen, der, sofern sie es nicht schon mit einem Cupsieg schaffen, die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League bedeuten würde. Und tatsächlich: Bis auf Flügel Matteo Tosetti, der angeschlagen fehlt, vertraut Schneider auf dieselben Spieler wie beim 1:0 gegen Lugano.

Das wirkt. Sein Team beginnt engagiert. Es gewinnt mehr Zweikämpfe und kommt zu den besseren Chancen. Marvin Spielmann scheitert zweimal an FCZ-Goalie Yanick Brecher, Moreno Costanzo streift mit einem Schlenzer das Aussennetz.

Doch es braucht nur fürchterliche sechs Minuten, um das alles zunichtezumachen. Es ist ausgerechnet Captain Stefan Glarner, hinten rechts eigentlich solid und im Cupfinal gesperrt, dem nach einer halben Stunde ein verhängnisvoller Querschläger unterläuft. FCZ-Stürmer Assan Ceesay reagiert am schnellsten und vermag von Nicola Sutter nur noch mit einem Foul gestoppt zu werden. Benjamin Kololli verwandelt souverän. Es ist der Anfang vom Ende.

Wenig später steht es 3:0, Stephen Odey und Ceesay haben nach Angriffen über links erhöht, die Thuner, die in der Rückrunde am meisten Gegentore erhalten haben, hinterlassen in der Defensive wieder einmal einen anfälligen Eindruck – auch das wird im Hinblick auf den Cupfinal kein Selbstvertrauen einbringen. Zum Tiefschlag passt, dass sich Innenverteidiger Miguel Rodrigues kurz vor der Pause am Kopf verletzt. Ob er am Sonntag spielen kann, ist fraglich.

Beim 0:3 bleibt es: Weiteren Schaden nehmen die Thuner nicht. Und weil Xamax in Sitten spät verliert, ist der Klassenerhalt definitiv gesichert. Es ist eine Nachricht, die Schneider am Ende doch noch ein Lächeln auf die Lippen zaubert. «Der Ligaerhalt war unser erstes Ziel», sagt der Trainer und spricht von einem Druck, der abfalle. Er sagt: «Jetzt freuen wir uns auf den Cupfinal.»

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