Zum Hauptinhalt springen

Ein Sonntag wie ein Frey-Tag

Ein Tor und tausend Nickligkeiten: Für den Berner Stürmer in Diensten des FC Zürich war der Cupfinal gegen YB eine wilde Begegnung mit seiner fussballerischen Heimat.

Michael Frey schoss den FCZ in Führung.
Michael Frey schoss den FCZ in Führung.

Er kommt einfach nicht weg. Nicht jetzt, nicht nach diesem Auftritt, nicht in der Stunde des Triumphs, seines bisher grössten. Michael Frey zieht es langsam Richtung Garderobe, er hat mit dem FC Zürich eben den Cup gewonnen, «wir wollen feiern», ruft er den Journalisten zu.

Doch alle wollen etwas wissen von ihm, etwas haben von ihm, es ist kein normaler Nachmittag, es war kein normales Spiel. Aber normal, das hat noch nie zu Michael Frey gepasst.«Michi, Michi», klingt es, und natürlich kommt er noch einmal zurück und strahlt und erzählt, wie das für ihn ist, den Berner, der an diesem Abend auch ein Sieger ist, weil er vor einem Jahr die Young Boys zum zweiten Mal verliess.

«Michi, Michi», aber auf dem Platz ist er an diesem Nachmittag der Michael, impulsiv, energisch, ein bisschen böse, ein bisschen unanständig und am Ende mit der Bilanz: ein Tor und tausend Nickligkeiten. Am Abend zuvor gab Sergio Ramos, Verteidiger von Real Madrid, im Endspiel der Champions League eine Kostprobe davon, was man mit «Spielern, die man lieber in den eigenen Reihen hat», meinen könnte.

«Ich war ziemlich geladen»

Und so steigt Frey in diesen Final, als gäbe es kein Morgen. Keine 20 Sekunden dauert es bis zu seiner ersten Grätsche, etwas mehr als 60 Sekunden bis zu seiner ersten Chance. Frey ist heisser als die ganzen YB-Reihen zusammen, es ist ein Feuer, mit dem er gerade zu Beginn den ganzen FCZ anzustecken vermag.

Video: Michi Frey im Interview

«Ich war ziemlich geladen», gibt er später zu. Und sein Trainer Ludovic Magnin meint: «Diese Mentalität war unsere beste Qualität.» Also ist es Michael Frey aus Münsingen, dieser breitschultrige Berner im weissen FCZ-Leibchen, der von Beginn an im Mittelpunkt eines mitreissenden Finals steht. Nach zehn Minuten zieht Frey schon zum zweiten Mal Richtung YB-Tor, er schiesst diesmal sofort und trifft flach unten links, erwischt Steve von Bergen mit einem Beinschuss und Marco Wölfli in der tiefen Ecke.

Es ist kein Kunststück, mehr das Werk eines Filous. Und sein Jubel fällt so aus, wie man das bei seiner Spielweise erwarten darf: hart an der Grenze zum Vertretbaren. Vor der YB-Kurve ballt er demonstrativ die Fäuste, dann rennt er los, und als er an YB-Trainer Adi Hütter vorbeikommt, kann er es nicht lassen und schreit in seine Richtung, eine Sekunde ist es nur, und doch scheint es, als würde er in diesem Moment Gefühle von mindestens einem Jahr los.

Es ist das Bild, das bleibt von ihm an diesem Tag. «Im Nachhinein würde ich das vielleicht nicht mehr machen», sagt er später, «und geplant war das nicht. Aber es hat sich im Vorfeld auch einiges angestaut.»

Im Vorfeld, da beschloss Michael Frey ausnahmsweise, für einmal einfach nichts zu sagen. Leicht dürfte ihm das nicht ge­fallen sein. Erzählen hätte er können, von einer schwierigen, durch eine schwere Verletzung geprägte Zeit in Frankreich oder vom empfindlichen Abgang im Sommer 2017, seinem bereits zweiten bei YB, als es für ihn unter Hütter keinen Platz im Team mehr gab.

Jetzt ist 2018, und im Cupfinal geht es weiter mit Frey, er rennt vom einen Schauplatz zum nächsten, Frey und Sanogo, Frey und von Bergen, er teilt aus und steckt ein, aber niemals auf, er spürt, das könnte sein Spiel werden, der Frey-Tag am Sonntag. Und tatsächlich reicht es am Ende, auch wenn seine Kräfte nachlassen.

Frey hat den FCZ mit seiner Energie mit zum Titel ge­tragen. Im Vorfeld schnitten die Angehörigen der Profis ein Video mit Motivationsbotschaften zusammen. «Schon da gab es Tränen», sagt Frey, «und schon deswegen war ich hoch motiviert.»

Wie das Gestern so zum Heute steht, ist ja manchmal ganz erstaunlich. Und im Fall von Michael Frey steht noch immer ein wenig dieser 17-jährige Bub vor einem, dem 2012 mit YB sein erstes Tor in der Liga glückte. «Das war gerade ein Wahnsinnsgefühl», sagte er damals und dankte seinem Förderer Thomas Häberli – heute U-21-Trainer bei Basel – mit einem artigen «Herr Häberli».

Sechs Jahre später dürften sie längst per Du sein, und Frey stemmt jetzt diesen Pokal in die Luft – mit dem FCZ. «Ich hatte eine gute Zeit bei YB. Aber hey, es ist auch Business, ich bin jetzt hier.» So redet Frey, neben ihm steht von Bergen, fast Rücken an Rücken geben die beiden Auskunft, nachdem sie sich zuvor auf dem Platz hart bekämpft hatten.

Voten zwischen Witz und Wahn

Frey hat sich wieder in Fahrt geredet, man möchte ihn jetzt auch gar nichts mehr fragen, aus Angst, er könnte sich wieder in irgend­eine Parole versteigern. Noch auf dem Feld sagt er: «Mit mir hätte YB das Double geholt.» Es sind vollmundige Voten, für die Presse Bonmots, für die Zürcher Witz, für die Berner Wahn.

«Hätte ich für YB Spalier stehen sollen?», fragt er und lacht laut. «Michi, Michi», noch ein letztes Mal, dann ist er weg. Der «Michi» ­feiert jetzt. Und der Michael wird an seinen Aussagen gemessen werden.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch